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Mittwoch 19.04.17 15:00 Uhr|Autor: Thorsten Schaar853
Foto: Christof Wolff

Hermanns Männer: Dieter Niersmans

Der SV Straelen, Tabellenführer in der Landesliga, ist der Beweis dafür, dass sich Erfolg planen lässt. Vereinswirt Dieter Niersmans wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit des SV.
Bei uns sprechen vier der Macher über vergangene Zeiten in der Oberliga, die Tulpenrevolution von 2015 und den Einfluss von Hermann Tecklenburg – als Präsident und Geldgeber. Im Folgenden Teil eins unserer Serie.

Dieter Niersmans, Vereinswirt, ehemaliger Spieler & Obmann: "Was in Straelen immer besonders war? Die Jugendarbeit. Das haben wir immer besser hingekriegt als die umliegenden Ortschaften. Spielen auch jetzt wieder alle in der Niederrheinliga. Da legt Hermann Tecklenburg auch größten Wert drauf. Unser Credo lautet: Wir bilden Spielerin der Jugend aus, damit sie in der 1. Mannschaft spielen können.

Ich bin 71 Jahre alt, seit 1954 im Verein – zu meiner Zeit war die Begeisterung noch größer. Früher kamen alle aus dem Dorf zum Platz. Selbst in der Kreisklasse hatten wir immer 500 Zuschauer. Der größte sportliche Erfolg für mich war, als wir damals nach 15 Jahren in die Bezirksliga aufgestiegen sind – vor 3000 Zuschauern in Kevelaer. Heute kommen auch schon mal 500, wie neulich gegen Sonsbeck,
aber jetzt stehen wir ja auch an der Spitze der Landesliga. Früher war Fußball in Straelen alles, was man hatte. Heute gibt es so viele andere Freizeitangebote.

Wir haben vor Jahren schon einmal in der Oberliga gespielt. Damals haben wir allerlei fertige Spieler von sonst woher geholt. Mit negativen Folgen: Die Zuschauer konnten sich nicht mehr so mit der Mannschaft identifizieren. Der größte Unterschied zu damals ist daher wohl, dass heute eine größere Zahl von Spielern wirklich aus Straelen stammt.

Hermann Tecklenburg ist vier Jahre nach mir in den SV eingetreten, das war 1958. Wir haben damals auch zusammen in der 1. Mannschaft gespielt – er als Verteidiger, ich als Mittelstürmer. Es hat nicht
lange gedauert, bis er zum ersten Mal mit Geld eingesprungen ist. Als wir 1966 in die Bezirksliga aufstiegen, hatte uns ein Sponsor ein paar tausend Mark versprochen, ist aber Pleite gegangen. Hermann Tecklenburg war noch nicht selbständig als Immobilienunternehmer, hat aber trotzdem
die Summe bezahlt, die ausgefallen war. Er hat damals klein angefangen, bevor er später richtig investiert hat. In der Saison 1995/96 begann die große Zeit des SV Straelen. Teilweise hat Hermann
Tecklenburg auch selbst den Trainer gegeben. Immer wenn er Trainer war, sind wir aufgestiegen. Er hat viel Ahnung vom Fußball und lässt sich von seiner Frau weiter fortbilden – der ehemaligen Nationalspielerin Martina Voss.

Die Oberliga war die höchste Hausnummer, die man als SV Straelen angehen konnte. Mehr ging einfach nicht, auch von der Platzanlage her. In den 1990er-Jahren hat Hermann Tecklenburg auch Jos Luhukay
als Spieler aus der Niederlande geholt. Der wohnte in Venlo, das ist bei uns ja gleich um die Ecke. Ein, zwei Holländer hatten wir immer in der Mannschaft, das lag an den Kontakten von Hermann Tecklenburg, Von 1996 bis 2000 wurde Luhukay dann unser Trainer, ein intelligenter Mann, der eine super Trainingsarbeit machte. Danach hat ihn Hermann Tecklenburg leider von sich selbst abgeworben und nach Krefeld geholt – er war inzwischen Präsident beim KFC Uerdingen.

2015 begann wieder eine neue Zeitrechnung bei uns, mit der Ankunft von Ilja Ludenberg. Er hat in kurzer Zeit viel verändert. Die Platzanlage sieht zum Beispiel jetzt ganz anders aus. Unser ursprünglicher
Plan war, dass wir 2019 zu unserem Jubiläum in die Oberliga aufsteigen wollten. Jetzt haben wir aber schon eine sehr gute Mannschaft und einen exzellenten Trainer, der mehr auf dem Sportplatz ist als bei seiner Frau zu Hause. Er hat sich ein eigenes Zimmer zur Videoanalyse eingerichtet. Vier Wochen vor der Saison war er jeden Tag auf der Platzanlage, das habe ich noch bei keinem anderen Trainer erlebt.
Ich selbst bin auch jeden Tag hier, kümmere mich um die Bewirtung im Vereinsheim, wohne direkt gegenüber. Die Spieler bekommen nach jedem Spiel ein Essen. Das kocht die Frau vom Fußball-Obmann, ehrenamtlich. Und hinterher kommen die Jungs noch zu mir in die Kneipe. Was kaum einer weiß über Hermann Tecklenburg: Er ist aktuell nicht nur Präsident, sondern auch Trainer der A2-Jugend.
Er hat sie übernommen, als nur noch fünf Spieler übrig waren – es gab keinen Trainer und keine Mannschaft mehr. Die verbliebenen Jungs waren alles Straelener und hätten zu umliegenden Vereinen wechseln müssen. Hermann Tecklenburg hat dann sieben, acht Flüchtlinge eingebaut. Jetzt hat er einen Kader von 15 Spielern und alles läuft wieder rund. Ich kann aus meiner langen Erfahrung sagen: Was er
in Angriff nimmt, funktioniert immer."

