Nach Kivran-Hammer: Kothny will Türkgücü „so gut es geht retten“
Montag 28.12.20 10:00 Uhr|Autor: Münchner Merkur / Nico-Marius Schmitz46.085
Der starke Mann bei Türkgücü war seit 2016 der millionenschwere Hasan Kivran (li.) – jetzt zieht er sich zurück. Foto: MIS

Nach Kivran-Hammer: Kothny will Türkgücü „so gut es geht retten“

Das Ende von Türkgücüs rasantem Aufstieg?
Präsident und Investor Hasan Kivran zieht sich bei Türkgücü München überraschend zurück. Wie geht es nun mit dem Drittligaaufsteiger weiter?


Münchner Merkur / Alexander Nikel, 23.12., 23:11 Uhr
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  • Investor und Klub-Boss Hasan Kivran verlässt Türkgücü München* zum Jahresende.
  • Geschäftsführer Max Kothny will den Verein jetzt „so gut es geht retten“.
  • Gespräche mit neuen Interessenten gab es bereits.

München – Es war ein vorweihnachtlicher Paukenschlag. Am Abend des 23. Dezember vermeldete „Sport1“, dass Investor und Klub-Boss Hasan Kivran Türkgücü München zum Jahresende verlässt. Auf Nachfrage unserer Zeitung zeigten sich Funktionäre noch am selben Abend „etwas schockiert“, auch die Mitarbeiter erfuhren die unerwartete Wendung erstmals aus den Medien. „Die Nachricht kam überraschend. Ich habe die letzten Tage gebraucht, um mir erst mal einen Überblick zu verschaffen“, sagte Geschäftsführer Max Kothny gestern im Gespräch mit unserer Zeitung.

 

Türkgücü München: Erschwerter wirtschaftlicher Verlauf der Saison der Hauptgrund für den Rückzug Kivrans?

Es gebe „mehrere Gründe“, warum Kivran sein Engagement beendet, die jedoch noch nicht alle offen kommuniziert werden sollen. Der erschwerte wirtschaftliche Verlauf der aktuellen Saison – keine Zuschauer, die fehlende staatliche Unterstützung – soll jedoch maßgeblich zur Entscheidung beigetragen haben. Kivran stieg zum 1. Januar 2016 bei den Münchnern ein und führte den Verein durch sein Investment – nach eigenen Angaben waren es bislang Ausgaben in Millionenhöhe – von der Landesliga bis zum Profifußball in der 3. Liga.

 

Kothny: Gespräche mit neuen Interessenten sind bereits in Gange

Der 54-Jährige betreibt eine Vermögensverwaltung, die laut Geschäftsbericht aus dem vergangenen Jahr 19 Millionen Eigenkapital aufweist. Über seine Vermögensverwaltung gehören Kivran 89 Prozent an der Türkgücü Fußball GmbH. Diese Anteile möchte der Geschäftsmann nun wieder los werden: „Es gab schon Gespräche mit neuen Interessenten und es laufen auch weiterhin Gespräche. Aktuell ist aber noch alles offen“, sagt Kothny. Es sei auch egal, ob eine einzelne Person oder ein Konsortium die Anteile kauft, es gehe darum „jemanden zu finden, der bereit ist, den Weg Türkgücü München weiterzugehen und dieses Projekt aufrecht zu erhalten.“ Ohne einen zahlungskräftigen Investor würde das einmalige Projekt – der erste Migrantenverein im deutschen Profifußball – krachend scheitern. Die aktuellen wirtschaftlichen Einkünfte können den Kostenapparat in der 3. Liga nicht ansatzweise decken.

Türkgücü München: Alle wichtigen Entscheidungen fielen durch Kivrans Hände

Das ambitionierte Ziel von Türkgücü als Nummer zwei Münchens rückt ohne den finanziellen Vater des Erfolgs in weite Ferne. Kivran fungierte im Verein nicht nur als Präsident, sondern leitete auch den Aufsichtsrat. Alle wichtigen Entscheidungen gingen durch seine Hände. Der Geschäftsmann führte Türkgücü radikal – alles wurde dem rasanten Erfolg untergeordnet. Nach jedem Aufstieg folgte auch ein nahezu komplett veränderter Kader, um den hohen Ansprüchen gerecht zu werden.

Ex-Trainer Reiner Maurer wirft Kivran „fehlenden Anstand und Respekt“ vor

Obwohl der ehemalige Geschäftsführer Robert Hettich nun sportlicher Leiter beim FC Schweinfurt 05 – und Trainer Reiner Maurer Türkgücü zum souveränen Aufstieg in die 3. Liga führten, wurden die beiden Verträge nicht verlängert. Maurer klagt aktuell noch um seine Aufstiegsprämie, Hettich bekam diese erst nach drei Monaten Verspätung und gerichtlicher Hilfe. Maurer, der auch schon mal SMS mit taktischen Anweisen von Kivran bekam, warf dem Investor noch vor einigen Wochen „fehlenden Anstand und Respekt vor.“

Auch der Abgang mitten in der Saison lässt Zweifel aufkommen. „Es ist eine schwierige Zeit und wird eine große Herausforderung“, sagt Kothny. Der 24-Jährige habe alle Mitarbeiter über die Situation informiert: „Es gehört jetzt zu meinen Aufgaben, den Verein so gut es geht zu retten.“

NICO-MARIUS SCHMITZ *tz.de ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks


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