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Pokalschreck: Salzwedel schlägt Lok Stendal

Serie "Sternstunden der Altmark West": Eintracht Salzwedel eliminierte 2015 drei höherklassige Teams im Landespokal

von Marco Heide · 01.04.2020, 08:03 Uhr · 0 Leser
– Foto: Florian Schmidt
Der SV Eintracht Salzwedel versucht seit Jahren von der Landesklasse in die Landesliga aufzusteigen und scheitert mal mehr und mal weniger knapp an diesem Ziel. Dass es die Spieler mit höherklassigen Teams aufnehmen können, stellten sie 2015 unter Beweis, als der Landesklassist eine Landesliga-Mannschschaft und zwei Verbandsliga-Teams aus dem Landespokal warf - darunter den Erzrivalen 1. FC Lok Stendal.

Der SV Eintracht Salzwedel ist der größte Sportverein im Altmarkkreis und zählt zu den besten Fußballclubs in der Altmark. Allerdings ging es für den SVE seit 2004 im Herrenbereich Stück für Stück von der Verbandsliga in Landesklasse bergab. Doch seit 2013 der Abstieg in die Kreisoberliga gerade so verhindert werden konnte, stellten sich die guten Ergebnisse wieder ein und sollen perspektivisch in den Aufstieg in die Landesliga münden. 2014 und 2015 feierten die Salzwedeler mit den Kreispokalsiegen die jüngsten Erfolge in der Vereinsgeschichte und erlebten 2015 eine „Sternstunde des Sports“ im Landespokal.

Viele Spieler der heutigen Truppe standen bereits vor knapp fünf Jahren auf dem Platz, als der Landesklassist ein Landesliga-Team und zwei Verbandsliga-Mannschaften aus dem Wettbewerb schoss. In der ersten Runde des FSA-Pokals fertigte der SVE die TSG Calbe (Landesliga) problemlos 6:0 ab. Treffer besorgten Marcel Peters (2), Gregor Roth, Philip Müller, Hannes Schreiber und Mario Schulz. Mit Verbandsligist Haldensleber SC erhöhte sich der Schwierigkeitsgrad ein wenig. Nach einer 2:0-Führung durch Gregor Roth und Mario Schulz in der ersten Hälfte glich der HSC nach der Pause bis zur 69. Minute aus. Kurz vor Schluss stellte Dennis Röhl, der auf dem Feld zum Einsatz kam, unter Beweis, dass er einer der torgefährlichsten Keeper der Altmark ist. Mit einem Doppelpack (83./86.) schickte Röhl die Haldensleber auf die Heimreise.

Das Achtelfinale bescherte dem SV Eintracht dann das heißeste Derby, das der altmärkische Fußball zu bieten hat. Am 14. November empfingen die Salzwedeler den damaligen Verbandsligisten 1. FC Lok Stendal auf der Flora. Knapp 650 Zuschauer strömten bei kühlem Herbstwetter zu der Begegnung. Einige Eintracht-Anhänger trafen sich auf dem Rathausturmplatz und zogen mit einem Fanmarsch zur Spielstätte.

„Das Spiel damals war für uns ein besonderes, da es das Derby der beiden Kreisstädte war und Stendal halt auch ein paar Ligen über uns spielt. Wir haben auch daran geglaubt, Stendal schlagen zu können, wussten aber auch, dass wir dafür alles geben und vor allem bis zum Schluss kämpfen müssen“, erzählt der damalige Salzwedeler Kapitän Gregor Roth. „Ich habe in dem Spiel als Linksverteidiger spielen müssen, was nicht meine Lieblingsposition war und ist. Aber das kann man sich nun mal nicht aussuchen, da der Trainer entscheidet. Trotzdem war ich sehr motiviert und habe wie das gesamte Team mit vollem Einsatz gespielt. Da sehr viele Fans auf der Flora waren, waren wir natürlich noch zusätzlich motiviert und ich glaube auch deshalb ließen die Kräfte auch in der Verlängerung kaum nach, was uns am Ende dann den Sieg gebracht hat“, erinnert sich Roth.

