Futsal bekommt bei 1860 eine Heimat
Mittwoch 20.04.16 09:27 Uhr|Autor: Reinhard Hübner - Münchner Merkur32
Die Besten bekommen ihr Löwen-Trikot: Edin Kulasic (hinten) beim Casting. F: Reinhard Hübner

Futsal bekommt bei 1860 eine Heimat

Aufbruch im Trikot des Löwen
TSV 1860 München (Futsal) - Man könnte Edin Kulasic einen Entwicklungshelfer nennen. Seine Mission: Futsal in Bayern hoffähig zu machen.


Ein ziemlich harter Job in einer Region, die noch immer dem Hallenfußball der etwas derberen bayerischen Prägung nachtrauert, mit Bande, Gebolze und Geholze, bis die Knochen krachen. Kulasic dagegen liebt die feinere Klinge, nennt quasi als Kronzeugen Messi und Ronaldo, nicht nur sie haben Spielwitz und Technik beim Futsal verfeinert, in Südamerika und im südlichen Europa hat diese Art des Hallenspiels einen ganz anderen Stellenwert.

Warum nicht hier? Kulasic hat schon ein paar Anläufe unternommen, beim TSV Neuried hat er eine eigene Futsalmannschaft aufgebaut, dann beim MTV 1879 München die Grundlagen gelegt. Zum großen Durchbruch aber, das wurde ihm klar, braucht er einen großen Namen, einen populären Verein. Er hat bei Bayern angefragt, wandte sich an den TSV 1860, legte ein Konzept vor und stieß bei Roman Beer auf Interesse. „Es ist eine Chance, uns im Fußball noch breiter aufzustellen“, so der Fußball-Abteilungsleiter der Löwen, der sich durch Kulasic‘ Präsentation von den Vorzügen des Futsal überzeugen ließ.

Auch im Futsal zählen Dinge wie Charakter und Geschlossenheit

Futsal, das ist für Kulasic die hohe Kunst des Hallenfußballs, gefordert aber sei nicht nur ein gepflegter Umgang mit dem (sprungreduzierten) Ball, dazu komme „eine geistige Komponente“, Handlungsschnelligkeit sei gefragt, Einfallsreichtum. Und Teamspirit. Kulasic erzählt von Uspinjaca Zagreb, einer guten, aber nicht überragenden Futsal-Truppe aus seiner Heimat Kroatien. Vor einem Spiel gegen die Hamburg Panthers sei es gewesen, „die Jungs aus Zagreb haben ihren Gegner beim Warmmachen gesehen und waren geschockt: Lauter überragende Techniker, keine Chance habe man gegen die, so dachten sie. Da verlieren wir 1:10.“ Es kam aber anders, weil im Futsal auch andere Dinge zählen, Charakter, mannschaftliche Geschlossenheit, Automatismen, Laufwege: „Mit soliden Mitteln und dem Spiel mit Kopf kann man im Futsal bestehen“, so Kulasic.

Für sein bayerisches Projekt sucht er also nicht unbedingt die Super-Techniker, aber Jungs mit der richtigen Mentalität, die Spaß an der Sache haben, die sich engagieren wollen, die Teamgeist haben, vielleicht auch stolz sind, das Trikot des Münchner Traditionsvereins 1860 tragen zu dürfen. Zwei Cas-tings hat er zuletzt veranstaltet, 45 Interessenten haben sich vorgestellt, die meisten aus München, einige aber auch aus der Region, sogar aus Landshut, Regensburg und Augsburg. „Keine reinen Futsalspieler, einfach Fußballer aus den unterschiedlichsten Spielklassen.“ 24 schafften es schließlich in den Kader, der sich ab sofort auf die Bayernliga vorbereiten wird, die im September startet. „Es sind talentierte Jungs, ein Teil davon hat aber noch nie Futsal gespielt“, Kulasic will die Truppe in den nächsten Monaten zu einer Einheit formen, noch weiter verstärken und dann mit einer Mannschaft in die Saison gehen, die dem großen Namen 1860 auch alle Ehre macht.

