2026-01-19T08:28:16.618Z

Interview
Ein Urgestein bringt sich ein: Klaus Sturm (re.) mischt weiter mit bei der SpVgg Hankofen und steht Coach Gerry Huber mit Rat und Tat zur Seite.  F: Hofer
Ein Urgestein bringt sich ein: Klaus Sturm (re.) mischt weiter mit bei der SpVgg Hankofen und steht Coach Gerry Huber mit Rat und Tat zur Seite. F: Hofer

Hankofens Vision: Abschied vom Abstiegskampf

Jahresinterview SpVgg Hankofen - Teil 2: Mit den Teammanagern Richard Maierhofer, Klaus Sturm und Cheftrainer Gerry Huber

Abstiegskampf geht an die Substanz. Jedes Jahr um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen, macht nur begrenzt Spaß. Im zweiten Teil des großen Interviews mit den Verantwortlichen der SpVgg Hankofen erläutern die Teammanager Richard Maierhofer, Klaus Sturm und Cheftrainer Gerry Huber, wie der Gäubodenklub wegkommen will vom reinen Existenzkampf. Zudem wagen die drei einen Blick über den Tellerrand hinaus, warum der niederbayerische Fußball im Moment magere Zeiten durchlebt.
FuPa: Die Vorbereitung steht vor der Tür. Wie sieht`s denn im Lazarett der SpVgg aus, immer noch prall gefüllt?
Gerry Huber (52): Es werden sicherlich nicht alle zurückkommen. Bei Daniel Hofer sieht`s ganz gut aus, Chris Spengler hat noch Probleme. Also das müssen wir alles auf uns zukommen lassen. Der Kader ist nicht zu groß, aber wir brauchen da gar nicht groß rumjammern, wir werden das Beste daraus machen. Die Jungs haben alle individuelle Trainingspläne bekommen und ich bin mir sicher, dass sie fit in die Vorbereitung starten werden. Wir werden direkt viel mit dem Ball arbeiten, was nun mal das Wichtigste ist.

Worauf richtest du in den kommenden Wochen dein Hauptaugenmerk?
Huber: Dort weiterarbeiten, wo wir aufgehört haben. (lacht) Denn wir haben die letzten drei, vier Monate vor der Pause qualitativ einen Riesensprung gemacht, was die Qualität in den Trainings betrifft. Da ist brutal Zug drin, ich muss die Jungs manchmal fast ein wenig bremsen, damit sie nicht überdrehen. Aber so ist es mir definitiv lieber, als wenn ich ihnen ständig in den Hintern treten müsste. Wir werden das Hauptaugenmerk in der Vorbereitung vor allem darauf legen, dass wir diese Qualität und Energie aus dem Training noch besser mit in die Spiele nehmen. Denn in dem Bereich haben wir definitiv noch Luft nach oben. Zudem wollen wir spielerisch wieder einen Schritt nach vorne machen. Denn nur hinten drinstehen und die Kugel nach vorne bolzen, das kann mal ein Jahr gutgehen, aber auf Dauer klappt das in einer wieder stärker gewordenen Bayernliga Süd nicht.

Mit Dominik Waas und Kilian Schwarzmüller habt ihr im Winter zwei Neue an Bord geholt. Was müssen beide beherzigen, um sich in Hankofen durchzusetzen?
Huber: Dominik hat ja bereits beim SSV Jahn Erfahrungen in der Bayernliga gesammelt. Kilian ist wahnsinnig ehrgeizig, er darf sich aber nicht zu sehr unter Druck setzen und muss sich die nötige Zeit geben, damit er sich an die Liga gewöhnen kann. Er braucht Geduld, verkrampfen oder etwas erzwingen wollen, das bringt ihm nichts. Er muss locker bleiben.

Huber: »Ohne die zwei hätten wir in Kirchanschöring keine Mannschaft aufbieten können.«

Wird sich personell noch was tun bis 31. Januar?
Richard Maierhofer (46): Wenn jetzt nicht noch jemand auf uns zukommt, der unbedingt bei uns spielen will, wird sich da nichts mehr tun. Natürlich halten wir Augen und Ohren offen, aber schon viel mehr hinsichtlich der kommenden Saison.

Helfen Lukas Reif und Nicolas Jaeger auch in der Frühjahrsrunde aus?
Maierhofer: Sie sind jetzt nach dem Winter nicht mit an Bord. Wenn es aber tatsächlich wieder brenzlig werden würde, stünden beide wieder Gewehr bei Fuß. Momentan aber ist es für Lukas und Nicolas vom Aufwand her einfach nicht möglich, am Trainingsbetrieb teilzunehmen.

