
Der TSV Wasserburg ist das Team der Stunde der Landesliga Südost. Der Aufsteiger überwintert an der Tabellenspitze mit zwei Punkten Vorsprung vor der SE Freising. Auf den dritten FC Deisenhofen trennen die Wasserburger sogar acht Punkte.
Die Erfolgsgeschichte begann im Jahr 2014. Die Brüder Dominik, Matthias und Georg Haas kehrten zum TSV Wasserburg zurück. Matthias kam vom Regionalligisten 1860 Rosenheim, zuvor spielte er für die Jugend des FC Bayern und in der U23 des Hamburger SV. Dominik lief in der Jugend für Unterhaching auf und war vor seiner Rückkehr bei 1860 Rosenheim, Heimstetten und Amerang. Vom TSV Grafing wurde Torwart Georg verpflichtet. Auch er war zuvor in Rosenheim aktiv.
Seitdem marschierte der TSV von der A-Klasse bis in die Landesliga Südost durch. Neben den drei Brüdern stoß 2015 auch noch der vierte im Bunde hinzu. Ex-Zweitliga-Profi Leonhard Haas trainiert seitdem die Mannschaft und eilt von Erfolg zu Erfolg.
Der frühere Mittelfeldspieler spielte in der Jugend des FC Bayern. Über die Stationen Hamburger SV, FC Augsburg, Greuther Fürth, FC Ingolstadt und FC Hansa Rostock kam er zu seinem Heimatverein wieder zurück. Im Interview spricht Leonhard Haas über die Hinrunde, den möglichen Aufstieg in die Bayernliga und die Heimstärke des TSV.
Deine Mannschaft steht nach der Hinrunde auf Platz eins. Wieso habt ihr euch erneut in kürzester Zeit an eine höhere Liga gewöhnt?
Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wir haben eine super Mannschaft. Die Mischung aus verschiedenen Charakteren passt perfekt zusammen. Im Training merke ich, dass jeder Spieler etwas dazu lernen will und den nächsten Schritt machen möchte.
Und das trotz namhafter Abgänge vor der Saison...
Ja, das stimmt. Wir haben unseren Top-Torschützen Bosnjak an 1860 Rosenheim verloren. Er hat in der letzten Saison 24 Tore erzielt und maßgeblichen Anteil an unserem Aufstieg gehabt. Das ist natürlich schwer zu kompensieren. Aber wir haben das als Mannschaft aufgefangen. Aus unserem Kader ist niemand unter den Top fünf in der Torschützenliste.
Eure Verstärkungen vor der Saison haben voll eingeschlagen, obowohl ihr auch Spieler aus der Kreisliga geholt habt. Robin Ungerath hat zum Beispiel schon acht Treffer und dieser Saison erzielt. Wie geht ihr bei der Suche nach neuen Spieler vor?
Ich habe jeden Spieler zuvor mindestens einmal gesehen. Wir schauen darauf, dass der Charakter der Jungs stimmt und ob sie die nötigen Voraussetzungen haben, sich bei uns durchzusetzen. Deswegen ist es schön, dass die Jungs die nächste Stufe sehr schnell erreicht haben. Es gibt auch Spieler, die uns aus meiner Sicht nicht bereichern können. Denen muss ich dann sagen, dass es schwer wird und sie ablehnen.
Wie integrierst du die neuen Spieler so schnell in die Mannschaft?
Ich muss da gar nicht viel machen. Die Mannschaft nimmt die Neuzugänge toll auf. Ich kenne keinen Spieler, der sich bei uns nicht wohl gefühlt hat. Wir achten bei potenziellen Spieler darauf, ob und wie sie sich in der Gruppe einbringen. Deswegen müssen sie charakterlich und menschlich zu uns passen. Das ist aber immer Fußball so. Die Spieler müssen sich in einer Mannschaft wohlfühlen, um ihre Leistung zu bringen. Ganz egal ob im Amatur- oder Profifußball, ob die Spieler 10 Millionen oder 100 Euro verdienen.
Dein Cousin Georg absolvierte bisher 16 Saisonspiele im Tor. Zum Ende der Hinserie stand Alexander Poschner sechs Spiele im Kasten. Folgt da eine Ablösung?
Wir haben vor der Saison mit Alex gesprochen. Wir holen ihn ja nicht aus Ebersberg, um ihn dann die ganze Zeit nur auf die Bank zu setzen. Bei der Position des Torwarts bin ich immer vorsichtig. Ich will nicht, dass sich beide jedes Spiel abwechseln. Nach der Vorbereitung werden wir sehen, wer im ersten Spiel im Tor steht.
