Nach sieben erfolgreichen Jahren U23 - Marco Wildersinn im Gespräch
Sonntag 01.11.20 12:13 Uhr|Autor: Benni Emrich 3.873
Foto: Stefan Fränkle, Dominik Claus

Nach sieben erfolgreichen Jahren U23 - Marco Wildersinn im Gespräch

Wintersdorfer Fußballlehrer spricht über die TSG und sein überraschendes Ende in der U23

Es war überraschend, als vor knapp 2 Wochen die Meldung durchsickerte, dass Bundesligist TSG Hoffenheim seinen U23-Trainer freistellt. Man rechnet mit viel im Trainergeschäft – das allerdings kam dann doch aus heiterem Himmel. Marco Wildersinn war ziemlich genau 6 1/2 Jahre Cheftrainer der Hoffenheimer Zweitvertretung und hatte erst im letzten Jahr seinen Vertrag um drei Jahre bis Juni 2022 verlängert. Nun, an einem Mittwoch vor dem Regionalligaderby gegen die Reserve des SC Freiburg, dann das überraschende Aus.




„Marco hat in den vergangenen sieben Jahren in einer anspruchsvollen Position einen außerordentlichen Job gemacht“, lobt Marcus Mann die Arbeit des 40 Jahre alten Wildersinn, der im Sommer 2013 zur TSG stieß und seit April 2014 als Cheftrainer der U23 fungierte. Vor jeder Saison gelte es einen Umbruch zu managen und eine neue Mannschaft zu formen. „Dieser herausfordernden Aufgabe wurde Marco Wildersinn immer wieder mit viel Kompetenz und Leidenschaft gerecht.“ Die aktuelle Entwicklung veranlasste die Akademie-Leitung nun, die Aufgabe in neue Hände zu legen. Über eine weitere Zusammenarbeit mit Marco Wildersinn wird in den nächsten Tagen entschieden, so die Pressemitteilung der TSG.

FuPa Baden-Baden hat mit dem #Mannausdembezirk über sein Ende als Hoffenheimer U23 Trainer, über die neugewonnene Zeit mit der Familie und über das was künftig noch so kommt gesprochen.

FuPa: Hallo Marco, knapp zwei Wochen sind seit deiner Freistellung vergangen. Wie geht es dir?
MW: Hallo Benni, danke, mir geht es gut. Ich genieße aktuell die freie Zeit mit meinem Sohn und meiner Frau und haben nun auch mal etwas mehr Zeit für mich selbst – das gab es in den letzten sieben Jahren eher selten.


FuPa: Für den neutralen Beobachter kam dein Aus sehr überraschend. Wie erging es dir?
MW: Das kam auch für mich unerwartet. Wir sind zwar schlecht in die Saison gestartet, zuletzt war aber eine gute Entwicklung und eine klar positive Tendenz zu erkennen. Dass es zu Saisonbeginn gerade bei einer U23 manchmal etwas holpriger verläuft, ist völlig normal. Wir waren aber auf einem guten Weg, uns zu stabilisieren. Ich kenne diese Situation mittlerweile sehr gut und war deshalb absolut davon überzeugt, dass auch die Ergebnisse kommen werden.


FuPa: Du warst 6 1/2 Jahre Cheftrainer der U23, nun das abrupte Ende…
MW: Ich bin zum siebten Mal als Cheftrainer nach einem fast kompletten Kader-Umbruch mit einer Hoffenheimer U23 in die Saison gestartet und es war das erste Mal, dass wir nicht gut in die Saison gekommen sind. Wir waren unter meiner Regie bisher nie in Abstiegssorgen, geschweige denn auf einem Abstiegsplatz. Meine Hauptaufgabe lag auf der Talententwicklung und in den vergangenen Jahren haben viele Spieler wie z.B. Stefan Posch, Dennis Geiger oder Christoph Baumgartner den Sprung über die U23 zu den Profis geschafft. Es war eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit.


FuPa: Woran lag das?
MW: Über die genauen Gründe kann ich eigentlich noch gar nichts sagen.


FuPa: Meinst du, dass Marcus Mann mit deiner Degradierung ein erstes Signal im Verein setzen wollte?
MW: Das kann ich nicht beurteilen, obwohl ich Marcus schon sehr lange kenne. Wir haben gemeinsam studiert, beim KSC und den Stuttgarter Kickers zusammengespielt und am Ende seiner aktiven Karriere war er sogar mein Spieler in der U23 von Hoffenheim. Als sportlichen Leiter kenne ich ihn noch zu wenig.


