FuPa-Shop Vereinsverwaltung
Suche
Dienstag 12.09.17 19:41 Uhr|Autor: lst873
Daniel Sperl vom TSV Wörth im Nationaltrikot gemeinsam mit Conny Frank Fritsch, dem Trainer der Nationalmannschaft CP.

Mit der Deutschen Nationalmannschaft CP auf Sankt Pauli

Wörths Stürmer Daniel Sperl erzielte zwei Tore im Länderspiel gegen Dänemark
Beim TSV Wörth trägt Daniel Sperl seit zwei Jahren die Nummer 14. Die geliebte „14“ trug er auch in der Vorwoche, allerdings war diese auf ein Trikot der DFB-Nationalmannschaft geflockt. Der pfeilschnelle Offensivspieler war nämlich mit der Nationalmannschaft CP in Hamburg unterwegs und schoss dabei im Länderspiel gegen Dänemark beim 11:1-Sieg auf Sankt Pauli zwei Treffer. Am Sonntag war er dann wieder für den Kreisklassen-Spitzenreiter TSV Wörth im Heimspiel gegen Mintraching am Ball. Und die Wörther sind stolz auf ihren Nationalspieler. Daniel Sperl freut sich auf weitere Einsätze im Nationaltrikot. Nun stellte sich der 27-jährige Fußballer und Familienvater unseren Fragen.

Herr Sperl, Gratulation zu ihrem Doppelpack gegen Dänemark? Erzählen Sie etwas über die vergangenen Tage?

 

Nach einer längeren Pause wurde ich vom neuen Bundestrainer Conny Frank Fritsch zum Länderspiel gegen Dänemark in Hamburg eingeladen. Am Montag reiste ich mit meinen 14 Teamgefährten an. Nach einer Trainingseinheit am Montagabend stand am Dienstagvormittag auf dem Gelände des FC Sankt Pauli das Länderspiel gegen Dänemark an. Es läuft einem eiskalt über den Rücken, wenn die Deutschlandhymne ertönt und man für sein Land auflaufen darf. Wir gewannen mit 11:1, wobei ich zwei Tore erzielen konnte.

 

Was genau versteht man genau unter Nationalmannschaft CP?

 

Aufgrund eines schweren Verkehrsunfalls im Jahr 2006 kann ich meinen rechten Arm nicht mehr voll bewegen. Ich kann ihn weder heben, noch zur rechten Seite bewegen. Beim Unfall erlitt ich Nervenwurzelausrisse, die irreparabel sind. Auch meine Teamkollegen in der Nationalmannschaft CP, das steht für Cerebralparese, haben mit Spastiken zu kämpfen.

 

Wie viele Länderspiele haben Sie bereits auf ihrem Konto verbuchen können?

 

Das Spiel gegen Dänemark war für mich bisher das zehnte Länderspiel für die Nationalmannschaft CP. Mein Länderspieldebüt durfte ich im Jahr 2014 feiern. Bereits bei meinem ersten Lehrgang in Braunschweig standen nämlich zwei Freundschaftsspiele gegen die Niederlande an. Bis Mitte 2015 wurde ich dann regelmäßig zu Länderspielen eingeladen. Danach entschied sich der damalige Bundestrainer leider dafür, mich nicht mehr zu berücksichtigen. Der neue Trainer Conny Frank Fritsch hingegen baut voll auf mich, was mich natürlich sehr freut.

 

Wie ist der Spielmodus?

 

Gespielt wird auf einem D-Jugend-Feld, das von Strafraum zu Strafraum eines Großfeldes reicht. Wir spielen allerdings nicht elf gegen elf, sondern sieben gegen sieben. Zu den regelmäßig stattfindenden Lehrgängen und Länderspielen werden immer 15 Spieler eingeladen. Ich hoffe, dass ich noch sehr oft mit dabei sein werde. Vorige Woche fand am Mittwochvormittag ein Länderspiel vor den Toren des bekannten Millerntor-Stadions auf Sankt Pauli in Hamburg statt. Abends waren wir und die Nationalmannschaft aus Dänemark zu einem Gesundheitskongress, ausgerichtet vom Deutschen Rollstuhlverband, samt Galaabend eingeladen. Im „Schuppen 52“ im Hafengebiet wurde ein Fußballfeld aus Parkettboden errichtet, den eigentlich der Rollstuhlverband für Basketballspiele nutzt. Somit spielten wir auf Hallenboden vor rund 1000 Zuschauern nochmals für zwei Mal zehn Minuten ein inoffizielles Länderspiel. Das war ein Erlebnis der besonderen Art, da dieser Fußballsport in Deutschland noch sehr unbekannt ist. Dieses Event kam bei den geladenen Zuschauern sehr gut an und beide Seiten standen nach dem Spiel bei der Galaveranstaltung gerne Rede und Antwort. Ich hoffe noch oft bei solchen Events oder großen Turnieren für die Nationalmannschaft CP auflaufen zu können.

