Sepp Fischl und der fußballerische Ausnahmezustand in Aicha
Freitag 31.07.20 15:15 Uhr|Autor: Thomas Seidl 2.374
Beim SV Aicha v. W. feierte Sepp Fischl seine größten Erfolge Foto: Michael Wagner

Sepp Fischl und der fußballerische Ausnahmezustand in Aicha

Trainer, die man kennt (45): Der frühere Landesliga-Coach führte den SVA in die Bezirksoberllga und holte mit den Ohetalern zweimal die Niederbayerische Hallenmeisterschaft
Die Corona-Pandemie hat den Spielbetrieb im Amateurfußball aus den Fugen gehoben. FuPa nutzt die spielfreie Zeit, um einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach der erfolgreichen Portrait-Serie über ehemalige Spielergrößen des niederbayerischen Fußballs nehmen wir nun bekannte Übungsleiter unter die Lupe. Im 46. Teil: Sepp Fischl, der unter anderem den FC Vilshofen und den SV Schalding-Heining in der Landesliga betreute und im Diensten des SV Aicha vorm Wald eine äußerst erfolgreiche Ära prägte.


Schönste Saison Deiner Trainer-Laufbahn? 

Das waren die Aufstiege in die Bezirksoberliga mit dem FC Otterskirchen als Meister der Bezirksliga Ost in der Saison 1989/1990 sowie acht Jahre später mit dem SV Aicha vorm Wald, mit dem wir es als Vize-Meister über die Relegation packten. 


Welcher Spieler, hat Dich in deiner Zeit als Übungsleiter besonders beeindruckt? 

Mich haben Spieler besonders beeindruckt, wenn sie neben besonderen fußballerischen Fähigkeiten auch hinsichtlich Einstellung, Laufbereitschaft und Loyalität alles für den Erfolg gegeben haben. Zum Glück habe ich etliche Spieler mit diesen Qualitäten trainieren dürfen. Deshalb möchte ich mich nicht auf einen einzelnen Spieler festlegen. 

Bei welchem Verein hattest Du Deine schönste Zeit? 

Das war die Zeit von 1996 bis 2000 beim SV Aicha vorm Wald. Wie damals Spieler, Vorstand- und Anhängerschaft zusammengewirkt haben, kann man nur schwer beschreiben. Wir sind in die Bezirksoberliga aufgestiegen und haben zweimal die niederbayerische Hallenmeisterschaft gewonnen. Aicha war damals im fußballerischen Ausnahmezustand. 

Mit welchem Abteilungsleiter/Manager hast Du besonders gerne zusammengearbeitet? 

In den vier Jahren in Aicha habe ich mit Vorstand Josef Klessinger und Abteilungsleiter Günther Neulinger sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Es sind tiefe Freundschaften entstanden. Leider ist Günther vor ein paar Wochen völlig überraschend verstorben. 

Welcher Trainer hat Dich in Deiner aktiven Zeit besonders geprägt?

Das war beim FC Vilshofen mein damaliger A-Jugendtrainer Egon Zillinger. Er hat uns zur Meisterschaft in der Bayernliga Süd geführt, wir ließen unter anderem Mannschaften wie Bayern und 1860 München sowie den FC Augsburg hinter uns. Im Endspiel um die Bayerische A-Junioren-Meisterschaft gegen den 1. FC Nürnberg, der amtierender Deutscher Meister war, haben wir dann unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung verloren. Egon hat uns Spieler mit dem unvergessenen Jugendleiter Franz Eiler nicht nur sportlich, sondern auch menschlich und charakterlich besonders geprägt.  

Hast du irgendetwas in Deiner Laufbahn bereut? 

Das Traineramt war spätestens ab der "alten" Landesliga nur mehr sehr schwer mit meiner beruflichen Tätigkeit vereinbar. In diesem Wissen und aufgrund so mancher Informationen hätte ich mir wohl besser das Engagement beim damals chaotischen SV Schalding-Heining ersparen sollen. 

Gibt es ein Spiel, das Du nie vergessen wirst? 

Eine unvergessene Partie war im Mai 1998 das Relegationsspiel zur Bezirksoberliga gegen den TSV Ergoldsbach. Kurz vor Saisonende waren wir noch sehr enttäuscht, weil wir die Meisterschaft leichtfertig aus der Hand gegeben hatten. Schon ein Jahr zuvor waren wir in der Relegation am FC Künzing gescheitert. Dieses Mal ließ meine Mannschaft aber keine Zweifel aufkommen und fegte den Gegner mit 4:0 vom Platz. Jeder einzelne Spieler hat an diesem Tag am Limit gespielt. 

