„Ich liebe Fußball und Fenster“
Mittwoch 04.07.18 10:20 Uhr|Autor: Mirko Blahak 3.430

„Ich liebe Fußball und Fenster“

Mit einer neuen Satzung, einem Schuldenschnitt und einer veränderten Führungscrew mit Helmut Meeth an der Spitze plant Eintracht Trier den Neustart. Meeths Rechtsstreit mit Salmrohr ist beendet.

2 301 938 Euro – in diese Höhe war der Schuldenstand von Eintracht Trier zuletzt geschnellt. Eine Zahl, die das ganze Dilemma des Vereins deutlich macht. Ohne Moos nix los. Ein Damoklesschwert, das die Handlungsmöglichkeiten massiv einschränkt und keine Grundlage für eine Wende bietet.

Aufsichtsratsmitglied Alfons Jochem nahm bei der Jahreshauptversammlung des SVE eine schonungslose Beschreibung des Zustands vor, wie er sich zuletzt darstellte: „Der Verein ist wirtschaftlich chronisch krank und sportlich in der fünften Liga angekommen. Es herrscht Unfrieden zwischen Fans und Vereinsführung. Es herrschen Misstrauen und teilweise Respektlosigkeit. Dadurch gehen auf Dauer Vertrauen und Renommee verloren. Damit wird auf Dauer die Existenz aufs Spiel gesetzt.“

Um dem Tod von der Schippe zu springen, musste etwas passieren. Zum einen finanziell: Vorstandsmitglied Dieter Friedrich verkündete, dass Gläubiger auf eine Summe von knapp 1,6 Millionen Euro verzichten. Hinzu kommt eine Rang­rücktrittserklärung über eine Summe von knapp 580 000 Euro. Dieser Gläubiger erhält laut Friedrich von künftig erwirtschafteten Gewinnen des Vereins 30 Prozent. „Der Etat der kommenden Saison wird nicht mehr durch Rückzahlungen auf Alt-Verbindlichkeiten belastet“, sagte Jochem. Ein zentrales Argument für künftige neue Geldgeber.

Auch in der Vereinsarbeit muss die Eintracht neue Wege gehen, um verloren gegangenes Ansehen zurückzugewinnen. Zwei Schlagworte dafür: Geschlossenheit und Transparenz. Dafür hat sich der Verein mit großer Mehrheit eine neue Satzung verpasst. Zwei Kernpunkte: Eine künftig maximal fünfköpfige Führungsmannschaft mit klaren Aufgabengebieten und eine ganzjährige sportliche Leitung, um – wie es Jochem ausdrückte – „keine kurzfristigen unkoordinierten Verpflichtungen von Spielern, die nach einem Jahr weg sind“, tätigen zu müssen. Das Ziel: eine cleverere Transferpolitik als die (finanzkräftigere) Konkurrenz. Sie muss schon im Jugendbereich beginnen. Jochem: „Unser Anspruch muss sein, die Besten zu kriegen und zu entwickeln.“

Die neue Führungsmannschaft wurde von den 146 stimmberechtigten Mitgliedern mit einem klaren Ergebnis ins Amt gehoben. Neuer starker Mann ist der Ex-Boss des FSV Salmrohr, Helmut Meeth. Der Wittlicher Fenster- und Türenfabrikant steht als Präsident an der Spitze des vierköpfigen Vorstands, den zudem Roman Gottschalk (Vizepräsident, zuständig für die Jugend), Friedrich (Finanzen) und der mit großem Applaus bedachte Horst Brand (Sport) bilden. Das Quartett wurde bei nur einer Gegenstimme und sieben Enthaltungen gewählt.

„Von dem klaren Votum bin ich positiv überrascht. Ich denke, es wurde verstanden, dass unsere Truppe ein Ziel hat. Ich hoffe, die Mitglieder werden uns auch in den nächsten Monaten unterstützen“, sagte Meeth, der sich den Mitgliedern nur kurz vorgestellt hatte: „Mein Kontakt zur Eintracht besteht nicht erst seit einem Jahr. Ich bin sehr strukturiert. Ich liebe Fußball und Fenster. Ich kann versprechen: Wir werden die Dinge mit vollem Einsatz angehen. Wir haben eine super Truppe. Ihr könnt euch freuen.“

Meeth will Begeisterung entfachen und damit wieder mehr Zuschauer ins Moselstadion locken. Explizit formulierte während der Jahreshauptversammlung niemand das Ziel Aufstieg, doch zwischen den Zeilen war es herauszulesen.

Theo Thonet, der in den neuen achtköpfigen Beirat (ehemals Aufsichtsrat, siehe Eintracht-Ecke links) gewählt wurde, sagte: „Ich trete nicht an, um in der nächsten Saison Fünfter der Oberliga zu werden.“ Und Gottschalk meinte: „Ziel ist, möglichst schnell wieder höherklassig zu spielen.“ Meeth sagte fupa derweil nach der Versammlung, dass der Rechtsstreit mit dem FSV Salmrohr beendet sei: „Die Nichtzulassungsbeschwerde wurde abgelehnt. Die Summe muss bezahlt werden.“ Es geht um 150 000 Euro plus Zinsen, die Meeth über seine Firma dem FSV überweisen muss. Salmrohr hatte Gelder nachgefordert, die Meeth bei einer Mitgliederversammlung Anfang Januar 2014 in Aussicht gestellt, aber danach nicht überwiesen hatte. Christian Rauen, zweiter Vorsitzender des FSV, bestätigte fupa, dass die Sache erledigt sei: „Ich denke, dass wir in den nächsten Tagen das Geld bekommen werden.“

Kommentar

Ein großer Vertrauensvorschuss

Ein Anfang ist gemacht. Jetzt wird sich im Alltag zeigen, wie stabil und windresistent das neue Eintracht-Gebilde ist. Das A und O ist dabei der markante Schuldenschnitt, mit dem der SVE überhaupt erst die Chance auf einen Wandel bekommt.

