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Vereinsnachrichten

Äbbelwei-Touristen aus Berlin

Fußballfans von Tennis Borussia pilgern nach Rambach und erleben dort einige Überraschungen

von Olaf Streubig · 26.03.2019, 14:00 Uhr · 0 Leser
600 Kilometer für ein Kreisliga-Spiel? Dieses Ereignis hat sich am vergangenen Wochenende in Rambach abgespielt. F: Streubig
600 Kilometer für ein Kreisliga-Spiel? Dieses Ereignis hat sich am vergangenen Wochenende in Rambach abgespielt. F: Streubig
Rambach. Einen Fanmarsch mit Polizeieskorte, so etwas sieht man in den Niederungen der Kreisliga eher selten. Entsprechend staunten die Fußballer der SG Rambach/Kloppenheim, dass sich auch die Polizei für das Spiel auf dem Rambacher Waldsportplatz interessierte. Die 35 Fans aus Berlin, auf welche die Polizei dort wartete, hatten allerdings noch wichtigeres zu tun – sie kehrten kurzerhand im Gasthaus Zum Hirsch ein und machten ausgiebige Bekanntschaft mit dem hessischen Nationalgetränk.

TeBe bringt sogar den Stadionsprecher mit

Äbbelwei und Polizei waren die ersten Überraschungen, der Fußballplatz die nächste. „Hartplätze mit rotem Sand gibt’s in Berlin gar nicht mehr“, sagte Dennis Wingerter von der Fanabteilung von Tennis Borussia Berlin. In Rambach akklimatisierten sich die größtenteils aus Berlin, teilweise aus Nürnberg und Mannheim angereisten TeBe-Anhänger schnell. Bunte Banner, Konfetti, Wunderkerzen – und lautstarker Gesang.

Als Marvin Wiegand das 1:0 für die Hausherren erzielte, rief Carsten Bangel routiniert den Torschützen durch. Bangel ist im heimischen Mommsenstadion der Stadionsprecher von TeBe und seit den 1970er Jahren Fan. Derzeit boykottiert er wie hunderte weiterer Anhänger die Spiele seines Vereins.

Hintergrund ist der Einstieg eines neuen Hauptsponsors vor drei Jahren. Dessen Geschäftsführer ist mittlerweile auch Vorstandsvorsitzender des Vereins und liegt mit den Fans im Streit. Sie werfen ihm vor, langjährige Mitarbeiter des Vereins rausgeworfen zu haben und Abstimmungen durch zahlreiche Neumitglieder in seinem Sinne beeinflusst zu haben.

Seit zwei Monaten besuchen die TeBe-Fans daher statt der Spiele ihres Klubs andere Amateurvereine im Berliner Umland. „Wir hatten vor längerer Zeit mal rausgefunden, dass es in der ganzen Republik nur noch einen Verein gibt, der auch Tennis Borussia heißt“, berichtet Wingerter. Die Idee für einen Besuch bei der Namensschwester Tennis Borussia Rambach, die in einer Spielgemeinschaft mit dem TV Kloppenheim als SG Rambach/Kloppenheim firmiert, habe schnell zahlreiche Mitstreiter gefunden. Zumal die Rambacher Tennis Borussia Rambach 1977, also just im Jahr der Bundesligazugehörigkeit des heutigen Oberligisten TeBe, gegründet worden war.

Um 6.40 Uhr starteten die Fans in Berlin, um kurz vor 15 Uhr liefen sie auf dem Waldsportplatz ein – in der Heimkurve. „Das ist ziemlich praktisch“, sagte Tobias Schulze von der TeBe-Fanabteilung: „Bei anderen Vereinen müssen wir uns ständig neue Fangesänge überlegen, das wird langsam ganz schön anstrengend. Bei TB in Rambach können wir aber endlich wieder unsere alten Lieder auspacken.“ Außerdem hatten die Gäste eigens angefertigte Fanschals mit Rambacher und Berliner Logo im Gepäck.

„Euer Besuch macht uns sehr stolz“, sagte Heinz Leukel und versprach bereit einen Gegenbesuch. Dann verteilte der Rambacher Ehrenpräsident Geschenke: Für jeden Berliner eine Flasche Rambacher Äbbelwei.