– Foto: Florian Schmidt

17 Anzeigen wegen Landfriedensbruchs

Zwischen beiden Fanlagern herrschte während des Spiels eine hitzige Stimmung. Sowohl Salzwedeler als auch Stendaler sorgten am Spielfeldrand mit Pyrotechnik für Stimmung. Am Ende wurden hauptsächlich gegen Fans des 1. FC Lok Stendal 21 Platzverweise ausgesprochen und 17 Anzeigen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz von der Polizei geschrieben. Die Eintracht musste wegen der Vorkommnisse 500 Euro Strafe zahlen.

Aber zurück zum Geschehen auf dem Platz: „Stendal hatte sicherlich etwas mehr vom Spiel aber wir konnten auch immer wieder Gefahr erzeugen und Nadelstiche setzen. Zwei von diesen Nadelstichen haben zu Strafstößen für uns geführt“, berichtet Gregor Roth. „Den ersten habe ich geschossen. Ich dachte‚ mach’ jetzt einfach rein und dann ist’s gut. Aber da hatte ich meine Nerven wohl nicht so gut unter Kontrolle und habe den Strafstoß ganz schlecht geschossen“, räumt Roth ein. „Meine Mitspieler haben mich sofort aufgebaut und Philip Müller hat sofort gesagt: ,mach’ dir keine Sorgen, ich mach’ heute noch ’ne Bude‘“, erzählt Gregor Roth.

Philip Müller mit dem Tor des Tages

Der damals 19-jährige Philip Müller hielt Wort. In der 101. Minute jagte er dem etwas unaufmerksamen Franz Erdmann den Ball ab, marschierte frei auf Stendals Torwart Bryan Giebichenstein zu und schob überlegt zum 1:0 für den SVE ein. Die Stimmung explodierte - nicht nur auf Salzwedeler Seite. Denn Jungspund Müller verwandelte die Chance nicht nur eiskalt, er bezog die Stendaler auch in seinen Torjubel mit ein und fuhr sich mit der Hand vor dem Gästeblock lässig durchs Haar.

Lok warf nun alles nach vorn und Salzwedel kam weiter zu Chancen. Dennis Röhl hätte mit dem zweiten Elfmeter – Müller wurde nach starkem Solo von Johannes Mahrhold gelegt – durchaus alles klar machen können, doch Bryan Giebichenstein parierte auch den zweiten Salzwedeler Strafstoß (107.). Somit blieb es spannend. Da aber Philipp Groß (108.) und Johannes Mahrhold (113.) am starken, gar herausragenden Salzwedeler Schlussmann Dean Kamith scheiterten, zog Eintracht Salzwedel in das Viertelfinale des Landespokals ein. „Die Stimmung nach unserem Tor war natürlich überwältigend und als es nach dem Abpfiff kein Halten mehr gab, haben wir langsam realisiert, was uns gerade gelungen ist und haben anschließend noch ordentlich mit den Fans gefeiert. Der Tag war schon echt cool“, schwelgt Gregor Roth in Erinnerungen. Einer, der bei diesem Spiel genau zwischen beiden Lagern in seinem Anzeigenhäuschen stand, war Stadionsprecher Marc Wiedemann. „Das Spiel war natürlich ein absoluter Wahnsinn. Während des Spiels war die Stimmung gefühlt sehr aufgeladen, was zum einen ganz sicher an der Brisanz des Derbys und zum anderen am engen Spielstand lag. Als Philip Müller dann sogar das 1:0 erzielte, war das Gefühl einfach überragend“, erzählt Wiedemann.

Die Daten der Partie auf einen Blick: (hier klicken)

Das Pokalmärchen endete für die Salzwedeler mit einem Fußballfest im Viertelfinale. Knapp 1000 Zuschauer sahen das Spiel gegen Oberligist FSV Barleben. Der SVE konnte das Spiel lange offen halten. Erst kurz vor Schluss machten die Rand-Magdeburger den Sack mit einem Doppelpack zu und beendeten vorerst die Salzwedeler Pokalgeschichte. Denn das war der bis heute letzte Eintracht-Auftritt auf dieser Bühne.