Die neue Führungsmannschaft hat einen großen Vertrauensvorschuss bekommen. Helmut Meeth, der neue Präsident, ist noch nicht aus der Deckung gekommen. Eher zurückhaltend hat er bei der Mitgliederversammlung seinen Hut in den Ring geworfen. Dabei ist er ein Macher-Typ – einer, der Feuer entfacht, auch verbal zur Attacke bläst und dabei eine hohe Schlagzahl an den Tag legt. Es wird spannend sein zu beobachten, wie diese Markenzeichen mit dem notwendigen Team-Play in Einklang gebracht werden können.

In den Diskussionen bei der Versammlung sind anders als in der Vergangenheit Respektlosigkeiten ausgeblieben – das ist ein Fortschritt. Gleichwohl bleibt die Mitgliederschaft der Eintracht heterogen. Hier die mitunter aufbrausende aktive Fanszene samt Ultras. Dort die gediegenere Fraktion mit weitgehend älteren Semestern.

Dies wurde unter anderem bei der Debatte über den Antrag zur Aufnahme eines Paragrafen für den Fall einer möglichen Ausgliederung deutlich. Beiratsmitglied Alfons Jochem bekam die Kurve, indem er einen Kompromissvorschlag machte – bis zur nächsten Versammlung soll das Thema in einer Arbeitsgruppe in allen Facetten beleuchtet werden.

Genau darauf wird es auch in Zukunft ankommen: Wünsche, Vorschläge und Sorgen der Mitglieder anhören, Debatten auf einer Sachebene moderieren. Denn wie heißt es so schön: Oftmals macht der Ton die Musik.

Mirko Blahak

Eintracht-Ecke

Im neuen Beirat, der den bisherigen Aufsichtsrat ersetzt, gibt es vier neue Gesichter: Theo Thonet (Geschäftsführer der Frisör Thonet GmbH), Christoph Schnorpfeil (Geschäftsführer des gleichnamigen Bauunternehmens), Georg Schmidt (Präsident des Verwaltungsgerichts Trier) und Frank König (Provinzial Konz). Komplettiert wird das achtköpfige Gremium durch die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder Alfons Jochem, Simone Schuler, Ernst Wilhelmi und Frank Natus. Gewählt wurde das Gremium en bloc – ohne Gegenstimme und bei 28 Enthaltungen. Den Fanbeirat bilden wie bisher Eva Schneider, Christophe Acloque und Patrick Mohr.

Am Ende der Saison 2016/17 stand nicht nur der Abstieg in die Oberliga, sondern auch ein fettes Minus in Höhe von 476 644 Euro – und das trotz erwirtschafteter Einnahmen durch das DFB-Pokal-Spiel gegen Borussia Dortmund von 250 000 Euro. Ins Kontor schlugen unter anderem Spielernachverpflichtungen, der Trainerwechsel und die Reparatur der Videowall (69 000 Euro).

Für die neue Saison plant der SVE mit einem kleinen Plus in Höhe von rund 2000 Euro (inklusive Jugend). Die Einnahmen und Ausgaben bewegen sich jeweils in Höhe von knapp 840 000 Euro ohne den Jugendbereich. Kalkuliert wird mit 800 Zuschauern pro Heimspiel. Im Nachwuchs sind Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 173 000 Euro beziehungsweise 171 900 Euro angesetzt.

Notiz am Rande: Für den Wechsel von Rudi Thömmes zur SV Elversberg kassiert die Eintracht 9500 Euro.

Nach längerer Diskussion wurde ein Antrag der Arbeitsgruppe Mitgliederbetreuung zur neuen Staffelung der Mitgliedsbeiträge gegen Stimmen aus dem Vorstand und Beirat angenommen. Kernpunkt: Die Mitgliedschaft im SVE wird günstiger – für Erwachsene werden beispielsweise statt bislang 100 Euro künftig 86 Euro pro Jahr fällig. Der Verein rechnet bei derzeit rund 750 Mitgliedern mit Mindereinnahmen von rund 6000 Euro. Die Antragsteller verweisen jedoch darauf, dass Neumitglieder gewonnen werden können, dank derer der Verlust dann aufgefangen würde. Ebenfalls angenommen: Künftig muss die ordentliche Mitgliederversammlung jährlich immer bis spätestens 15. April über die Bühne gehen. 



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Tabelle
1. FC Homburg (Ab) 3692 96
2. Pirmasens (Ab) 3666 79
3. FC K´lautern II (Ab) 3660 77
4. Eintr. Trier (Ab) 3629 71
5. Diefflen 3620 63
6. Jägersburg 368 55
7. RW Koblenz 366 52
8. Wiesbach 36-10 48
9. Mechtersheim 36-15 47
10. FC Karbach 36-10 44
11. Idar-Oberst. (Auf) 36-4 43
12. Pfeddersheim 36-18 43
13. FV Engers (Auf) 36-22 42
14. FV Dudenhof. (Auf) 36-31 40
15. Gonsenheim 36-11 39
16. Morlautern 36-33 30
17. FSV Salmrohr 36-39 28
18. SV Saar 05 36-38 27
19. Eppelborn (Auf) 36-50 24
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