Früher war im Fußball alles besser - wie denkst Du über diese heutzutage gerne aufgestellte Behauptung? 

Ob der Fußball früher besser war, kann und will ich nicht beurteilen. In jedem Fall hatte er eine deutlich höhere Wertschätzung und Bedeutung. Mit Wehmut denke ich an so manches Niederbayern-Derby in der Bayern- und Landesliga zurück, bei denen ein paar tausend Zuschauer keine Seltenheit waren. 

Welche Art der Mannschaftsführung hast Du favorisiert? 

Bei meinen meisten Trainer-Stationen spielte der finanzielle Aspekt für die Spieler keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Spieler kamen nach harten Arbeitstagen ins Training und waren auch nicht selten schlecht gelaunt. Als Trainer kann man dann nicht den Zampano spielen und die Sau rauslassen. Ich habe immer versucht, auf die Spieler einzugehen und Verständnis zu zeigen. Nur so kann man eine Mannschaft mitnehmen und eine Basis für Erfolge schaffen. Mein Bestreben war es immer - unter Einhaltung der nötigen Distanz und von gegenseitigem Respekt - ein guter Freund der Spieler zu sein. 

Wie hat Dich ein Spieler auf die Palme bringen können? 

Oftmals gab es Phasen, in denen die Personalsituation aus den verschiedensten Gründen angespannt hat. Wenn ein Spieler dann den Eindruck erweckt hat, das schamlos ausnutzen zu können, weil ich als Trainer keine personellen Alternativen hatte, bin ich explodiert. 

Gibt es im Profibereich einen Trainer, den Du richtig gut findest? 

Christian Streich. Was der SC Freiburg und dieser Trainer leisten, fasziniert mich. Außerdem sagt meine Frau immer: "Der ist auf dem Fußballplatz genau so verrückt, wie du es früher warst." (lacht)

Größte Enttäuschung Deiner Karriere?

Mit einigen Jahren Abstand stellt sich diese Frage nicht. Wenn ich zurückblicke überwiegen die schönen Zeiten und Erfolge. Je älter man wird, umso wertvoller werden die Erinnerungen. Ich bin sehr dankbar für alles, was mir der Fußball gegeben hat. 

Was hältst Du von dem Trend, dass immer mehr Vereine auf sehr junge Spielertrainer setzen?   

Ich bin im Alter von 30 Jahren nach vielen Jahren als Spieler in der Bayern- und Landesliga als Spielertrainer eingestiegen. Die Aufgabe ist extrem anspruchsvoll, daher geht das ohne umfassende Erfahrung als Aktiver nicht. Die eigene Leistung muss stimmen, gleichzeitig soll man das Spiel lesen können und während des Spiels die richtigen Entscheidungen treffen. Ich bin der Meinung, dass so mancher Verein ein anderes Ziel verfolgt. Es soll ein guter Spieler mehr gewonnen werden, für den dann die Kosten für einen "normalen" Trainer gespart werden können. Zwei Fliegen sollen also mit einer Klappe geschlagen werden. Ich selbst halte von diesem Weg nicht viel, da in den meisten Fällen der Schuss nach hinten losgeht. 

 

Zur Person: 

Sepp Fischl startete seine Trainer-Laufbahn 1987 beim SV Garham als spielender Chefanweiser. Einen großen Erfolg feierte Fischl bei seiner zweiten Station: Den FC Otterskirchen führte der Ex-Bayernligakicker nämlich 1990 in die Bezirksoberliga. Nach einem Landesliga-Intermezzo beim FC Vilshofen und einem Bezirksoberliga-Gastspiel beim FC Ruderting kam Fischl 1996 zum SV Aicha vorm Wald, bei dem er vier Jahre blieb und in dieser Zeit den Aufstieg in die Bezirksoberliga schaffte. Nach dem Missverständnis beim Landesligisten SV Schalding-Heining kehrte Fischl noch zweimal auf die Trainerbank des SV Aicha zurück und beendete schließlich vor knapp neun Jahren seine Übungsleiter-Karriere. 


Tabelle
1. Schwanenk. 1435 40
2. Hofkirchen 1421 30
3. Otterskirch. 1319 24
4. Rmannsdorf 141 24
5. Außernzell 144 22
6. SG Nammering 14-12 20
7. Aicha 145 20
8. Grattersdorf 143 20
9. Fürstenstein 143 17
10. SG ASV Loh 14-22 11
11. SG Thannberg II 14-20 10
12. SG Garham II 13-37 4
Wertung gemäß Direkter Vergleich
Direkter Vergleich bei Punktgleichheit.
ausführliche Tabelle anzeigen

FuPa Hilfebereich