Das Hunsrücker Kunststück
Freitag 29.01.21 21:24 Uhr|Autor: FuPa Rheinland 1.134
Auf dem Platz, wie auch als Vorsitzender der Fußballvereinigung Hunsrückhöhe setzt Jan Weber (Bildmitte) auf Zusammenhalt und Begeisterung. Im Bild wird er von Sebastian Schell (links) und Marius Marx (rechts) flankiert. Foto: Sebastian J. Schwarz

Das Hunsrücker Kunststück

Seit gut einem halben Jahr machen die Fußballer aus Morbach und Monzelfeld mit der eigens gegründeten Fußballvereinigung gemeinsame Sache. Die Zwischenbilanz fällt positiv aus. Dabei gab es anfangs auch kritische Stimmen.
Um den Fußballern vor Ort bessere Perspektiven zu bieten, gingen die benachbarten Sportvereine aus Morbach und Monzelfeld im vergangenen Jahr ganz neue Wege – und gründeten als dritten Club die Fußballvereinigung Hunsrückhöhe (FVH)  Morbach. Den Stein ins Rollen brachte Christian Schell. Der Erste Vorsitzende des SV Monzelfeld war zu Beginn des vergangenen Jahres auf der Suche nach einem Kooperationspartner. Die Fußballabteilung des seinerzeit am Tabellenende der A-Liga Mosel krebsenden Clubs, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird (und ordentlich feiern will, sofern es die Corona-Lage zulässt), hatte mit erheblichen Personalsorgen zu kämpfen.


Bei der Mitgliederversammlung wurde dafür gestimmt, nach einem Partnerverein für die Saison 2020/21 zu suchen. „Mit dem SV Morbach liefen die Gespräche sehr gut und wir funkten auf einer Wellenlänge. Corona war in dem Fall unser Vorteil, da der Spielbetrieb ja ruhte und wir uns mehr auf die Fusion fokussieren konnten“, blickt Schell zurück. Da man mit der Gründung eines eigenständigen Vereins in der Form Neuland betrat, zog man Rechtsbeistand hinzu, „um dieses Kunststück in der kurzen Zeit zu stemmen“, so Schell.

Die FVH besteht inzwischen aus 80 Aktiven aus den Reihen des SV Morbach und des SV Monzelfeld, die weiter als Ursprungsvereine bestehen. Unter dem Dach der FVH spielen die drei Seniorenteams in der Rheinlandliga sowie der A- und B-Klasse Mosel. Schell nennt die Vorteile der Fußball-Ehe im Hunsrück: „Wir wissen, dass die Zahl der Aktiven gerade im Spielkreis Mosel seit Jahren rückläufig ist. Um unseren Jungs eine Perspektive zu geben und zukunftsorientiert arbeiten zu können, musste ein neuer Verein gegründet werden. Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Es ist uns gelungen, alle Spieler mitzunehmen und auf drei Mannschaften zu verteilen.“ Besonders stolz ist er auf die zweite Mannschaft: „Sie hat bis zur Unterbrechung attraktiven Fußball gespielt, 13 Punkte aus sieben Spielen geholt und bemerkenswerte 120 Zuschauer pro Heimspiel nach Monzelfeld gelockt.“

Georg Schuh, Sportlicher Leiter der Morbacher Rheinlandligamannschaft, bezeichnet die Gründung als „absolut richtigen Weg für die Zukunft“. Das Gesamtpaket passe, und man wolle  sich breiter aufstellen und professionalisieren. „Die Fusion ist kein Selbstzweck, sondern hat nachhaltige Gründe. Daher ist sie auch auf Dauer angelegt und knüpft an den Jugendförderverein an“, betont Schuh, der in Morbach als Ortsvorsteher auch ein kommunalpolitisches Amt innehat.

Den Jugendförderverein (JFV) Hunsrückhöhe gibt es mittlerweile seit knapp zehn Jahren. Ein Dutzend Vereine, davon die meisten aus der Einheitsgemeinde Morbach selbst, sind hier zusammengeschlossen, um Kindern und Jugendlichen möglichst wohnortnah eine gute fußballerische Ausbildung bieten zu können.

