„Wir werden nie mit fremdem Geld spielen“
Donnerstag 13.12.18 09:51 Uhr|Autor: Münchner Merkur (Süd) / Andreas Werner883
„Die Spieler sehen, wie wir uns um eine sinnvolle Entwicklung kümmern." F: Leifer

„Wir werden nie mit fremdem Geld spielen“

Schwabl vor Jahreshauptversammlung
Manfred Schwabl über das Miteinander bei der SpVgg Unterhaching, Herzblut und den Mangel an Rückendeckung für Uli Hoeneß


Unterhaching – Heute steht ab 19 Uhr die Jahreshauptversammlung der SpVgg Unterhaching an. Im Interview analysiert Präsident Manfred Schwabl die Entwicklung und Ziele, die er sich im Fall einer Wiederwahl setzt.

Herr Schwabl, vor exakt einem Jahr lautete die erste Interview-Frage, ob 2017 das beste Jahr Ihrer Amtszeit war. Sie sagten Ja. Lief 2018 noch besser?

Der Aufstieg 2017 war die Basis. Schwer zu toppen. Wenn du unten nicht rauskommst, bist du verloren. Jetzt kommen die nächsten einschneidenden Erlebnisse, auf die wir uns freuen können. 2018 war sicher eine Fortführung von 2017, die uns alle stolz machen kann. Der Verein hat sich schon weiterentwickelt.

Was sind die nächsten Schritte im Jahr 2019?

Die Ausgliederung der Profiabteilung, über die wir jetzt auf der Jahreshauptversammlung final abstimmen werden, ist ein weiterer wichtiger Baustein. Ich stehe weiter dazu, dass wir ohne diese Maßnahme über kurz oder lang nur noch Breitensport machen können – was auch einen enorm wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft hat, aber halt eine ganz andere Geschichte als Leistungssport ist. Wollen wir unseren Weg beibehalten, müssen wir weiter an den Strukturen arbeiten. Ich muss auch einmal deutlich sagen: Hut ab vor unseren Mitgliedern! Wir haben das Thema Ausgliederung ganz offen vorbereitet, und alle ziehen mit. Wir können auch mal stolz sein, dass in unserem Verein so viel Miteinander entstanden ist.

Neben der Ausgliederung ist das Stadion-Thema elementar. Wie geht es in der Frage weiter?

Wir haben auf Eigeninitiative die Gegentribüne saniert. Das war der erste notwendige Schritt. Wir werden uns Anfang 2019 mit der Gemeinde zusammensetzen, und ich bin optimistisch, dass wir eine Lösung finden, mit der alle langfristig leben können.

Als Sie sich 2016 erstmals zur Wiederwahl stellten, lautete Ihre Kernfrage: Quo vadis, Haching? Wie fällt die Antwort aus – und was ist heute die Frage?

Mit dem, was sich sportlich und in der Infrastruktur entwickelt hat, können wir alle sehr zufrieden sein. Jetzt sind wir dabei, die Grundlagen zu schaffen, dass der Club noch jahrelang solide dasteht. Das ist nach wie vor eine Mammutaufgabe. Aber eine, die Spaß macht. Und es entwickelt sich zum Positiven, da geht einem das Herz auf. In der Nachwuchsarbeit, unserer Kernkompetenz, haben wir zum Beispiel kaum mehr Fluktuation. Davon leben wir – sportlich wie wirtschaftlich.

Im Sommer war der Verkauf des Talents Karim Adeyemi für gut drei Millionen Euro nach Salzburg ein Ausrufezeichen, wie sich die Hachinger Jugendarbeit bezahlt macht.

Und das für beide Seiten. Dem Verein tut so ein Transfer, der der bisher höchstdotierte in dieser Altersklasse im deutschen Fußball war, enorm gut. Aber auch die Spieler sehen, wie wir uns um eine sinnvolle Entwicklung kümmern – sogar über den Abschieds hinaus. Ich sage Karim heute noch, dass er bitteschön nie abheben soll. Gucci-Tascherl oder gefärbte Haare? Da setze ich mich ins Auto und fahr nach Salzburg! Aber Karim macht mir keine Sorgen. Im Gegenteil. Ich höre stets, was für einen charakterlich starken Burschen wir da ausgebildet haben. So ein Lob fällt auf unsere gesamte Arbeit im Verein zurück.

Trotz allem wird die Ausgliederung auch gemacht, um einen strategischen Partner zu suchen.

