Donaustauf mutiert zum Aufbaugegner
Montag 19.10.20 08:00 Uhr|Autor: Gerd Winkler3.490
Donaustaufs Abulai Dabó (r.) hatte keine Bindung zu den Mitspielern: Alibipässe bei Ballbesitz helfen in der Vorwärtsbewegung nicht weiter. Foto: Christian Brüssel

Donaustauf mutiert zum Aufbaugegner

13 Monate bringt Wasserburg auswärts kein Bein auf den Boden. In Donaustauf darf der Gast Selbstbewusstsein tanken.
Einen sportlichen Offenbarungseid lieferte der seit dem Re-Start nicht in die Gänge kommende Fußball-Bayernligist SV Donaustauf am Samstagnachmittag ab. Mit einer Auswärtsmisere – sechs Pleiten am Stück, davon die letzten vier torlos – war der TSV Wasserburg angereist, um diese erstaunlich locker zu beenden. Mit einem 3:1 (2:1)-Sieg endete die 13-monatige Durststrecke der Gäste. Die Umstände erinnern an Donaustaufs schmerzhafte Pleite in Hankofen.


Am 3. August vorigen Jahres machte sich der SV Donaustauf auf den Weg nach Leiblfing, wo der Kultclub beheimatet ist. Nach vier Spieltagen zierten die als „Dorfbuam“ fimierenden Niederbayern mit einem Zähler das Tabellenende. Mit Trainer Sepp Schuderer auf der Bank ließ sich jedoch der Aufsteiger vor 800 phasenweise ausgelassen feiernden Zuschauern den Schneid abkaufen. Die Staufer Akteure liefen zudem teils orientierungslos über den gepflegten Rasen im Maierhofer-Stadion. „Ein Desaster“, klagte zur Halbzeit Abteilungsvize Sebastian Schätz. Nach 67 Minuten bei 0:3 war die Messe gelesen, zumindest der mittlerweile aussortierte Nikica Filipovic erzielte noch den Ehrentreffer. Vier Tage später feuerte GmbH-Chef Matthias Klemens nach der Pokalblamage in Neutraubling Schuderer.

Ergebnis schmeichelt

Am Samstagnachmittag schmeichelte das Ergebnis den Hausherren. Allein der Torschütze zum 1:2 (44.), der umtriebige Rechtsaußen Robin Ungerath, ließ fünf dicke Chancen (5., 26., 32., 37., 56.) liegen. Ungerath hatte schon die Vorarbeit zum 0:1 (27.) durch Michael Neumeier geleistet. Zwischenzeitlich glich der alleine auf den Keeper zusteuernde Cihangir Özlokman zum 1:1 aus (34.). Für die Vorentscheidung sorgte Michael Denz, der den vom sonst gut parierenden Ludwig Räuschl unnötig produzierten Eckball per Kopfballtorpedo zum 1:3 einnetzte (54.). Was Wasserburgs Treffer eint: Alle drei Treffer entsprangen Ballgewinnen (im Mittelfeld), dem ein schnelles Umschalten folgte. Drei, vier Kurzpässe reichten, um den SV-Abwehrverbund auszumanövrieren. Ähnlich leichtfüßig wie die Oberbayern war seinerzeit Hankofen gegen emotionslose Donaustaufer zum Dreier gekommen.

Zur Halbzeit hatte Matthias Klemens einen dicken Hals: „Das ist eine Katastrophe!“ Nach dem erlösenden Abpfiff steckten der GmbH-Chef und seine rechte Hand Michael Fischer eine zeitlang die Köpfe zusammen. Tags darauf bei der telefonischen Nachbetrachtung sagte er desillusioniert: „Es ist einfach schockierend, wie emotionslos unsere Mannschaft ist. Kein Selbstvertrauen, keine Spritzigkeit, kein Biss!“ Das Mittelfeld sei ein einziges Loch, in dem überhaupt nix funktioniere. „Den Spielern geht es wohl allen zu gut“, grantelte Klemens. Sofort stellte er ungefragt klar: „Ein Trainerwechsel ist nicht die Lösung“.

Baldaufs Verfassung

Exemplarisch ist für Klemens die Verfassung von Mario Baldauf, vor der langen Corona-Pause der Dreh- und Angelpunkt: „Mario will mit aller Gewalt das Steuer rumreißen, aber alleine geht das nicht. Er verkrampft völlig, das geht nur als Team.“ In der Tat: Der Mittelfeld-Allrounder trennte sich oft zu spät vom Ball, lief schnurstracks in die Zweikämpfe hinein. Die Torgefahr ist Baldauf gänzlich abhanden bekommen. Dass mit dem angeschlagenen Martin Sautner der einzige Spieler mit Leader-Qualitäten fehlt, lässt Klemens nicht gelten: „Das sehe ich nicht so.“

Eine Nacht „danach“ redete auch Trainer Franz Koller Klartext: „Der Gegner war viel klarer, hatte die besseren Umschaltmomente und hat in der Abwehr wenig zugelassen.“ Er habe „viele nur ansatzweise Chancen“ seiner Elf gesehen. Schmerzhaft seien die „individuellen Fehler en masse, leichte Fehler, die Selbstvertrauen rauben“. Des Weiteren sei die permanente Unruhe im Umfeld kontraproduktiv. Kommenden Samstag ruft das Auswärtsspiel beim zwei Punkte und zwei Plätze besser dastehenden FC Ismaning. In vier Pflichtspielen (Liga und Pokal) seit dem Re-Start sind die Oberbayern ungeschlagen.

FOTOS SV Donaustauf - TSV 1880 Wasserburg
FOTOS SV Donaustauf - TSV 1880 Wasserburg

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Tabelle
1. Pipinsried (Ab) 2662 69
2. Deisenhofen (Auf) 2618 50
3. Wasserburg (Auf) 2610 46
4. Ingolstadt II (Ab) 2717 46
5. TSV Kottern 265 41
6. TSV 1860 II 280 40
7. Schwabmünch. 276 39
8. TürkAugsburg (Auf) 253 34
9. Kirchanschör 25-6 34
10. FC Ismaning 266 33
11. Hankofen 28-6 32
12. SSV Jahn II 27-9 31
13. Donaustauf (Auf) 26-12 31
14. Dachau 65 26-16 30
15. SV Pullach 27-25 27
16. TSV Landsb. (Auf) 26-11 27
17. Schw. Augsb. 26-21 26
18. Nördlingen 26-21 20
Wertung gemäß Direkter Vergleich
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