Warum man sich zur Gründung eines neuen Verein entschloss, hat mit den Verbandsstatuten zu tun: Ursprünglich war geplant, eine Spielgemeinschaft der erste Mannschaft des SV Monzelfeld und der zweiten Morbacher Mannschaft zu bilden. Dann hätte man aber nur ganz unten in der C-Liga spielen dürfen. Ein Aufstieg wäre ausgeschlossen gewesen. Für beide Vereine war dieses Szenario undenkbar.

Mit Jan Weber führt ein (junger) Mann die Geschicke der FVH als Erster Vorsitzender. Der 30-Jährige hat in Monzelfeld viele Freunde und in Morbach jahrelang Rheinlandliga gespielt. Mit ihm geht ein junges Gesicht im neuen Verein voran und übernimmt Verantwortung. Seine Zwischenbilanz gut ein halbes Jahr nach der Gründung fällt positiv aus: „Sportlich hat alles sehr gut geklappt und es herrscht Euphorie in den Mannschaften und den beiden Vereinen. Die Wege von unten nach oben und umgekehrt sind kurz und bieten große Entwicklungsmöglichkeiten. Eigentlich war die Fusion erst für dieses Jahr geplant, doch aufgrund der Pandemie haben wir uns reingehauen und es früher durchgezogen.“

Christian Schell ist zweiter Vorsitzender der FVH („Ich wollte einen jungen ersten Vorsitzenden haben, um Aufbruchsstimmung zu entfachen. Ich kenne und schätze Jan als sehr zuverlässig und motiviert ein.“), gefolgt von Georg Schuh als Beisitzer. Die erfahrenen Funktionäre geben Weber, der fußballerisch einen Gang runter schaltete und noch in der zweiten Mannschaft spielt, volle Rückendeckung. „In der FVH wollen wir die Zukunft vorantreiben und sind stolz, bereits von 90 Prozent der Spieler Zusagen für die kommende Saison zu haben“, berichtet Weber.

Die erste Mannschaft ist in der Rheinlandliga derzeit Elfter, die zweite in der A-Liga Sechster. Die Dritte dagegen ist in der B-Liga noch nicht in Tritt gekommen. Sämtliche sieben Partien wurden verloren – bei einem niederschmetternden Torverhältnis von 4:36.

Die kritischen Stimmen, die im Zuge der Fusion laut wurden, kommentiert Schell so: „In Monzelfeld selbst gab es keine wirklichen Gegner. Wir wollten uns zukunftsorientiert aufstellen und haben unsere Mitglieder darüber abstimmen lassen. Wir haben also den ganzen Verein hinter unser Vorhaben gebracht, was die Sache erleichterte. Trotzdem musste anfangs bisschen Überzeugungsarbeit geleistet werden, besonders bei den erfahrenen Mitgliedern.“

Auf Morbacher Seite fiel die geplante Mitgliederversammlung pandemiebedingt ins Wasser.  Eile war geboten. Deshalb wurde die Entscheidung (nur) im Vorstand getroffen, was man sich anwaltlich als rechtmäßig bestätigen ließ. Anschließend wurden die Mitglieder über das Ergebnis informiert. Schuh kann „die Kritiker ein Stück weit verstehen, da es ein neues Gefühl ist, montags nicht mehr den SV Morbach in der Zeitung zu lesen. Aber der Verein besteht weiterhin. Nur die Fußballer wurden ausgegliedert. Es überwiegen ganz klar die Vorteile, weshalb wir zu 100 Prozent hinter der FVH stehen. Durch Corona war die Kommunikation halt schwierig.“

Corona werde die Fußballlandschaft negativ verändern, befürchtet Schuh, der für einen Saisonabbruch und einen Neustart im August plädiert.  

Für die nahe Zukunft gibt es weitere innovative Ziele: So will man sich auch dem E-Sport widmen. Zudem soll die bereits Anfang des vergangenen Jahres ins Auge gefasste Kooperation mit dem Nahe-Club TuS Mörschied besiegelt werden – um Strukturen voranzutreiben und das Interesse am Club zu beleben.


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