Das Doppelleben des Michael Gehret
Mittwoch 18.11.20 14:30 Uhr|Autor: Redaktion2.043
Ein Erfolgstrio: Michael Gehret (v.l.), Timo Rost und Udo Gans haben Bayreuth zu einem Regionalliga-Topteam geformt. Foto: Peter Mularczyk

Das Doppelleben des Michael Gehret

Michael Gehret (40) ist Sportlicher Leiter bei Bayernligist Karlburg und Fitnesstrainer bei Regionalligist Spvgg Bayreuth - eine wohl einzigartige Kombination
In Anbetracht der Tatsache, dass es nur 35 Bayernligisten gibt, ist es durchaus ein Alleinstellungsmerkmal, Sportlicher Leiter eines bayerischen Fünftligisten zu sein. Allein deshalb hätte Michael Gehret, Fußballchef vom TSV Karlburg, eine Geschichte verdient - zumal sein Verein den Aufstieg in die Bayernliga relativ überraschend schaffte. Doch das ist noch längst nicht alles. Der 40-Jährige ist nämlich auch Fitnesstrainer von Regionalligist Bayreuth - und somit maßgeblicher Wegbegleiter der jüngsten Erfolgsgeschichte der Altstadt.


Dass ein und dieselbe Person sowohl bei einem Viert- als auch bei einem Fünftligisten in verantwortlicher Position an vorderster sportlicher Front steht, dürfte nicht nur im Freistaat einmalig sein - sondern wohl auch darüber hinaus. Das Doppelleben des Michael Gehret lässt sich aber - vereinfacht dargestellt - relativ einfach erklären. Der Unterfranke hat seine große Leidenschaft zum Beruf gemacht und sich gleichzeitig sein allerliebstes Hobby bewahrt.

Da ist zum einen seine ehrenamtliche Tätigkeit beim TSV Karlburg, dem Ortsteil-Club von Karlstadt. Gehret lebt seit seiner Geburt in der unterfränkischen Kleinstadt und ist praktisch mit dem Turn- und Sportverein aufgewachsen. "Seit ich sechs Jahre alt bin, bestimmt dieser Verein mein Leben. Ich habe in Jugend- und Herrenbereich gespielt, war sogar Spielführer der 1. Mannschaft. Die logische Folge dieser engen Verbundenheit war, dass ich nach meiner aktiven Karriere ein Amt übernommen habe", fasst der zweifache Familienvater seine TSV-Vita kurz und knapp zusammen.

Michael Gehret weiß Bescheid - obwohl er fast nie da ist


2011 ließ er sich Sportvorstand wählen, was dem Aufgabengebiet eines Sportlichen Leiters entspricht. Unter seiner Ägide wurde aus dem Bezirksoberligisten ein Bayernligist. Eine Entwicklung, die nicht so geplant war, die man aber im Rückblick als folgerichtig bezeichnen kann, wenn man sich folgende Worte von Michael Gehret durch den Kopf gehen lässt: "Das fußballerische Potenzial Im Landkreis Main-Spessart ist eher überschaubar. Wir mussten uns deshalb unsere Spieler praktisch selber formen, durch eine konsequente Jugendarbeit. Das ist uns scheinbar gut gelungen." Dieser klare Plan, diese unverrückbare Philosophie in Verbindung mit dem Herzblut, das die Verantwortlichen um Michael Gehret investiert haben, haben den Bayernliga-Traum zur Realität werden lassen.

Selbst die aktuelle Tabellensituation - Karlburg steht auf einem Relegationsplatz, die sofortige Landesliga-Rückkehr droht - ändert nichts daran, dass der TSV die erfolgreichste Phase der Vereinsgeschichte durchlebt. "Ein Abstieg wäre kein Todesurteil", versichert Gehret. "Das soll aber nicht heißen, dass wir die Saison abschenken." Der 40-Jährige ist nah dran an der Mannschaft, er weiß, wo der Hase läuft - und das, obwohl er eigenen Aussagen zufolge in den vergangenen zwei Jahren nur sehr, sehr wenige Spiele von Stumpf, Bachmann & Co. live vor Ort verfolgen konnte. Eben wegen seiner Tätigkeit bei der Spvgg Bayreuth. Aber dazu später mehr.



