Der Co von Bo
Montag 11.01.21 11:47 Uhr|Autor: Torben Schröder 1.776
Gegen Eintracht Frankfurt gab Babak Keyhanfar sein Bundesligadebüt als Cotrainer an der Seite von Bo Svensson (links). Foto: Sascha Kopp

Der Co von Bo

Babak Keyhanfar schafft den Sprung in die Bundesliga +++ Der Weg des langjährigen Gonsenheimers zum FSV Mainz 05
Mit zwei Sätzen meldet er sich zurück: „Ich freue mich riesig, wieder in der Heimat zu sein. Es ist eine Herzensangelegenheit, unseren Verein in der Bundesliga mit zu vertreten.“ Babak Keyhanfar ist zurück in Mainz, er ist zurück bei 05, als Co-Trainer des neuen Cheftrainers Bo Svensson. Heimat, Herzensangelegenheit und „uns“ – vieles in diesen beiden Sätzen beschreibt den Rückkehrer sehr gut. Ein Blick auf den bisherigen Weg Keyhanfars in Mainz.


Vorigen Donnerstag erhielt Babak Keyhanfar die erste offizielle Gratulation. „Ich habe ihn angerufen und ihm seitens des Vereins die Glückwünsche ausgesprochen“, erzählt Joachim Mayer, Ehrenvorsitzender des SV Gonsenheim. Dass Bo Svensson „seinen“ Co-Trainer mitbringt, war zumindest am Wildpark allen klar. Keyhanfar, neun Jahre Spieler und Trainer beim SVG, arbeitet für einen Bundesligisten, nein, den Bundesligisten in Mainz. Stolzer könnte man kaum sein. Erst Peter Krawietz als Titel hamsternder Kloppo-Co, nun Keyhanfar, beide sind noch SVG-Mitglieder. „Wir sind der beste Co-Trainer-Lieferant der Welt“, grinst Klubchef Frank Specht.

Vor elf Jahren begann das Märchen

2009 begann das Märchen. „Das Wichtigste war, dass wir ihn damals überredet haben, von Bodenheim nach Gonsenheim zu wechseln“, sagt SVG-Betreuer Zeki Erarslan, „er war Landesliga-Torschützenkönig, wir wollten unbedingt in die Oberliga aufsteigen. Er war beim VfB in der Komfortzone.“ Erarslan riss seinen Freund gemeinsam mit dem damaligen Keeper und jetzigen SVG-Sportvorstand Marvin Bylsma aus selbiger.

Der doppelte Aufstieg klappte, bald trainierte der Stürmer auch die Gonsenheimer U 19. „Das war der Beginn seiner Karriere“, erinnert Specht, „sein emotionales Feuer, seine Zielorientierung, seinen Erfolgshunger haben wir sehr schnell gespürt. Was jetzt passiert, ist der kontinuierliche weitere Werdegang.“ Ein Werdegang mit weiteren Meilensteinen. Keyhanfar stieg mit der U 19 auf, schmiss Sandro Schwarz’ 05-U 19 aus dem Verbandspokal, zog in den DFB-Pokal ein, wurde Co- und Cheftrainer der Aktiven, hängte dafür die Stiefel an den Nagel – und sagte, mitten im Abstiegskampf, für die Saison 2018/19 zu.

Tränenreicher Abschied vom SV Gonsenheim

Dann kontaktierten ihn die 05er. Keyhanfar bat die Gonsenheimer Klubspitze, die ihm so früh das Vertrauen geschenkt hatte, zum Gespräch. „Das Gespräch vergessen wir beide ein Leben lang nicht“, blickt Mayer zurück. Die Tränen flossen. „Wenn ihr sagt, dass ich bleiben soll, bleibe ich“, war Keyhanfars Haltung. „Er steht zu seinem Wort, unerbittlich“, betont Mayer. „Und ich habe ihm gesagt: Du rufst sofort 05 an und machst mit denen den Vertrag. Wir sind die Allerletzten, die so eine Chance verbauen. Wir sind doch stolz auf dich.“ 

Bis zu diesem Wechsel war viel passiert. Keyhanfar hatte, über die Freundschaft mit den damaligen 05ern Yunus Malli und Nejmeddin Daghfous, Tuchfühlung zum Profisport aufgenommen. „Wir haben diverse Stadien abgeklappert und ohne Ende Youtube-Videos von Trainern geschaut“, erzählt Erarslan. Keyhanfar brachte sich selbst viel bei, knüpfte sein Netzwerk und lotste Rudi Baku an den Wildpark. Die 05er hatten den damals allzu lebhaften Ridle-Zwilling aussortiert, mit der Hoffnung auf Rückkehr.

Keyhanfar bringt Baku in die Spur - und schafft so den Sprung zu 05

„Unter Babak hat Rudi den größten Entwicklungsschritt gemacht“, erzählt Thomas Krücken, damals Junioren-Cheftrainer am Bruchweg, „er hat ihn viel bewusster und verbindlicher in seiner Einstellung zum Leistungssport gemacht. Sein Umgang mit jungen Spielern mit Ecken und Kanten, dass er sie packt, ihre Sprache spricht und dabei sehr authentisch ist, ist aus meiner Sicht seine größte Stärke.“ Als Svensson dann einen Co-Trainer für seine U 19 suchte, fiel Krückens Blick als erstes auf Keyhanfar. Der hatte zuvor bei Schwarz oder Kenan Kocak in Sandhausen hospitiert. Eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung begann.

Als Keyhanfar nun seinen neuerlichen Wechsel zum FSV bekannt gab, explodierten seine Social-Media-Accounts förmlich. Der regionale Amateurfußball jubelte im Kollektiv. Yunus Malli jubelt mit. „Ich freue mich für Babak sehr. Wer seinen Weg in den letzten Jahren verfolgt hat, wird schnell erkennen, dass er sich durch Ehrgeiz und Fleiß diese neue Herausforderung redlich verdient hat“, betont der Wolfsburg-Profi, „ein Meenzer Bub ist zurück am Bruchweg, Gratulation!“

SVG-Sportvorstand Bylsma: "Für uns alle ist Traum wahr geworden"

„Es gibt sogar Eintracht-Fans, die sich jetzt verpflichtet fühlen, auch 05-Sympathisanten zu sein“, lacht Erarslan. Die 05er erhalten einen loyalen, wissbegierigen Mitarbeiter – und Stallgeruch und Heimatverwurzelung obendrauf. „Babak ist es angeboren zu erkennen, wie er die unterschiedlichsten Gruppen und Einzelspieler packen muss und motivieren kann. Für uns alle ist ein kleiner Traum wahr geworden“, sagt Bylsma. „Sein Esprit, seine positive Energie ist unabhängig von der Ligazugehörigkeit“, betont Specht, „ich bin total überzeugt, dass er es packt.“

Die 05er erhalten einen wissbegierigen Mitarbeiter – und Stallgeruch und Heimatverwurzelung obendrauf. „Ich glaube, er hätte mich umgebracht, wenn ich ihn nicht mitgenommen hätte“, sagte Svensson bei seiner offiziellen Vorstellung und fügte hinzu: „Da gab es überhaupt keine Bedenken. Er bringt sehr viele unterstützende Fähigkeiten mit. Er hat auch lange selbst Erfahrung im Fußball, ist ein super loyaler Typ, der hart arbeitet, und sich total identifiziert mit dem Verein und der Stadt.“

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