FuPa: Es gibt Vereine, die nach einer Trennung vom Cheftrainer vorrübergehend auf den U23 Trainer setzen. In Hoffenheim rückte in den letzten Wochen der vergangenen Saison aber mit dem Kollegen Rapp der U19 Trainer in das Interimstrainerteam nach und zu Saisonbeginn kam mit Herrn Hoeneß ein ähnlich junger und bundesliga-unerfahrener Trainer wie du als neuer Cheftrainer zur TSG. Warst du da enttäuscht, dass man sich nicht intensiv mit dir beschäftigt hatte?
MW: Ende 2015 habe ich unter Huub Stevens schon mal einige Wochen als Co-Trainer bei den Profis ausgeholfen. Das war wirklich eine super Sache. Dieses Mal durfte Marcel Rapp diese Erfahrung machen und das ist ok für mich. Die Cheftrainerposition hätte mich natürlich deutlich mehr interessiert. Der Verein hat sich aber für einen anderen Trainer entschieden, das muss ich akzeptieren.


FuPa: Hat der Verein mit dir aber überhaupt nicht gesprochen?
MW: Im Nachgang gab es sehr gute Gespräche, bei denen ich auch die Wertschätzung seitens des Vereins für meine Arbeit gespürt habe. Ich hatte immer ein sehr gutes und offenes Verhältnis zu Alexander Rosen und der Geschäftsführung.


FuPa: Nun schreibt der Verein, dass man sich mit dir über eine andere Aufgabe unterhalten möchte. Gespräche gab es aber noch keine. Was wird da auf dich zukommen?
MW: Da lasse ich mich mal überraschen. Wir werden uns zeitnah zusammensetzen.


FuPa: Nach den vielen Jahren ist das nun auch für dich eine ungewohnte Situation, oder?
MW: Auf jeden Fall. Wenn eine Aufgabe über Jahre hinweg 24/7 in deinem Kopf steckt, dann muss man sie erst mal loslassen. Das wird mir aber gelingen und dann freue ich mich auf das, was als Nächstes kommt.


Foto: Siegfried Lörz, Daniel Thoma


FuPa: Gibt es schon konkrete Anfragen anderer Vereine?
MW: Nein, bisher noch nicht. Da es aber über die letzten Jahre hinweg immer mal wieder Kontakt zu anderen Vereinen gab, wird das sicher nicht sehr lange dauern.


FuPa: Was ist mit deinem Umfeld? Berater? Familie? Wie gehen die damit um?
MW: Genau wie ich genießt natürlich auch meine Familie, dass wir gerade mehr Zeit miteinander verbringen können. Aber auch für mein Umfeld ist es ungewohnt und jeder ist gespannt, wie es weitergeht. Mit meinem Berater und vielen anderen aus meinem persönlichen Fußball-Netzwerk bin ich natürlich in regem Austausch.


FuPa: Du warst immer sehr loyal gegenüber der TSG, obwohl du auch mit anderen Vereinen in Kontakt warst.
MW: Vor allem nachdem ich die Fußball-Lehrer-Lizenz erworben hatte, gab es immer mal wieder Kontakt zu anderen Vereinen – auch aus der zweiten Liga. Die TSG wollte mich zu diesem Zeitpunkt aber nicht gehen lassen und das habe ich dann akzeptiert.


FuPa: Also geht’s künftig auf jeden Fall in die Richtung 2. Liga? Vielleicht zum KSC?
MW: Die 2. Liga wäre ein toller nächster Schritt für mich. Ich bin aber für Vieles offen. Da ich in Karlsruhe wohne und dem KSC sehr eng verbunden bin, ist das natürlich auch immer ein interessantes Thema für mich. Aktuell ist da ja aber Christian Eichner Trainer und deshalb stellt sich diese Frage nicht.


FuPa: Du wirst sicherlich nicht komplett ohne Fußball auskommen. Während wir Amateure pausieren müssen, dürfen die Profis weiter kicken, allerdings ohne Zuschauer. Welchen Teams schaust du aktuell gerne zu?
MW: Bayern steht seit einigen Monaten über den Dingen. Ihnen zuzuschauen ist schon sehr inspirierend. Stark fand ich aber zuletzt auch Borussia Mönchengladbach. Wie sie sich nach langer Abstinenz in den ersten beiden Champions League Spielen gegen Inter Mailand und Real Madrid geschlagen haben, war schon klasse. Leider haben sie sich für ihre tolle Leistung zu wenig belohnt.


Abschließend noch einen Blick nach Saarbrücken. Dort ist Lukas Kwasniok seit Januar Cheftrainer. Steht ihr noch in Kontakt und was sagst du zu seiner Arbeit
MW: Klar, wir haben noch regelmäßig Kontakt. Kurz vor Saisonbeginn haben wir uns sogar noch zu einem Freundschaftsspiel getroffen. Ich finde, dass Lukas in Saarbrücken einen tollen Job macht. Sie sind sehr gut in die Saison gestartet und ich hoffe, dass es für ihn so weiter geht.

FuPa/Stammtischgebolze hat Marco Wildersinn weiterhin auf dem Zettel. Im Dezember letzten Jahres war der vereinslose Lukas Kwasniok bei uns zum StammtischTalk in Kuppenheim, wenige Tage später wurde er als Cheftrainer des 1.FC Saarbrücken vorgestellt. Wenn also alles nach Plan läuft, wird Marco Wildersinn spätestens Anfang Januar einen neuen Trainerjob haben. Wir drücken die Daumen.


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