 

Wo finden die Lehrgänge statt?

 

Einen festen Stützpunkt gibt es nicht, da das Einzugsgebiet im ganzen Land verteilt und die Möglichkeit für solche Lehrgänge an mehreren Standorten in Deutschland gegeben ist. Am 22. und 23. September steht für mich bereits der nächste Einsatz an. Dann nehmen wir an einem Benefizturnier in Leipzig teil.

 

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

 

Zum einen will ich noch oft für das Nationalteam auflaufen, zum anderen möchte ich mit dem TSV Wörth den lang ersehnten Aufstieg in die Kreisliga packen! Ich wurde in Wörth hervorragend aufgenommen. Wir sind ein verschworener Haufen, der gemeinsam etwas erreichen will. Der Wechsel von Kirchroth zu Wörth war für mich ein absoluter Glücksfall. Ich bin Trainer Walter Luttner sehr dankbar, dass er sich damals so um mich bemüht hat. Auch meine Frau und meine beiden Kinder fühlen sich beim TSV sehr wohl. Mit Verlaub: Eine geile Truppe!

 

Fühlen Sie sich im Spiel gehandicapt durch ihre Behinderung?

 

Sagen wir lieber in manchen Situationen eingeschränkt, da ich meinen rechten Arm nicht steuern und zur Seite bewegen kann. Beim Laufen sieht es zwar manchmal komisch aus, dennoch lasse ich mich davon nicht irritieren und mache das Beste daraus. Das Wichtigste ist, dass ich mich behaupten und durchsetzen kann. Viele Trainer oder Gegenspieler sprechen mich selbst oder meine Mitspieler an und sind begeistert, weil ich gegen nicht behinderte Sportler mithalten und mich beweisen kann. Das erfüllt mich schon ein bisschen mit Stolz.

 

Wie sieht es mit Geldern und Sponsoren im Bereich der Nationalmannschaft CP aus?

 

Aktuell haben wir drei Sätze Trikots zur Verfügung. Dabei ist aber nur ein Satz mit vier Sternen dabei, da die Gelder für den Behindertensport beschränkt sind. Erst zu Großveranstaltungen wie einer EM oder einer WM gibt es dann neue Kleidung. Der Verband und die Nationalmannschaft freuen sich über jede Spende, auf die wir zum Großteil angewiesen sind. Zu den Lehrgängen gibt es übrigens konkrete Ablaufpläne inklusive einer festen Kleiderordnung, die allerdings vom Verband gestellt wird. Organisiert werden sie vom DBSV, dem Deutschen Behinderten Sport Verband.

 

Gibt es nur Auswahlen auf Bundesebene?

 

Im Oktober wird eine Landesauswahl Bayern ins Leben gerufen. Auch da wird das Trainerteam wie bei der Nationalmannschaft aus Conny Frank Fritsch und Robert Fritzsche bestehen. Unterstützt wird die Auswahl vom BFV. Es werden noch interessierte Spieler gesucht!

 

Vom TSV Wörth zur Nationalmannschaft!

„Daniel ist gut am Ball, ist schnell und zeigt eine vorbildliche Einstellung“, lobt Wörths Trainer Walter Luttner seinen Offensivspieler Daniel Sperl. Und seit kurzem setzt auch der Bundestrainer der Nationalmannschaft CP wieder auf den 27-jährigen Angreifer des TSV Wörth, der vorige Woche zu seinem zehnten Länderspiel in Hamburg kam. Daniel Sperl, verheiratet und Vater zweier Kinder, ist darüber sehr glücklich. Er hat sich zurückgekämpft ins Leben, musste harte Zeiten durchmachen, um wieder arbeiten und Fußball spielen zu können.

