„Wenn du brüllst, spielt niemand besser“
Freitag 29.05.20 20:00 Uhr|Autor: Lutz Schinköth1.007
Immer engagiert und gibt stets die Richtung vor: Veldenz' Spielertrainer Sascha Kohr. Foto: Hans Krämer

„Wenn du brüllst, spielt niemand besser“

Interview-Serie "Nachgesetzt": Der Veldenz/Burgener Spielertrainer Sascha Kohr bilanziert, blickt voraus und charakterisiert sich selbst.

Veldenz/Leiwen. Sascha Kohr gehört mit seinen 35 Jahren zu den etabliertesten Spielertrainern der Mosel-Region. Sein erster Verein war der SV Trittenheim, danach ging es über die JSG Leiwen, die B-Jugend des TuS Mosella Schweich in die B-Junioren-Regionalliga nach Wittlich. Sein erstes Bezirksligajahr absolvierte der junge Kohr unterTrainer Uli Marmann beim TuS Schweich. Der in Leiwen lebende, verheiratete Vater einer Tochter war anschließend beim SV Dörbach unter Rudi Jung Co-Trainer, führte die SG Neumagen-Dhron zum Aufstieg in die Bezirksliga und war bei der SG Binsfeld maßgeblich am Bezirksliga-Aufstieg beteiligt. Mit der SG Veldenz/Burgen geht der einst auch im heimatlichen Leiwen spielende Kohr in seine vierte Saison. Im FuPa-Interview blickt er auf die abgebrochene Saison zurück, spricht über mögliche Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Amateurfußball und verrät auch, was ihn an seiner Mannschaft stört.

War die Entscheidung des Fußballverbandes Rheinland aus Ihrer Sicht richtig, die Saison abzubrechen?

KOHR Wenn gut 80 Prozent der Vereine dafür stimmten, war mir klar, dass sich der Verbandsbeirat nicht dagegen stemmt. Im Nachhinein hat es im Hinblick auf die nächste Saison ja auch Sinn gemacht. Sonst wäre alles noch komplizierter und terminlich schwieriger geworden. In so einem Fall gibt es immer Gewinner und Verlierer.

Ihre Mannschaft hatte bis zum Abbruch einen Lauf und war nach dem 2:0-Sieg gegen Zeltingen nur noch zwei Punkte hinter dem führenden Duo Zeltingen-Rachtig und Mont Royal. Hätte Ihr Team das Zeug dazu gehabt, die Tabellenspitze zu erklimmen?

KOHR Vielleicht. Auf jeden Fall kamen die Winterpause und dann auch die Corona-Phase für uns relativ ungelegen, weil wir gut drauf waren und auch wenig Verletzte hatten. Wie es danach weiter gegangen wäre, vermag ich nicht zu sagen. Wir hätten wohl alle unsere Spiele gewinnen müssen, um die jeweils zwei Punkte gegen die beiden anderen aufzuholen.

Welche Auswirkungen könnte die Corona-Pandemie generell auf den Amateurfußball haben?

KOHR Da sehe ich gleich zwei Ansätze: Einige Spieler könnten jetzt sagen, dass es sich ohne Fußball auch sehr gut leben lässt - ohne Verletzungsgefahr, Wochenendstress und Leistungsdruck. Andere wiederum haben vielleicht gerade jetzt richtig Bock auf Fußball und greifen noch mal an. Was mich bedenklich stimmt, ist, dass viele Vereine finanziell am Stock gehen könnten, denn es fehlen Einnahmen aus Veranstaltungen, wie etwa Sportfesten. Auch Zuschauereinnahmen aus den Heimspielen gab es in den vergangenen Wochen keine. Bei uns fehlen auch die Erlöse aus dem Burgener Bauernmarkt, der jährlich Tausende Besucher anlockt.

Die alte Saison ist abgehakt – welche Ziele fassen Sie für die neue ins Auge?

KOHR  Weil mit Mont Royal und Zeltingen zwei ganz starke Mannschaften raus sind aus der Liga, denke ich, dass die nächste Saison mega spannend wird. Es gibt keinen Favoriten, sechs oder sieben Mannschaften können oben mitspielen. Wir wollen Platz drei bestätigen.

Was hat sich bei den Spielern generell verändert im Vergleich zu früheren Zeiten?

KOHR Der Fußball hat bei vielen nicht mehr den Stellenwert, den er einmal hatte. Viele nehmen keine Rücksicht auf die Vereinsbelange, fahren mitten in der Saison oder parallel zu wichtigen Spielen in Urlaub. Heute gibt es auch mehr Schichtarbeit. Es ist zudem schwieriger geworden, neue, motivierte Spieler zu kriegen.

Warum?

KOHR Vielen Spielern reicht die A-Klasse, in der es mittlerweile ein hohes Niveau, viele Derbys und auch viele Zuschauer gibt.  Spannung ist immer gegeben, viele Spiele sind sehr ausgeglichen. So braucht man sich nicht für höhere Ligen mit vier mal Training pro Woche zu schinden.

Fabian Helbig war in der zurückliegenden Saison mit elf Treffern einmal mehr der erfolgreichste Torschütze bei Ihnen. Ist die Mannschaft zu sehr von ihm abhängig?

KOHR Nein, Fabian war ja lange auch verletzt und einige Wochen lang nicht gespielt. Das war ein Grund, warum wir zu wenig Tore geschossen haben – auch, weil Michi Mayer verletzt war. Beides kannst du nicht auffangen, denn allein Fabi hat schon eine Riesenqualität. Er braucht nur eine gute Aktion, um ein Spiel zu entscheiden.

Wie ist die nachkommende Generation bei der SG zu beurteilen?

KOHR  Die A-Jugendspieler, die vor ein, zwei Jahren rauskamen, sind besser geworden. Auch die vier, die jetzt dazukommen, haben eine super Entwicklung hingelegt und besitzen eine gute Einstellung. Deshalb sind wir froh, dass wir die jetzt noch intensiver einbauen können. Dann kommt erst mal drei Jahre lang wahrscheinlich gar niemand nach.

Was ärgert Sie an Ihrer Mannschaft?

KOHR Generell die Gegentore, im Besonderen die Spiele, die man unnötig verliert – so wie das 2:4 gegen Blankenrath.

Wie würden Sie sich selbst als Trainertyp charakterisieren?

KOHR  Ich versuche, eine gute Mischung zu finden. In der Halbzeitansprache bin ich eher der ruhige, analytische Typ – auch, wenn es bis dato schlecht gelaufen ist. Natürlich muss man auch mal im Training laut werden, wenn sich jemand hängen lässt. Generell aber bin ich kein Typ, der brüllt und draufhaut. Denn niemand spielt besser, wenn man brüllt. 


Tabelle
1. Zeltingen-R 1639 36
2. SG Mont Royal E... 1634 36
3. SG Veldenz 1620 34
4. Blankenrath (Auf) 1622 30
5. SG Moseltal (Auf) 1621 28
6. Niederemmel (Ab) 1613 28
7. SG Neumagen-D. 165 21
8. SG Buchholz (Ab) 163 21
9. SG Laufeld 16-11 20
10. SG Minderlit.-H 16-16 19
11. SG Binsfeld 16-29 18
12. SG Traben-Tr. 16-30 14
13. SG Zell 16-34 8
14. Monzelfeld 16-37 5
Wertung gemäß Quotientenregel: Erreichte Punkte dividiert durch absolvierte Spiele
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