Huber: Allein die Tatsache, dass sich beide bereit erklärt haben, sofort auszuhelfen, sagt schon viel aus. Von Vereinsseite wurde da vieles richtig gemacht, wenn die beiden erklären: Kein Problem, wir helfen aus! Man muss sich das mal vor Augen führen, ohne die zwei hätten wir in Kirchanschöring keine Mannschaft aufbieten können.

Trotzdem hat sich die Personalmisere zu dem Zeitpunkt nicht negativ ausgewirkt. Im Gegenteil...
Huber: ...wir haben in der Phase acht Punkte geholt. Ich hab`s zur Mannschaft gesagt: Nicht die Aufstellung entscheidet, sondern die Einstellung. Dann ist alles möglich.

Klaus, du bist das Bindeglied zwischen Mannschaft und Verein. Worin siehst du deine Hauptaufgabe?
Klaus Sturm (72): Von meinen Erfahrungswerten kann ich unseren jungen Spielern schon einiges mitgeben. Unsere Spieler sind jung und willig, haben aber noch nicht allzu viel gesehen. Die Bayernliga ist im deutschen Ligensystem genau in der Mitte, an der Schnittstelle zum professionellen Fußball. Der Verein hat das schon verinnerlicht: Wir haben ein super Stadion und tolle Voraussetzungen geschaffen. Natürlich dürfen wir aber in diesem Bereich nicht stehen bleiben. Auch der Spieler muss diese Konstellation kennen. Ich bin auch dafür da, die Jungs dahingehend zu sensibilisieren. Zum einen um ihnen klar zu machen, dass sie in unserer Umgebung eine herausragende Stellung einnehmen. Jedes Spiel sind hier ein paar hundert Zuschauer, die ihren Eintritt zahlen. Dafür müssen sie sich zerreissen. Zum anderen muss ich aber auch jemandem, der schon meint er sei der Überflieger, klar machen, dass er nur fünfte Liga spielt. Dann muss er die Ohren spitzen. Aber das hält sich bei uns Gott sei Dank sehr in Grenzen.

Maierhofer: »Wir wollen uns etablieren und nicht immer nur gegen den Abstieg spielen.«

Das Umfeld in Hankofen nimmt die Bayernliga an. Im Schnitt über 500 Zuschauer bis jetzt sind ein starkes Statement...
Sturm: ...und eine Verpflichtung für uns. Das sag ich auch vor jedem Spiel in der Kabine. Und das muss der Spieler immer wissen: Hoppla, da droben sind ein paar hundert Zuschauer, die wollen auch was sehen von mir. Die Zuschauer peitschen uns nach vorne, das ist schon fantastisch. Kommt noch dazu, dass Bogen weg ist, da sind einige zu uns übergelaufen.

Die Bayernliga ist für die SpVgg eine Riesensache, gleichzeitig aber jedes Jahr aufs Neue eine große Herausforderung. Was plant Hankofen für die nächsten Jahre?
Sturm: Wie bereits angesprochen, müssen wir jedes Jahr nahezu bei null wieder anfangen. Vilzing und Schalding haben sich die letzten Jahre immer mal wieder einen Guten von uns geschnappt, Bogen hat bei uns gewildert. Jetzt ist es aber so: Bogen ist weg, Schalding doch ein wenig weit entfernt. Vilzing ist top aufgestellt und ich würde es ihnen wünschen, dass sie aufsteigen. Schon allein deshalb, dass sie dann wohl kein Auge mehr auf unsere Spieler werfen. Für die Regionalliga brauchst du dann doch noch einmal andere Kaliber. Wir haben die Vision, eine konstante Bayernliga-Mannschaft zu werden. Wir wollen uns an Teams wie dem 1. FC Sonthofen orientieren und ein fester Bestandteil der Liga werden.

Maierhofer: Wir wollen uns etablieren und nicht immer nur gegen den Abstieg spielen. Gelingt es uns, die Truppe beisammen zu halten, dann denke ich schon, dass wir zusammen mit Gerry und unserem Umfeld eine sorgenfreie Saison spielen können.

Sturm: Und lasst uns doch einen Blick in die Landesliga werfen. Da läuft nichts! Das würden unsere Zuschauer glaube ich auch nicht annehmen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise aus Dingolfing jemand herfährt, um sich Fortuna Regensburg anzusehen.