Im Jahr 2006 war der damals 16-Jährige in einen schrecklichen Verkehrsunfall involviert. Nach vielen Aufenthalten in Krankenhäusern – inklusive einiger Fehldiagnosen -  wurde Daniel Sperl in Günzburg erfolgreich operiert. „Erst danach kam die Bizeps-Funktion meines rechten Armes wieder zurück!“ Viele Reha-Maßnahmen folgten und werden noch folgen! Bereits kurze Zeit nach dem verheerenden Unfall fasste Sperl wieder Mut und setzte sich Ziele. Vorbild dabei war sein Vater Karl Heinz, der 22 Jahre zuvor (1984) ebenfalls durch einen Verkehrsunfall eine spastische Parese und weitere schwere Verletzungen davongetragen hat. „Mein Vater kämpfte sich zurück ins Leben und arbeitet schon lange Zeit wieder als Straßenmarkierer. Wie es das Schicksal wollte, sollte mich das gleiche Unglück wie ihn ereilen!“ Daniel begann zu kämpfen, ließ sich nicht entmutigen, wollte alles dafür tun, seinen Arm wieder so bewegen zu lernen wie es seinem Vater gelungen war. „Das schaffte ich in relativ kurzer Zeit. Somit setzte ich mir immer wieder neue Ziele“, so Sperl, der die Hoffnung nie aufgab. Seinen Beruf als Kfz-Mechatroniker konnte er allerdings nicht mehr weiterführen. Deshalb schulte er um. Nun arbeitet er als Technischer Zeichner bei der Firma Lausser in Pilgramsberg. Sperl kann zwar seinen Arm nicht heben und nicht zur rechten Seite bewegen, allerdings kann er die rechte Hand und die Finger frei bewegen. „Somit kann ich am Computer arbeiten und auch mit einem Stift schreiben.“ Die Maus allerdings bedient er mit links, denn das gehe rascher vonstatten. Viele Bewegungen und Dinge des Alltags sind mit seinem rechten Arm nicht mehr auszuführen. „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Ich habe umgelernt, die linke Hand trainiert.“ Mit seiner Behinderung geht Daniel Sperl offen um, er steht Fragen jederzeit aufgeschlossen gegenüber, spricht über sein Leiden, bleibt dabei aber immer optimistisch. „Man muss immer am Ball bleiben, sich stets weitere kleine, erreichbare Ziele setzen, sich aber auch darüber klar sein, dass nicht mehr alles machbar ist. Damit muss man sich abfinden!“ Regelmäßig stehen für ihn im Reha-Zentrum in Straubing Behandlungen und Maßnahmen an. Ziel ist es nicht nur, weitere Verbesserungen herbeizuführen, sondern auch den Status quo beizubehalten.

Apropos: Am Ball bleiben! Fußball begeisterte Daniel Sperl schon als kleinen Jungen. So versuchte er bereits im Jahr 2007 wieder den Trainingsbetrieb aufzunehmen. Und das mit beachtlichem Erfolg. Vor seinem Wechsel nach Wörth spielte er unter anderem für Bernried und Kirchroth in der Bezirksliga. In der vorigen Saison gelangen ihm in 14 Einsätzen für den Kreisklassisten TSV Wörth drei Tore und vier Vorlagen, wobei er nach einem bösen Foul zwischenzeitlich vier Monate zuschauen musste. In der aktuellen Spielrunde lief er bisher fünf Mal für den TSV auf, wobei er bereits zwei Treffer vorbereiten konnte. Fußball ist für den Saulburger wichtig, ist sein absolutes Lieblingshobby, dem er noch lange Zeit nachgehen möchte. Geschont werden oder Mitleid zugesprochen bekommen will er nicht. Sperl will mit seiner Power gegen nicht behinderte Menschen bestehen und seinen Anteil dazu beitragen, den TSV Wörth nach fünf Jahren endlich wieder in die Kreisliga zurückzuschießen. Nun sechs Siegen aus den ersten sechs Spielen sieht es gut aus für den TSV. Und Sperl geht voran, im Fußball wie im richtigen Leben: „Man darf niemals aufgeben, sich nicht hängen lassen, am Ball bleiben und sich neue –realistische – Ziele setzen!“

 
0 Kommentare0 Mitleser |
Du möchtest mitdiskutieren? Jetzt hier anmelden.
Das könnte auch interessant sein
17.09.2017 - 819

Pfatter bringt Wörth die erste Niederlage bei

Moosham und Pfatter führen nun die Tabelle an +++ Großberg verliert in Mintraching +++ Brennberg mit Punkt in Alteglofsheim

20.09.2017 - 541

Die ELF DER WOCHE aus Regensburg

Es geht wieder los: Wir sagen, wer aus dem Kreis Regensburg dabei ist!

20.09.2017 - 453

7:6 im Elfmeterschießen - Oberndorf zieht ins Halbfinale ein

Totopokal Regensburg: Oberndorf muss im Viertelfinale gegen Hainsacker über die volle Distanz gehen +++ Der erste Hainsackerer Schütze scheiterte am Keeper

21.09.2017 - 442

Pfatter vor hoher Hürde in Großberg

Brennberg will den Spitzenreiter Moosham stürzen +++ Wörth hat Tegernheim zu Gast +++ Aufhausen unter Zugzwang

18.09.2017 - 427

SV Pfatter überholt Tabellenführer Wörth

Der Sieger im Spitzenspiel teilt sich Tabellenführung mit Aufsteiger Moosham. Euphorie mit Trainer Florian Baumer hält an.

21.09.2017 - 35

Kreisklasse 1 - Der 9. Spieltag

Alle Spiele des 9. Spieltags in der Übersicht