
Es läuft wirklich nicht gut für den SV Erlenbach am Main. Mit nur 15 Punkten aus 19 Spielen hat die junge Truppe, die im Schnitt nur knapp älter als 20 Jahre ist, nur den vorletzten Platz inne. Auch in der Fairness-Wertung liegt der SVE mit sieben Gelb-Roten und fünf Roten Karten auf dem vorletzten Rang. Nach dem Abstieg aus der Bayernliga Nord über die Relegation gegen den 1. FC Sand gab es einen totalen Umbruch im Kader: “Wir hatten 16 Abgänge und am 10. Juni praktisch keinen Spieler und keinen Trainer", beschreibt Manager Hartmut Heinrich die Situation. Der selbständige IT-Diplom-Ingenieur musste dann binnen zwei Wochen eine neue Mannschaft auf die Beine stellen. "Die ist allerdings sehr jung und da fehlt die Erfahrung", beschreibt Heinrich. Das Trainergespann um Sebastian Göbel und seinem Assistenten Jens Mehrmann warf mit Beginn der Winterpause hin. Neu an der Seitenlinie ist Nico de Rinaldis (45), der nun die schwierige Aufgabe hat, den Klassenerhalt zu bewerkstelligen. Denn der SV Erlenbach, der 1970 aus den beiden Stadtvereinen Viktoria und Eintracht hervorgegangen ist, feierte am 23. März in der Frankenhalle sein 100-jähriges Gründungsfest.
Die Probleme beim SV Erlenbach am Main sind unverkennbar groß. In den letzten vier Jahren sind die Einnahmen durch Sponsoren deutlich zurückgegangen, auf nur noch ein Drittel geschrumpft. Das bedeutet, dass sich der Verein keine teuren Spieler leisten kann. Der SV Erlenbach, der eine Kooperation mit Viktoria Aschaffenburg pflegt, hatte gehofft, im Winter Personal aus der U19 der Viktoria zu bekommen, was leider nicht geklappt hat. Normalerweise nehmen die Erlenbacher immer U19-Kicker aus Aschaffenburg auf, die dort altersbedingt rauskommen. "Wir bräuchten eigentlich drei oder vier gestandene Spieler", weiß Heinrich. Aber die konnte der Verein nicht bekommen. Also versuchen sich die Unterfranken selbst zu helfen, begannen bereits am 14. Januar mit der Vorbereitung. Denn die ersten drei Spiele sind richtungweisend. Los geht`s mit dem Derby gegen den TuS Röllbach, gegen den Erlenbach vor dieser Saison in den vergangenen 40 Jahren nie verloren hat. Aber im Hinspiel gab es eine 0:3-Pleite, nun soll ein Sieg her. Es folgen die Partien beim Schlusslicht SC Aufkirchen und gegen den Drittletzten, den TuS Feuchtwangen. "Das sind für uns richtungweisende Spiele, in denen wir unbedingt punkten müssen", ist für Heinrich klar.
Im Winter gab es mit Niklas Scherg zu Viktoria Griesheim und Alpay Sevim zum Ligakonkurrenten Alemannia Haibach, die 2019 ebenfalls 100 Jahre alt werden, zwei Abgänge. Mit Nils Günther (20, Vatan Spor Aschaffenburg), Florent Popaj von Viktoria Kahl und Okan Yildiz (19) vom TSV Weckbach gab es drei blutjunge Neuzugänge. Heinrich hofft, dass Coach de Rinaldis das Ruder herumreißen kann: "Er ist ein super Mensch, sehr engagiert." Konditionell passt es, nun müssen nur noch die notwendigen Punkte her, um nicht im Jubiläumsjahr zum zweiten mal in Folge absteigen zu müssen. Denn die sportliche Abwärtsspirale dreht sich schon seit ein paar Jahren und der Trend ist deutlich. Denn wegen fehlender finanzieller Mittel befindet sich der SV Erlenbach in einem Teufelskreis. Dem zu entkommen geht nur, wenn die Jungen schnell lernen und mit dem Druck umgehen können. Denn sonst wird der 18. Mai 2019 mit der Auswärtspartie beim TSV Unterpleichfeld das vorerst letzte Landesliga-Spiel für den Traditionsklub sein. Doch dieses Horrorszenario kann noch abgewendet werden. "Wir haben es noch in der eigenen Hand, müssen aber gut aus den Startlöchern kommen. Es wird schwer, aber wir können es noch schaffen", übt sich Macher Heinrich in Zweckoptimismus.