Nicht nur sportlich, auch finanziell stellt die Bayernliga hohe Anforderungen an euch, das ist kein Geheimnis. Wie muss sich die Spvgg aufstellen, um weiterhin erfolgreich mitmischen zu können?
Maierhofer: Wir haben uns in den letzten Jahren sehr breit aufgestellt. Mein Bruder Georg, der als Bauunternehmer über gute Kontakte verfügt, hat vor ein paar Jahren den Part übernommen, Sponsoren zu akquirieren. Zusammen mit unserem Hauptsponsor Sturm funktioniert das. Über Jahre haben wir uns da was aufgebaut und können uns den Kader leisten. Klar, wir müssen im Vergleich zu anderen Klubs immer noch sehr kleine Brötchen backen, sind aber mit der Strategie zuletzt sehr gut gefahren.

Verrückte Sachen wird`s wohl eher nicht geben in Hankofen. Bleibt es deshalb bei der Strategie, Spieler von unterklassigen Vereinen zu holen, die großes Potenzial besitzen?
Maierhofer:
Ja, das wird weiter unser Weg und unsere Philosophie sein. Andere Sachen können wir uns einfach nicht leisten.

Huber: »Ich hab noch nie solchen Spaß dabei gehabt, mit einer Mannschaft zu arbeiten.«

Huber: Ich muss an dieser Stelle Richard mal besonders herausheben. Er hat einen wahnsinnigen Blick für Talente. Ich hab vollstes Vertrauen zu ihm, dass er die richtigen Spieler holt. Für mich als Trainer ist das dann überragend, mit so hungrigen, lernwilligen Burschen zu arbeiten. Ich hab noch nie solchen Spaß dabei gehabt, mit einer Mannschaft zu arbeiten.

Zum Schluss noch ein Blick über den Tellerrand hinaus: Ihr seid der einzige niederbayerische Vertreter in der Bayernliga. Eine schöne Sache für euch, sagt aber gleichzeitig viel über den Zustand des niederbayerischen Fußballs aus. Woran hapert`s im Moment?
Maierhofer
: Die richtig guten Spieler gehen in jungen Jahren schon in die Nachwuchsleistungszentren und die sind nun mal in erster Linie in den Ballungsräumen in Oberbayern oder Mittelfranken. Die gehen dann dort zur Schule, machen - wenn sie es nicht in den Profibereich schaffen - dort eine Ausbildung und kommen deshalb auch nicht mehr zurück. Das macht es für die Vereine nicht einfach, die dann um die wenigen verbliebenen richtig guten Kicker buhlen müssen. Dadurch ist es eben fast nicht möglich, die guten bei einem Verein beisammen zu haben. Und dann kommt eben noch dazu, dass Niederbayern geografisch einfach ungünstig liegt, weit abseits der Ballungszentren, in die es immer mehr junge Menschen zieht.

Huber: Ich bin der Meinung, dass es in den letzten Jahren eh schon wieder ein wenig besser geworden ist. Aber ich glaube, wir haben ein gesellschaftliches Problem. Wenn ich jetzt mal ganz normale Leute hernehme, die verdienen doch nicht mehr viel. Also müssen sie schauen, wo sich noch eine zusätzliche Erwerbsquelle auftut. Deshalb wechseln so viele Spieler auch die Vereine. Dann haben sie aber keinen Bezug mehr zu dem Klub und dass sich dann ein Spieler nicht den Hintern aufreißt, um sportlich voranzukommen, ist auch klar.

Sturm: Das liegt in erster Linie an der Führung, das muss ich in aller Deutlichkeit so betonen. Es sind in der Vergangenheit so viele Fehler gemacht worden. Wenn ich nach Vilshofen, Plattling oder Passau blicke. Da ging oft der Bezug zur Realität verloren. Zudem ist meiner Meinung nach das Spielertrainer-Geschäft ein ganz großes Manko, wenn sie mit Mitte 20 in untere Klassen gehen und ihr Geld abholen. Da muss eine Regelung her, die müssen zumindest eine Qualifikation als Übungsleiter nachweisen können. Aber nicht da wild als Spielertrainer rumturnen.


»Da sind wir schon mächtig stolz drauf« - Hier geht`s zum ersten Teil des Interviews!


Das Interview führte Mathias Willmerdinger.


Aufrufe: 030.1.2018, 14:23 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor