Eine unnormale Vorbereitung
Mittwoch 29.07.20 15:00 Uhr|Autor: Peter-Pascal Portz924
2016 durften sie feiern, 2020 schauten sie in die Röhre. Nun starten die Fußballer des SV Horchheim einen neuen Anlauf in Richtung Landesliga. Foto: BK/Axel Schmitz

Eine unnormale Vorbereitung

In zwei Phasen wollen Bezirksliga-Fußballer des SV Horchheim den Eindruck aus der starken Vorsaison bestätigen
Horchheim. In der tristen Novemberkälte Weisenaus also gedieh der Glaube an das Wunder. Der Rauscher, der richtete es. Und ließ Christoph Heinrich, 28, spüren, dass „da bis zum Ende was gehen kann“. An diesem Sonntag Ende 2019 hatte sich Bezirksligist SV Horchheim, Tabellen-Zweiter und mit vager Hoffnung auf mehr, dreimal in Führung bugsiert – die zähen Mainzer immer wieder ausgeglichen.


Robin Rauscher, seines Zeichens nicht gerade als ausgepufftes Torphantom gefürchtet, schoss dann einfach. Aus 25 Metern. Volley in den Knick. Acht Minuten vor Abpfiff machte er ein 4:3, das einem Kunstwerk gleichkam. Der SVH war dran. Ganz vorne. „Siegeswille, Mentalität, Motivation und Fokus“, attestiert Heinrich, Coach der Wormser, seiner Elf über die Saison, besonders aber an diesem Tag. „Wenn man vorne steht, nimmt man das gerne mit“, sagt er heute. Man überwinterte auf dem zweiten Platz. Hatte alles auf dem Fuß. Hatte…

Im März kam der Abbruch – und wegen eines 1:1 gegen den TSV Gau-Odernheim II, just eine Woche vor Lockdown, rutschte der SVH auf Drei. Um 0,05 Punkte war sein Quotient schlechter als der der SpVgg. Ingelheim. Auch so straft der Fußballgott. Erbarmungslos. Kalt. „So ein Spiel kann einem das Genick brechen“, weiß Heinrich, der Eisenberger, ordnet die „Corona-Runde“ gleichzeitig aber rational ein: „Realistisch betrachtet war das eine hervorragende Saison für eine Mannschaft, die einen Umbruch durchlebt hat.“ Und sie lässt den ihn frischen Mut schöpfen.

Den Wettkampf viele Wochen lang herbeigesehnt

Seit vergangenem Mittwoch, als der Ministerrat Sport und Wettkampf in 30er-Gruppen freigab, darf er wieder in voller Stärke auf den Platz. Wieder gegen die Konkurrenz testen. Ein Szenario, auf das sich Heinrich längst eingestellt hat. Obwohl ja keiner wusste, wann die Schranken fallen. Heinrich ist ein Planer im Detail. Mit Voraussicht. Als sein Team am 30. Juni das Training wieder aufnahm, präsentierte er dem Kader einen Zwei-Phasen-Zyklus: Vier Wochen habe man nun Zeit für Taktik, Anlagen, Verständnis. Für die Dinge, die Zeit fressen, ganz „ohne Spieltagsdruck“, erklärt der Trainer und nennt das „nicht gerade die klassische Vorbereitung“.

Nun, Ende Juli, der nahtlose Übergang in die nächste Phase. Ein Startklarmachen wie jedes Jahr. Mit offiziellen Testpartien, dem richtigen Ranklotzen. Ab dem 2. August streifen sich die Horchheimer das Trikot über. Fünfmal werden sie testen, gegen Gau-Odernheim oder Fortuna Mombach zum Beispiel. „Es ist wichtig, ein Ziel im Blick zu haben“, mahnt Heinrich. „Wir hatten immer 18, 19 Mann im Training, das spiegelt das Bild wieder, dass alle auf den Platz wollen.“ Phase eins macht Hoffnung.

Auf was? Zumindest die Aufstiegsrunde, die sich der ersten Spielstaffel anschließt. In Horchheim wollen sie ihrem Konzept treu bleiben. Während des Sommers lockte der SV nicht dem Geldbeutel. Man blieb zusammen. Und die, die kamen, seien nicht gerade Spieler, „die man auf dem Zettel hat“, klärt Heinrich auf. Nicht die Granaten. Als „Ausbildungsverein“ sieht er den Spitzenklub, mit Gruppendynamik, mit Aufbruchstimmung. Einen Marcel Edel kann, und will, man nicht jedes Jahr verpflichten. Von der Verbandsregelung einer geteilten Bezirksliga hält der Coach, Inhaber der B-Lizenz, dabei nicht viel. Ein „Schuss ins eigene Knie“ sei die, schlechtere Teams würden am Ende in die Röhre schauen, die, die das Upgrade wollen, hätten es schwerer als sonst. „Vier, fünf Monate ohne Spiel, das ist für jeden Fußballer eine lange Zeit. Wieder zu dürfen, das ist jetzt nichts Normales“, freut sich Heinrich, der 2017 bei den Horchheimer Junioren anheuerte, mit dem kompletten A-Jugend-Stab dann in der Vorsaison übernahm. Sie wollten dem Team „ein neues Gesicht geben“, sagt er. „Dass das so schnell umgesetzt wird, ist gigantisch.“ Horchheim greift wieder an.

Im Südwesten der Nibelungenstadt taten die Verantwortlichen in den Monaten der Ungewissheit dabei alles, um jetzt nicht von bösen Überraschungen eingeholt zu werden. Oder der Form nachzurennen. Heinrichs Stab gab jedem individuelle Fitnesspläne mit, über Lauf-Challenges sahen die Coaches die Verfassung ihrer Kicker. Dann, ab dem 30. Juni, führte Heinrich seine zwei Phasen ein. „Wir haben angenommen, dass es in der zweiten, dritten Septemberwoche losgeht und wollten nichts überstürzen. Das Wohl aller steht ja über dem des Einzelnen“, betont er. Wofür er prompt den Lohn erntet. Nicht in Hektik ausbrechen zu müssen. Einen geregelten Fahrplan zu haben. So werden auch Wahrscheinlichkeiten minimiert. Solche zum Beispiel, wieder ein unglückliches, nicht zu ahnendes Ende wie im März zu erleben, als man wegen eines 1:1 den Gang in die Landesliga verpasste.



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