Macht dir der rasante Aufschwung ihrer Mannschaft selber Angst?
Nein, wieso auch?
Weil der sportliche Erfolg schneller erfolgt, als die Verbesserung eurer Infrastruktur. Könntet ihr tatsächlich den Aufstieg in die Bayernliga stemmen?
Natürlich können wir das. Dann fahren wir eben 20 Kilometer mehr bei einer Auswärtspartie. Das macht es jetzt auch nicht aus. Es steht außer Frage, dass wir unsere Infrastruktur verbessern müssen. Der Spielplatz muss modifiziert werden und die Trainingsmöglichkeiten müssen verbessert werden. Aber das ist Liga-unabhängig und hat nichts mit der Bayernliga zu tun.
Ihr seid zu Hause eine Bank und habt kein Heimspiel verloren. Eure Bilanz lautet neun Siege und ein Unentschieden. Warum seit ihr zu Hause nicht zu schlagen?
Das würde ich auch gerne wissen. Ich stelle mir eher die Frage, warum wir auswärts nicht immer die gleiche Leistung wie zu Hause zeigen können. Daran müssen wir arbeiten. Vielleicht gefallen unserer Mannschaft die neuen Umkleiden am Stadion in der Wasserburger Innenstadt besser.
Euer Ziel war vor der Saison nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Das habt ihr jetzt weit übertroffen. Ist das neue Ziel der Aufstieg?
Wir haben noch 13 Spiele vor der Brust in dieser Saison. Fußball ist ich nicht planbar, da kann man nichts vorhersagen. Es kann schnell passieren, dass wir drei oder vier Spiele am Stück verlieren und dann sieht das Ganze schon anders aus. Selbst wenn wir besser sind als der Gegner. Im Fußball ist es nicht immer so, dass automatisch die bessere Mannschaft gewinnt. Das ist zum Beispiel beim Basketball anders, da gewinnt immer die bessere Mannschaft. Deshalb ist der Aufstieg bei uns kein Thema. Ich erwarte dennoch von der Mannschaft, dass sie in jedem Spiel die bestmögliche Leistung zeigt.
Schauen wir noch auf die Hinserie. Ihr habt vier Spiele verloren. Vor allem gegen Mannschaften die auch oben mitspielen wie Deisenhofen und Grünwald.
Das stimmt, aber in diesen Partien waren wir meistens überlegen und hatten die Oberhand. Gegen Grünwald haben wir 20 Minuten nicht gut gespielt, danach haben wir eine sehr gute Leistung gezeigt. Aber das ist eben so im Fußball. Man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Und manchmal geht auch die bessere Mannschaft als Verlierer vom Platz.
Wann beginnt für euch die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte?
Jetzt ist erst einmal sechs Wochen lang Pause. In dieser Zeit heißt es abschalten und die Kräfte wieder auftanken. Die Vorbereitung auf die Rückserie beginnt Mitte Januar. Bis dahin erwarte ich von jedem Spieler Eigeninitiative. Das ist eine lange Zeit bis dahin. Und ich will, dass die Jungs nach der Pause die Belastungen mitgehen können. Denn wir haben ganz interessante Vorbereitungsspielen gegen Heimstetten, Burghausen und TSV 1860 II. Das sind gute Gradmesser für unsere Mannschaft, bevor es wieder mit dem Ligabetrieb weitergeht.
Wie wichtig ist dein Bruder Dominik für eure Mannschaft? Seid ihr abhängig von ihm?
Ganz wichtig. Er strahlt eine super Energie aus, die sich auf die ganze Mannschaft überträgt. Er ist ein Unterschiedsspieler. Aber sollte er mal ein Spiel nicht auflaufen, dann werden wir auch diesen Ausfall als Mannschaft auffangen. Davon bin ich überzeugt.
Zwei Punkte trennen euch von der SE Freising. Glaubst du, dass es bis zum Schluss spannend bleiben wird?
Davon bin ich überzeugt. Beide Mannschaften spielen auf einem sehr hohen Niveau. Aber die Saison ist noch sehr lang und es kann noch einiges passieren. Aber unsere Chancen stehen nicht schlecht.
Was kannst du als ehemaliger Zweitligaprofi deiner Mannschaft mit auf den Weg geben?
Ich sage meinen Spielern mimmer, dass sie einfach Spaß haben sollen. In einer Saison ist es ganz normal, dass man Höhen und Tiefen erlebt. Ganz wichtig ist, mit Spaß zum Training zu gehen und Fußball zu spielen. Und das spüre ich hier. Wenn jemand gezwungen wird, dann wird es schwierig und das schlägt sich auf die Leistung nieder.