Ja, das haben wir immer ehrlich kommuniziert. Es gibt oft die Sorge, dass man sich einem Investor verschreibt, der die Kultur eines Vereins auf den Kopf stellt. Aber unser Weg wird nie in Frage stehen. Es ist ja auch so, dass sich meine Familie finanziell beteiligt hat – das muss man nicht in den Vordergrund rücken, sollte aber ein Zeichen sein, dass ich mich für Kontinuität im Verein einsetze. Mir liegt es sehr am Herzen, dass etwas entsteht. Bei uns wird es nie so sein, dass wir mit fremdem Geld spielen – und dann der Verein irgendwann allein dasteht, wenn uns ein Investor plötzlich das Spielgeld wegnimmt. Wir wollen nachhaltige Stabilität.

Wie steht es um die Bilanzen 2019?

Wenn kein außergewöhnlicher Ertrag dazukommt, werden wir wie jedes Jahr rund 1,5 Millionen Euro Verlust machen – außer heuer, wegen des Adeyemi-Verkaufs. Aber aufgeben kommt nicht in Frage. Wir kämpfen so lange, bis wir in der Zweiten Liga sind. Oder ein Investor einsteigt und die Dritte Liga endlich vernünftig zu finanzieren ist. Das ist ja ein Problem, das nicht nur uns betrifft.

In den letzten Wochen haben Sie sich da als Sprecher der Liga etabliert.

Ich mache den Mund auf, wenn mir etwas ungerecht erscheint. Ich stehe da jetzt vielleicht in der ersten Reihe, weil ich früher Profi war und kein reiner Angestellter bin, sondern Herzblut und auch Geld beisteuere. Die Dritte Liga wurde gegründet, um den deutschen Nachwuchs auf Niveau auszubilden. Nach genau zehn Jahren hat mit Erfurt das letzte Gründungsmitglied Insolvenz angemeldet. Von den einstigen Vorsätzen ist nicht mehr viel übrig. Wenn 20 Vereine eine Minute nicht spielen, muss man erkennen, dass die Wunde in der Dritten Liga immer größer wird. Da muss sich nicht nur der DFB, sondern der ganze deutsche Fußball hinterfragen. Es deutet sich ja bereits an, dass wir international den Anschluss verlieren.

Sie sind da ein sehr streitbarer Präsident und gewohnt, Gegenwind zu bekommen. Wie sehen Sie die Stimmungslage um Uli Hoeneß? Ihren Kollegen bezeichnen Sie als Vorbild.

Dazu stehe ich weiter. In so einer Position ist es wie beim Lokführer: Der gibt Tempo und Richtung vor, und hält er den Kopf vorn raus, trifft ihn der Gegenwind als Ersten. Mitglieder dürfen sagen, sobald ihnen etwas gegen den Strich geht. Aber in diesem Fall tut man ihm Unrecht. Ich wundere mich, dass Uli aus den eigenen Reihen keine Rückendeckung bekommt. Will man jetzt ernsthaft 40 Jahre in Frage stellen? Fakt ist, dass er den Verein groß gemacht hat und seine Leute bis heute bis aufs Blut verteidigt. Teils sogar über Gebühr. Ich will den Menschen auf der Welt sehen, der nie einen Fehler gemacht hat. Meist schreien die am lautesten, die selber die meisten Fehler machen. Wir reden hier über einen, der sich Zeit seines Lebens ausgezeichnet hat, stets alles für seinen Verein und dessen Fans zu geben. Hoeneß steht für sportliche, wirtschaftliche, soziale und menschliche Werte. In einer Form, wie wir es im deutschen Fußball nicht noch einmal sehen. Mir wird er gerade ein bisschen zu sehr allein gelassen. Das hat er nicht verdient. Man muss auch hinter den Kulissen als Team auftreten.

Was wünschen Sie sich zu Weihnachten – und für die Zukunft Ihres Clubs?

Dass wir weiter zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Es macht viel Spaß, und ich sehe, dass wir unsere Ziele erreichen können. In den nächsten drei Jahren müssen wir in die Zweite Liga. Den Wunsch erfüllt uns kein Christkindl. Aber wir selber, wir können das alle gemeinsam schaffen.

Interview: Andreas Werner


Tabelle
1. VfL Osnabr. 3825 76
2. Karlsruhe 3826 71
3. SV Wehen Wie 3824 70
4. HallescherFC 3813 66
5. Würz.Kickers 3811 57
6. F.C. Hansa 381 55
7. Zwickau 382 52
8. Pr. Münster 38-2 52
9. FC K´lautern (Ab) 38-2 51
10. Haching 387 48
11. KFC Uerding. (Auf) 38-15 48
12. TSV 1860 (Auf) 38-4 47
13. SV Meppen 38-5 47
14. FC CZ Jena 38-9 46
15. Großaspach 38-1 45
16. Braunschweig (Ab) 38-6 45
17. FC Energie (Auf) 38-7 45
18. SF Lotte 38-15 40
19. Fortuna Köln 38-26 39
20. VfR Aalen 38-17 31
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