1860 hilft bei der Organisation, nicht bei Finanzierung

Dafür wird er möglichst optimale Voraussetzungen schaffen, „wir sind keine Hobbykicker, arbeiten leistungsorientiert und wollen den Jungs Professionalität bieten“, neben ihm als Cheftrainer gibt es Viktor Garasevic als strategischen Leiter der Futsal-Sparte, zuständig für Marketing und Sponsoring, den Co-Trainer Alexej Burdman, den Torwart-Trainer Marc Lamberger, dazu den Teammanager Devin Özek und den organisatorischen Leiter Christian Ludwig, man arbeitet mit Videoanalysen und schafft das Umfeld für Leistung. Die Fußball-Abteilung der Löwen hilft bei der Organisation, sucht nach geeigneten Hallen für den Trainings- und Spielbetrieb, wird sich aber nicht finanziell engagieren: „Die Mittel müssen sie selbst auftreiben“, stellt Roman Beer klar. Edin Kulasic ist zuversichtlich, mit speziellen Sponsorenpaketen Unterstützer gewinnen zu können. Schließlich hat der Name 1860 noch immer einen guten Klang in München.

Ein Futsal-Pionier wie Kulasic hat natürlich hohe Ansprüche, höchste Ziele: „Es wäre schön, wenn wir irgendwann in fünf Jahren vielleicht um die Deutsche Meisterschaft mitspielen könnten“, sagt er, will aber einen Schritt nach dem anderen tun: „Erst einmal geht es darum, in der Bayernliga eine gute Rolle zu spielen.“ Darauf will er seine neu zusammengestellte Truppe mit zwei Trainingseinheiten pro Woche vorbereiten, es wird eine reine Futsal-Mannschaft sein, ein zusätzliches Engagement seiner Spieler im Amateurfußball schließt er aus: „Das geht kaum bei dem Aufwand, den wir betreiben. Wir wollen intensiv Systeme einstudieren, Automatismen schaffen, das Überzahlspiel perfektionieren“, bis Herbst soll das Team dann so weit sein, um zumindest mithalten zu können in der Bayernliga.

Kulasic will Futsal in Bayern attraktiv machen

Die Zeit sei reif, glaubt Kulasic, dass auch in Bayern Futsal die Bedeutung erlangt, die dieser Sport verdient, „wir wollen Futsal hier groß machen“. Er spürt, dass sich allmählich etwas entwickelt, „als ich hier angefangen habe, gab es nichts, gar nichts. Nun geht die Bayernliga in ihre dritte Saison, es gibt fünf Regionalligen.“ Darüber soll mittelfristig eine Bundesliga entstehen, dort sieht sich Kulasic irgendwann mit seinen Löwen. „Es ist hier viel Potenzial vorhanden“, spürt er. Roman Beer denkt ähnlich. Vorerst wird Futsal unter dem Dach der Fußball-Abteilung geführt, später könnte mal eine eigene Sparte daraus werden. „Mal sehen, wie sich das entwickelt.“ Und wie es angenommen wird.

Mit dem Löwen auf der Brust und dem großen Namen 1860 jedenfalls sieht sich Kulasic auf einem guten Weg, seine Mission weiterführen, Futsal in München und in Bayern zumindest so attraktiv wie im westlichen und nördlichen Deutschland machen zu können. Der TSV 1860, der sich selbst ja gerne als „Münchens große Liebe“ sieht, hat schließlich ein riesiges Fan-Aufkommen, das sich nicht nur in der Winterpause der Profis vielleicht für Futsal begeistern ließe. Man ist schließlich derzeit nicht gerade verwöhnt, eine richtig gute Futsal-Truppe könnte da für lange vermisste Erfolgserlebnisse und positive Stimmung sorgen. Dann siegt mal schön. Es könnte etwas wachsen.

Text: Reinhard Hübner

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Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de



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