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2:1-Sieg bei TJZ Weil: SF Schliengen steigen in die Kreisliga A auf

Sportfreunde kehren in die A-Klasse zurück +++ TJZ deutet eigentliches Potenzial an, muss aber weiter auf den Klassenerhalt warten

von Matthias Konzok (BZ) · 09.06.2019, 03:50 Uhr · 0 Leser
Meisterlich: Die Sportfreunde Schliengen haben am vorletzten Spieltag den Titel in der B-Staffel I perfekt gemacht.   | Foto: Matthias Konzok
Meisterlich: Die Sportfreunde Schliengen haben am vorletzten Spieltag den Titel in der B-Staffel I perfekt gemacht. | Foto: Matthias Konzok
Rückkehr nach acht Jahren: Die SF Schliengen kicken künftig wieder in der Kreisliga A. Ihr Meisterstück machten die Sportfreunde beim 2:1-Sieg bei TJZ Weil – in einer nervenaufreibenden Partie.
Einfach für sich alleine sein. Fernab von Jubel, Trubel, Heiterkeit. Bei einem Titelgewinn klingt das gar nicht so einfach. Während sich die Schliengener Spieler nach dem Schlusspfiff abklatschten, umarmten, da suchte sich Alex Schöpflin ein kleines, abgeschiedenes Plätzchen. Und so saß er da, auf einer Stehplatzstufe im hinteren Eck des Kunstrasenplatzes im Nonnenholz. Der Schliengener Trainer hatte zuvor über 90 Spielminuten gelitten, in der Pause eine energische Kabinenpredigt unter freiem Himmel gehalten, doch das vorletzte Saisonspiel blieb bis zum Schlusspfiff nervenaufreibend. Mental hatte die Partie derart an Schöpflins Kräften gezehrt, dass seine Freude über den 2:1-Sieg bei TJZ Weil zunächst nur zu erahnen war. Doch nach ein paar Minuten kehrte der SF-Coach zu seiner Mannschaft zurück, um jeden Einzelnen abzuklatschen. "Wir sind am Ziel angekommen", sagte Schöpflin dann auch glücklich über die Meisterschaft und den Aufstieg in die Kreisliga A.



Nach acht Jahren kehrt der Verein in die A-Klasse zurück, nachdem die Sportfreunde zwischenzeitlich gar in die Kreisliga C abgestürzt waren. Dort hatte Schöpflin die Mannschaft während der Saison 2014/15 übernommen, "damals haben wir sechs bis acht A-Jugendspieler hochgezogen" erinnert sich Schöpflin. Dies sei einer der Erfolgsfaktoren für den heutigen Titelgewinn. Die junge Mannschaft hat sich peu à peu weiterentwickelt, im Kader der Sportfreunde blieb es bei überschaubaren Wechseln. Schon im Vorjahr schnupperte der Club an der A-Klasse, war in der Liga am Lokalrivalen SV Liel-Niedereggenen, in den Aufstiegsspielen am TuS Maulburg gescheitert. Mit einem Torjäger à la Tim Großklaus (Liel) oder Vedat Erdogan (Maulburg) hätten die Sportfreunden "damals schon den Aufstieg geschafft", ist sich Schöpflin sicher. Nun ist in der Vereinshistorie eben das Weiler Nonnenholz als Platz der Meisterschaft vermerkt.

TJZ Weil: Letzter der Hinrunde, Fünfter der Rückrunde

In der Tabelle trennten Schliengen und TJZ vor der Partie zehn Plätze und 30 Punkte, beide eint aber eine unbefriedigende Hinrunde. Die Sportfreunde zählten zur Saisonhälfte indes als Vierte trotzdem zur Spitzengruppe, nach der Winterpause holten sie 30 von 33 möglichen Zählern. Aufsteiger TJZ zierte nach der Hinrunde derweil mit lediglich vier Punkten das Tabellenende. "Wir hatten vor der Saison viele neue Spieler, aus dem Umland oder der Schweiz", erklärte Kapitän Gökhan Kaya. In der Anfangsphase gab es in der Weiler Aufstellung noch viele Wechsel, die Mannschaft musste sich erst finden - einer der Gründe für die magere Ausbeute in der Hinrunde. In der Rückrundentabelle jedoch liegt TJZ auf Platz fünf, hievte sich aus der Abstiegszone bis auf Rang elf, wobei die Platzierung im Gesamtklassement "das Potenzial der Mannschaft nicht widerspiegelt", so Kaya.