Stephan Houben, Trainer seit 2016: "Ich bin jetzt seit 19 Jahren Trainer im Amateurfußball. Wenn ich als Gegner gegen den SV Straelen gespielt habe, war der Klub für mich immer ganz stark mit Hermann Tecklenburg verknüpft.

Als ich im vergangenen Jahr gespürt habe, dass es für mich beim 1. FC Mönchengladbach nicht mehr weiterging, kam sehr plötzlich die konkrete Anfrage aus Straelen. Es reichte dann ein Gespräch im
Büro von Hermann Tecklenburg, um zuzusagen. Gesprächsdauer: unter einer Stunde. Wir waren uns schnell einig. Mein persönliches Ziel als Trainer ist es schließlich auch, schnellstmöglich in die Oberliga
zurückzukehren.

Ich habe Hermann Tecklenburg als sehr zielstrebigen Unternehmer kennengelernt, der seinen Job und den Fußball sauber voneinander trennt. Wir haben mittlerweile einen sehr guten Weg gefunden,
uns auszutauschen, diskutieren immer ein, zwei Tage nach den Spielen darüber. Seine Meinung ist mir sehr wichtig. Er funkt mir überhaupt nicht rein in meine Trainerarbeit, sondern ist einfach einer
mehr in meinem Team, in dem es mit Horst Kuchartz sogar einen echten Fußballehrer gibt. Wir haben schon eine geballte Fußballkompetenz beim SV Straelen. Da lasse ich mich auch gerne mal eines Besseren belehren.

Sportlich war der SV zuletzt eine mittlere bis gute Landesliga-Mannschaft. Ich hatte aber das Gefühl, dass da tabellarisch noch mehr drin war. Als ich mit meinem Co-Trainer Khaled Daftari hier angefangen
habe, haben wir schnell herausgefunden, dass sich die Spieler in einer Komfortzone bewegten. Letztlich geht es immer um Kleinigkeiten. Wir haben erst einmal klare Ziele definiert und die Identifikation mit
dem Verein verbessert. Nach den Heimspielen gibt es wieder ein gemeinsames Essen. Und in unserem großen Funktionsteam weiß jetzt auch jeder, was er zu tun hat.

Wir nutzen die geographische Lage. Es ist ja schon eine ziemliche Fahrerei übers Land, um hierhin zu gelangen. Ich frage mich auch schon mal, ob ein Spiel in Kleve, was 70 Kilometer entfernt liegt, überhaupt noch ein Derby sein kann. Es ist halt so: Wenn man in Straelen einmal Gas gibt und nicht bremst, dann ist man praktisch schon in Holland. Die Folge: Bei uns stehen aktuell vier niederländische Spieler im Kader. Das sind alles Teamplayer, die zudem für gute Stimmung sorgen. Unser Torjäger Randy Grens gehört dazu. Er hat mir gerade zugesagt zu bleiben – jedenfalls für den Fall, dass wir aufsteigen.

Ich glaube, dass man Erfolg auf diesem Level tatsächlich ein Stück weit planen kann. Was man berücksichtigen muss: Alle haben einen Job, genauso das Trainerteam. Was man nicht beeinflussen kann: Wir haben junge Familienväter, wir haben Spieler mit Freundinnen, die in den Urlaub  fahren wollen, und wir haben längerfristige Verletzungen, weil wir diese nicht wie bei Profis behandeln lassen können. Und: Es gibt manchmal auch in der Landesliga Auswärtsspiele auf Aschenplätzen.

Ich selbst bin eigentlich jeden Tag drei, vier Stunden mit Fußball beschäftigt. Der Sprung von der Landesliga in die Oberliga wäre für die Mannschaft ein gravierender Unterschied. Wichtig scheint es mir, dass wir uns dann verstärkt um die Athletik kümmern und uns ansonsten noch akribischer vorbereiten.

Wir müssen den Spagat schaffen zwischen oberligatauglichen Spielern und dem eigenen Nachwuchs. Wir haben zehn Spieler, die aus der eigenen Jugend stammen, in unserer Kaderplanung für 2017/18
stehen, darunter vier aktuelle U19-Spieler. Es ist aber auch klar: Straelen wird nie genug Einwohner haben, um 20 gestandene Oberliga-Spieler hervorzubringen.

Wir müssen über den Fleiß kommen, dazu gehört unsere aufwändige Videoanalyse. Wir schauen jede Woche sehr intensiv bewegte Bilder. Einer der Betreuer filmt jedes Spiel mit der FuPa-Cam. Ich verbringe dann meine freien Abende damit, die Aufnahmen zu sichten und die wichtigsten Szenen rauszuschneiden. Wir haben jetzt auch einen eigenen Raum für Mannschaftssitzungen – mit Laptop, Beamer und Leinwand. In der Landesliga ist das noch etwas Besonderes, in der Oberliga ganz normal.

Khaled Daftari ist übrigens schon im zwölften Jahr mein Co-Trainer, außerdem ist er mein Trauzeuge und Arbeitskollege. Hermann Tecklenburg hat im Sommer meinem Wunsch entsprochen, weiter mit ihm arbeiten zu können. Außerdem habe ich einen zweiten Co-Trainer: Stefan Post, der ein echtes Urgestein
ist in Straelen. Ich kenne niemanden, der so viel über Amateurfußball in der Region weiß wie er."

 
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