
Die Kickers dominieren das Stuttgarter Duell gegen den VfB II lange Zeit, am Ende jubeln die Roten nach dem 2:1 – die Blauen stürzen ins Mittelfeld, und Trainer Horst Steffen ist ein wenig ratlos. Wir haben die Bilder zum Spiel und die PK im Video.
Alle auf Benjamin Uphoff. Die Spieler des VfB Stuttgart II wussten nach dem Schlusspfiff, bei wem sie sich für die drei Punkte im Derby gegen die Stuttgarter Kickers zu bedanken hatten. Der VfB-Keeper hatte den Roten mit einer Handvoll glänzender Paraden den 2:1(0:0)-Erfolg über die Blauen garantiert. „Unser Torwart hat uns heute den Arsch gerettet“, sagte VfB-Torjäger Marco Grüttner, der nach der Kickers-Führung durch Edisson Jordanov (47.) den Ausgleich (67.) erzielt hatte. Joker Daniele Gabriele sorgte mit dem 2:1 (80.) für die dritte Partie in Folge ohne Niederlage.
Der schmerzende Stachel sitzt tief
Auf der anderen Seite herrschte das Kontrastprogramm, die Kickers-Profis schlichen wortlos in die Kabine – zu sehr schmerzte der Stachel der unnötigen Niederlage gegen den Stadt-Rivalen; zu sehr nagte die Negativserie von nun fünf sieglosen Spielen hintereinander. Lediglich die Außenverteidiger Fabian Baumgärtel und Fabio Leutenecker wagten sich vor die Reporter. „Wir haben gerade die Scheiße am Fuß“, stöhnte Baumgärtel, „wir haben so viele Chancen und machen die Tore nicht, dann kassieren wir so leichte Gegentreffer.“ Der unermüdliche Kilometersammler Leutenecker meinte nur: „Eine unnötige Niederlage, wir waren vor allem vor der Pause so überlegen, machen aber unsere Möglichkeiten nicht rein.“
Die Kickers hatten das unsägliche 0:4 gegen die SGS Großaspach verarbeitet, sie boten vor 2575 Zuschauern im Gazistadion wieder ihren feinen Kombinationsfußball und erspielten sich gute bis exzellente Chancen – nur eben stand jener Uphoff beim VfB zwischen den Pfosten. Markus Mendlers Schuss kratzte der Tormann aus dem Winkel (20.), Mendlers Flachschuss parierte der 22-Jährige aus kurzer Distanz (35.), bei Erich Berkos Kopfball aus nur fünf Metern riss der Keeper blitzschnell die Hände hoch (37.), auch bei Sandrino Brauns Schuss aus 16 Metern war Uphoff auf dem Posten (77.), und in der Nachspielzeit rettete er den Dreier, indem er Baumgärtels Kopfball aus kurzer Distanz über die Latte lenkte. Diese Aufzählung enthält nur die absolut besten Kickers-Gelegenheiten. „So viele Chancen hatten wir in einem Spiel noch nie“, stellte Kickers-Sportdirektor Michael Zeyer fest, „uns fehlte heute das Glück, und wir hätten vor den Gegentreffern besser verteidigen können.“
Kramny sieht glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg zum Geburtsag
Der VfB stürzte die Kickers ins graue Mittelfeld – auf Platz elf stehen die Blauen, die den Aufstieg im Blick hatten. Aber wie gegen Wehen (3:3), Dresden (1:2) und Münster (2:4) belohnten sie sich nicht für ihre Mühen. „Es sah in Hälfte eins nicht so aus, als könnten wir verlieren“, meinte Kickers-Trainer Horst Steffen, „spielerisch haben wir nicht enttäuscht.“ Aber vor den Toren – vorn wie hinten. Beim 1:1 durch Grüttner brachte die Abwehr nach einer Ecke den Ball nicht weg, vor dem 1:2 tankte sich Gabriele durch den Strafraum, bevor er schoss und der Schuss noch abgefälscht wurde – die Abwehr bleibt die Achillesferse der Kickers. „Uns fehlte vor den Gegentoren die Entschlossenheit“, gab Baumgärtel zu. VfB-Trainer Jürgen Kramny freute sich am 44. Geburtstag über den Dreier: „Es war ein glücklicher Sieg, aber kein unverdienter.“ Trotz der fünften Partie ohne Sieg wollten weder Steffen noch Zeyer was von einer Krise hören. „Wir haben nicht viel falsch gemacht, wir arbeiten uns wieder hoch“, sagte Zeyer, und Steffen betonte: „Mit dieser Leistung werden wir bald ein Spiel gewinnen.“ Der gegnerische Torhüter heißt ja nicht immer Benjamin Uphoff.