Schliengen legt in der ersten Hälfte vor, Weil legt in der zweiten Hälfte zu

Die Weiler zeigen sich ambitioniert, und so traten sie auch gegen Schliengen auf. Ein Punkt hätte zum Klassenerhalt gereicht, doch "wir wollten gewinnen", betonte Kaya, obgleich einige Stammspieler im Urlaub weilen. In der ersten Halbzeit fehlte es TJZ noch an Durchschlagskraft, Schliengen stand stabil. Erneut stellt die Schöpflin-Elf die beste Defensive der Staffel, spielte in zuvor zwölf von 24 Spielen zu Null. Und die Gäste lagen zur Pause auf Meisterkurs: Tom Wihlers Kopfball, der sich über Torhüter Muhammad Kilic senkte, bescherte Schliengen nach 14 Minuten eine 1:0-Führung. "Dann haben wir aufgehört, Fußball zu spielen", bemängelte Schöpflin, dessen Elf zwar immer wieder mit schnellem Umschaltspiel ihr Können aufblitzen ließ, aber kaum mehr Torgefahr kreierte.

"Dass es sich so schwer und zäh gestaltet, hätte ich nicht gedacht", befand der SF-Coach über den weiteren Spielverlauf. Nach der Pause präsentierten sich die Gäste offensiv schludrig, kläglich sei es gewesen, was sein Team an Chancen ausgelassen habe, so Schöpflin. Die Sportfreunde verpassten auch bei den berühmt-berüchtigten tausendprozentigen Möglichkeiten das 2:0, während TJZ nun spielerisch eine Schippe drauflegte. Nun bekamen die Gastgeber auch über die Außen mehr Zugriff, sie erarbeiteten sich eine Reihe an Torchancen, darunter ein Pfostenschuss von Ersin Yildiz und ein sehenswerter Flugkopfball von Spielertrainer Yalcin Saglam nach Kaya-Flanke. Nach 81 Minuten griffen die Weiler dann in die Trickkiste: Einen Freistoß köpfte Saglam zu Enis Yildiz, die sehenswerte Variante führte beinahe schon zum Torerfolg: Der Ball klatschte an den Pfosten, und Kapitän Kaya staubte zum 1:1 ab.

Schliengener Philosophie trägt Früchte - TJZ mit höheren Ansprüchen

Schliengen drohte bei einem Remis ein Fernduell-Finale gegen den TuS Binzen am letzten Spieltag, doch erlöste Jonas Lösel die Gäste kurz vor dem Ende noch: Einen Standard bugsierte er knapp über die Linie zum 2:1 (87.) und schoss die Sportfreunde somit in die Kreisliga. Für die kommende Runde hat sich der Club bereits mit den erfahrenen David Held (FC Auggen) und Sebastian Meier (SV Liel-Niedereggenen) verstärkt, und auch ob der Neuzugänge hofft Schöpflin, "dass wir nicht gegen den Abstieg spielen müssen". Die Philosophie, auf junge Spieler aus Schliengen und der Umgebung zu setzen, und an der auch Sportchef Gerrit Höveler maßgeblich beteiligt ist, trägt Früchte, auch deshalb resümierte Schöpflin: "Der Verein befindet sich auf einem gutem Weg."

Ein letztes Kreisliga-B-Spiel hat Schliengen noch vor der Brust - und TJZ wird den Sportfreunden die Daumen drücken. Denn der Meister trifft auf den FC Huttingen II, der wiederum drei Punkte hinter den Weilern auf einem Abstiegsplatz rangiert. Das Torverhältnis spricht für TJZ, zudem müsste auch der SV Inzlingen noch an der Saglam-Elf vorbeiziehen. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, dass Weil den Klassenerhalt nicht schafft. Der Verbleib in der B-Klasse wäre das positive Ende einer "verlorenen Saison", wie Kapitän Kaya bekennt. Eben weil sich TJZ mehr erhofft hatte, einen höheren Anspruch an sich selbst stellt. Das zeigt sich einerseits im Potenzial der Mannschaft, andererseits durch "die Spiele, die wir gezeigt haben", so Kaya. Und dies stärkt zugleich die Zuversicht für die kommende Runde, wenn der Kader zusammenbleibt und um ein paar Neuzugänge ergänzt wird, das Team dann "eingespielt ist und wir die Fehler abstellen", so der TJZ-Kapitän. Und wer weiß, vielleicht spielt TJZ Weil dann im Nonnenholz ja auch mal selbst um den Aufstieg in die A-Klasse mit.

TJZ Weil - SF Schliengen 1:2 (0:1)
TJZ: Kilic, Ulusoy (64. Telci), Semih Yildiz (68. Güler), Yalcin, Ersin Yildiz, Demirci, Orhan (72. Kara), da Silva Araujo, Enes Yildiz, Kaya, Descicioglu.
SFS: Nils Lehmann, Imm, Lösle, Dahlmann, Tom Wihler, Kessler, Bolsinger (37. Jens Lehmann), Rothermel, Sielaff (69. Meier), Vomstein (86. Döbelin), Martijn (57. Hollenwäger).
Tore: 0:1 Tom Wihler (13.), 1:1 Kaya (80.), 1:2 Lösle (87.).
Gelb-Rot: da Silva Araujo (88./TJZ).
Schiedsrichter: Zeki Sebzeci (Lörrach).
Zuschauer: 50.