Der neue Trainer und sein dickes Telefonbuch
Montag 15.06.20 11:08 Uhr|Autor: Vinzenz Anton2.826
Bernd Körfer löst Frank Meeth als Trainer des SV Mehring ab. Foto: Hans Krämer

Der neue Trainer und sein dickes Telefonbuch

Fußball-Rheinland­liga: Mit dem Abgang von Trainer Frank Meeth endet beim SV Mehring eine Ära. Sein Nachfolger Bernd Körfer hat auch trotz der Corona-Pause schon einiges bewegen können. Seine guten Verbindungen schätzen sie besonders beim Mittelmoselclub.
Sechs Siege, drei Remis und 13 Niederlagen stehen bei einem Torverhältnis von 31:60 zu Buche. Das macht aus Sicht des SV Mehring in der coronabedingt abgebrochenen Saison in der Fußball-Rheinlandliga am Ende Platz 15. Die von Verletzungspech stark gebeutelte Mannschaft stellte nach 22 Spieltagen die ligaweit schlechteste Abwehr. Für mehr defensive Stabilität wird bald wieder SVM-Kapitän Sebastian Dietz sorgen können, der seinen Kreuzbandriss auskuriert hat. Wozu das Mehringer Team in Bestbesetzung im Stande war, zeigen die Siege gegen starke Gegner wie Morbach (1:0), Mayen (3:1) und Salmrohr (2:1).


Zuletzt  wurden die ersten Trainingseinheiten unter den einschlägigen Corona- Auflagen erfolgreich absolviert. Maximilian Meyer, zweiter Spielführer des SVM, berichtet von einer seltsamen Situation: „Wir standen mitten im Abstiegskampf und hatten die entscheidenden Wochen noch vor uns. Eine Saison so auslaufen lassen zu müssen, ist komisch. Wir hatten uns individuell fitgehalten, weshalb es vergangene Woche schön war, das Team nach so langer Zeit wiederzusehen.“

Für die neue Saison erhofft er sich einen frischen Wind: „Nach vielen gemeinsamen Jahren hatte sich Routine eingestellt. Abgesehen von der aktuellen Saison hatte Frank Meeth in Mehring durchweg erfolgreiche Spielzeiten. Gekrönt wurde alles mit unserem Oberligaaufstieg über die Relegation in der Saison 2014/15.“

Meeth will in zwei Jahren gegen Mehring spielen

Der zum Bezirksligisten Rot-Weiß Wittlich wechselnde Coach resümiert: „Mit den ersten zehn, elf Spielern waren wir konkurrenzfähig, aber durch den zu kleinen Kader war es sehr schwierig. Schade, dass die Saison vor unserem Derby gegen Salmrohr abgebrochen wurde, da wir erstmals fast den kompletten Kader zur Verfügung gehabt hätten. Ich blicke auf eine positive Zeit in Mehring zurück und hoffe, in zwei Jahren mit Rot-Weiß Wittlich gegen den SVM zu spielen.“

Peter Dietz als erster Vorsitzender sieht den SVM gerüstet für die Zukunft: „Unsere Mannschaft ist zur neuen Saison gestärkt, da wir breiter aufgestellt sind.“ Eine negative Auswirkung von Corona sei es aus Mehringer Sicht, dass die zweite Auflage des Sommerturniers um den  Visio-Planhaus-Cup ausfällt.“

Nach sechseinhalb Jahren gibt es bei den Blau-Weißen einen Wechsel auf der Trainerbank. Dietz bedankt sich beim scheidenden Coach Meeth, den er „als unglaublichen Kenner der Rheinlandliga“ bezeichnet und anerkennend feststellt: „Mit seiner akribischen Arbeit waren wir immer sehr zufrieden. Das zeigt auch die Tatsache, wie lange Meeth bei uns Trainer war.“ Meeth habe das Alleinstellungsmerkmal, dass er es schaffe, an einem Tag drei Spiele von Konkurrenten live zu beobachten: „Er lebt Fußball. Aber jetzt ist die richtige Zeit für etwas Neues.“

Neuer Coach früher in Kerkrade und bei Alemannia Aachen aktiv

Neu in der Rheinlandliga und an der Mehringer Seitenlinie ist mit Bernd Körfer jemand, der einst in Holland lebte und dort auch spielte. Der frühere Mittelfeldakteur stand bei Roda JC Kerkrade und später bei Alemannia Aachen unter Vertrag. Körfer wohnt in Zemmer-Rodt und trainierte zuletzt knapp drei Jahre den B-Ligisten SG Fidei. Zuvor coachte der vierfache Familienvater dreieinhalb Jahre lang den Bezirksligisten SV Dörbach.

Der 49-Jährige freut sich auf seine neue Aufgabe: „Die Rheinlandliga ist Neuland für mich. Ich freue mich auf die Herausforderung nach dieser blutlosen Zeit. Spaß und Begeisterung gehören für mich dazu, weshalb ich neben hart arbeitenden Jungs auf Motivation setze. Ich bin ein Trainer mit Bauchgefühl und habe bereits mit jedem Spieler gesprochen. Aktuell schaue ich mir alte Spiele über eine Internetplattform an, um die Liga bestmöglich kennenzulernen.“

 Dankbar sei er Frank Meeth dafür, dass er ihm für Fragen zur Verfügung stehe: „Den einen oder anderen Tipp werde ich bestimmt abstauben. Er ist sehr kollegial und genauso fußballverrückt wie ich.“

Mehring sei an ihm interessiert gewesen, und er habe schnell gemerkt, dass es einfach passe. Als Ziel gibt Körfer aus, am Ende der kommenden Saison einen  Nichtabstiegsplatz zu belegen. Doch in diesen Tagen merke man, dass Fußball nicht alles sei: „Es ist nur ein Hobby. Gesundheit, Beruf und Familie sind viel wichtiger. Aufgrund der Pandemie sind einige Spieler nur schwer von einem Wechsel zu überzeugen, da sie unsicher sind.“

Wie der Verein auf Körfer aufmerksam wurde, schildert Vorsitzender Dietz so: „Er wurde uns von Spielern empfohlen. Wie er über Fußball denkt, passt einfach zu uns. Sein Fußballnetzwerk hilft uns weiter, denn er besitzt über 70 Telefonnummern von potenziellen Spielern.“

In den vergangenen drei Monaten habe sich der neue Coach schon stark eingebracht und viele Kontakte geknüpft. Kommunikation und Spaß stehen bei Körfer ganz oben. Kein Wunder, dass der Mehringer Clubchef beobachtet hat, wie nah der Meeth-Nachfolger bereits an der Mannschaft ist.

Neuzugänge: Kai Edringer (FC Bitburg), Nick Emmerich (SG Fell/Longuich/Riol), Ensa Ceesay (FC Könen), Axel Thomas und Philip Lattig (beide SV Leiwen-Köwerich). Aus der zweiten Mannschaft rücken Simon Monzel und Nico Scholtes hoch.

Abgänge: Anthony Delgado (FC Bitburg). Aladin Shallar (SG Fell/Longuich/Riol) und Julien Masselot (SV Bekond).



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