
Auch knapp zehn Tage nach der medienwirksamen Verbreitung der Änderung im Vorstand kommt der Traditionsverein Tennis Borussia Berlin nicht zur Ruhe. Bei einem Informationsabend wurden Mitglieder über den aktuellen Stand informiert. Ganz oben auf der Agenda steht die Klärung der finanziellen Situation.
Zwei Pflichtspiele haben die Spieler der lila-weißen Mannschaft in der neuen, gerade gestarteten Saison bereits absolviert. 180 Minuten in denen es ausschließlich um ihr Hobby, ihre Leidenschaft ging: den Fußball. Zwei Spiele, die die Mannschaft von Dennis Kutrieb erfolgreich gestalten und somit etwas positive Stimmung im Verein entfachen konnte. Zumindest auf dem Platz.
Denn daneben herrscht weiterhin großes Chaos. Nachdem vor zehn Tagen bekannt gegeben wurde, dass Jens Redlich als Vorstandsvorsitzender abgesetzt wurde und Günter Brombosch seine Nachfolge antritt, schwillt hinter den Kulissen ein Machtkampf der seinesgleichen sucht. Auch die Spieler sind davon betroffen. Dass sie die aktuelle Situation nicht kalt lässt und sie sich darüber Gedanken machen, zeigt die Teilnahme einiger Spieler an einem Informationsabend der aktuellen TeBe-Führung am vergangenen Mittwoch.
Neben den Spielern fanden sich auch rund 80 weitere Mitglieder ein, um konstruktiv über die aktuelle Lage zu debattieren. Neben der Mitgliederversammlung im Januar waren finanzielle Flüsse im Verein das Thema. In einer offiziellen Meldung berichteten Brombosch und Friede "von Schwierigkeiten im Rahmen der Amtsübernahme von ihren Vorgängern: Wichtige Unterlagen fehlen, Finanzflüsse lassen sich zum Teil noch nicht nachvollziehen und ein Übergabegespräch fand bisher nicht statt."
Bei dem Gespräch wurde desweiteren offen gelegt, dass kurz nach der Machtübernahme 22.000€ von einem Vereinskonto an eines von Crunchfit überwiesen wurden. Jens Redlich erklärte dem Tagesspiegel dazu, dass TeBe „Crunchfit“ fälschlicherweise die Summe aus dem Vorjahr (100.000 Euro) in Rechnung gestellt habe und nicht, wie vertraglich vereinbart, nur noch 80.000 Euro. Die Differenz plus Mehrwertsteuer sei daher zurückerstattet worden.
Das Konto ist jedenfalls leer. Auch auf der Suche nach den Barzahlungen der ca. 350 Neumitglieder die im Dezember und Januar, rund um die Mitgliederversammlung eingetreten sind, sind die Vorstandsmitglieder noch nicht fündig geworden. „Wir recherchieren intern in alle Richtungen“, gab die Klub-Führung bekannt: „Sollten wir auf größere Unregelmäßigkeiten stoßen, werden wir gegebenenfalls auch hier die Ermittlungsbehörden einschalten.“ Inzwischen soll sich das Landeskriminalamt des Falls angenommen haben.
Intensiv kümmern sich die neuen Vorstandsmitglieder den Verein wieder auf den richtigen Weg zu führen. In ihren Augen führt dies nur über Gemeinschaft, weg von der "Alleinherrschaft". Dementsprechend wurde heute bekannt gegeben, dass die Trennung zwischen Sitz- und Stehplatzbereich im Stadion aufgehoben wurde, auch die Ticketpreise wurden gesenkt und vereinheitlicht. Die fehlenden Einnahmen kompensiert der Verein durch den Wegfall der Security-Ausgaben. Auch andere Aufgaben sollen durch ehrenamtliche Helfer übernommen werden.
Viel Arbeit haben Brombosch und Co. in den vergangenen Tagen in den Verein gesteckt. Dabei rechnet Jens Redlich weiterhin mit seiner Rückkehr. Der gerade im Urlaub weilende Chef der Fitnesskette Crunchfit ließ seinen Mail-Rücktritt, den Rücktritt vom Rücktritt und die Änderung im Vereinsregister prüfen und rechnet mit einem positiven Ausgang seinerseits. Bereits in zwei Wochen möchte er wieder im Amt sein.
Immerhin gibt es auch positive Nachrichten. Durch den Wechsel von Maximilian Philipp von Dortmund nach Moskau wird Tennis Borussia als Ausbildungsverein eine kleine finanzielle Entschädigung erhalten. Diese wird sich zwischen 150.000€ - 180.000€ belaufen. Damit wäre der entstandene Schaden durch die Überweisung an Crunchfit zumindest vorerst relativiert - auch wenn die Hintergründe weiterhin nicht vollends geklärt sind.
Es gilt nach wie vor: das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, der Ausgang der Situation ist weiterhin offen. Trainer und Spieler können sich derzeit nur mit einer Sache ablenken: dem Fußball.