Dass diese Konstellation dennoch funktioniert, liegt daran, dass sich Gehret auf seine Mitstreiter ohne Wenn und Aber verlassen kann. Das bestätigt nicht nur er selbst, sondern auch Trainer Markus Köhler. "Die Zusammenarbeit klappt reibungslos. Der Kollege ist viel im Auto unterwegs und deshalb immer erreichbar. Dass er beim Training und den Spielen nicht da ist - kein Problem. Da brauche ich keinen Sportlichen Leiter." Der 33-Jährige sieht in der Doppelbelastung seines Chefs sogar einen Vorteil. "Der Weg von Bayreuth ist erstaunlich und vorbildlich, deshalb ist der Austausch mit Michael fachlich sehr interessant. Umso mehr Input ich bekomme, desto besser kann ich agieren und auf unterschiedliche Situationen reagieren."

Und schon sind wir bei der beruflichen Situation von Michael Gehret angelangt. Der Karlstädter ist "Staatlich anerkannter Sportlehrer im freien Beruf" und in dieser Funktion hauptamtlicher Leiter eines Rehasportvereins, der 32 Kurse mit über 400 Teilnehmern durchführt. Der TSV-Funktionär ist aber auch im Profibereich seit einiges Jahren als Athletiktrainer aktiv. Früher u.a. beim Club, beim Kleeblatt und bei den Würzburger Kickers. "Während meiner Zeit in Fürth lernte ich Timo Rost kennen, der damals die U23 gecoacht hat. Als er dann nach Bayreuth gegangen ist, wollte er mich mit in seinem Trainerteam haben."

Seit Herbst 2018 ist Michael Gehret (rechts) Athletiktrainer der Altstadt.

Seit Herbst 2018 ist Michael Gehret (rechts) Athletiktrainer der Altstadt. Foto: Dirk Meier


So ist Gehret seit dem Herbst 2018, also seit inzwischen zwei Jahren, für die körperliche Fitness der Bayreuther Spieler zuständig - und nimmt dafür mehrmals wöchentlich eine einfache Fahrtzeit von gut und gerne eineinhalb Stunden auf sich. Und die Mühen zahlen sich auf. Unter dem Trainerteam rund um Timo Rost hat sich die Altstadt zum einem Topteam der Regionalliga entwickelt - auch, weil die Spieler um Patrick Weimar topfit sind.

"Wir sind alle Karlburg-Fans", erzählt Marcel Rozgonyi, Sportlicher Leiter der Oberfranken, angesprochen auf Michael Gehret und schmunzelt. Der 40-Jährige wird in Bayreuth geschätzt, das wird durch diese Aussage deutlich. Sein Hobby, die Sportliche Leitung des TSV Karlburg, wird mit Wohlwollen begleitet, weil es in erster Linie nicht mit seiner Aufgabe beim Viertligisten kollidiert - "obwohl wir uns aktuell in einer Zeit befinden, die eigentlich untrainierbar ist", unterstreicht Rozgonyi die Wichtigkeit des Atheltiktrainers in diesem verrückten Fußball-Jahr. Auch vom Stress beim 40-Jährigen aufgrund seines Doppellebens ist keine Spur: "Er ist reflektiert, fokussiert und sehr entspannt", stellt der Spvgg-Fußballchef fest. 

Es wird offensichtlich: Gehret schafft es, den Mittelweg zu finden und beiden Seiten gerecht zu werden. "Es ist nicht immer einfach zu regeln, aber es funktioniert", gewährt der vielbeschäftige Franke einen Einblick in seinen vom runden Leder geprägten Alltag. Und es klappt nicht nur irgendwie, sondern ist auch von Erfolg gekrönt. Sowohl der TSV Karlburg als auch die Spvgg Bayreuth können in jüngster Zeit auf eine positive Entwicklung zurückblicken - Michael Gehret sei Dank.


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Tabelle
1. Aschaffenb. 2524 50
2. Nürnberg II 2529 49
3. SpV Bayreuth 2525 49
4. Schweinfurt 2319 44
5. Aubstadt (Auf) 252 39
6. Eichstätt 2614 37
7. Gr. Fürth II 26-2 36
8. Buchbach 253 35
9. FC Augsburg II 259 34
10. SV Wacker 251 33
11. Schalding 24-11 32
12. Illertissen 25-14 31
13. TSV Rain (Auf) 25-15 30
14. Heimstetten 25-10 26
15. 1860 Rosenh. 25-31 21
16. FC Memmingen 22-12 20
17. VfR Garching 20-31 13
18. Türkgücü Mün o.W. (Auf) 00 0
Die vier Erstplatzierten spielen eine Aufstiegs-Playoffrunde um die Relegationsteilnahme, die dann gegen den Meister der Regionalliga Nord ausgetragen wird.

Tordifferenz zählt bei Punktgleichheit.
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