Landshuter ist Ansbacher - durch und durch
Sven Landshuter überzeugt als Torschütze, inzwischen aber auch als Führungsspieler der Spvgg Ansbach. Der 23-Jährige im Interview mit FuPa-Reporter Dieter Rebel
von Dieter Rebel · 21.10.2020, 08:00 Uhr · 0 Leser
Treffpunkt Brückencenter: FuPa-Reporter Dieter Rebel unterhielt sich mit Ansbach-Torjäger Sven Landshuter. – Foto: Dieter RebelEs ist eigentlich inzwischen üblich, dass die
Spvgg Ansbach mit einer sehr jungen Mannschaft aufläuft. Die Truppe des früheren Regionalligisten ist gespickt mit vielen hoffnungsvollen Talenten. Zu diesen gehört auch
Sven Landshuter - zumindest wenn man allein sein Alter in Betracht zieht. Nicht nur wegen seiner Torjägerqualitäten gehört der 23-Jährige aber bereits zu den Gesichtern der Mittelfranken. Er hat trotz seiner Jugend nicht nur sich selbst im Blick, sondern das Große und Ganze...
Sven, gleich mal eine steile These zum Einstieg: Als 23-jähriger Stürmer, der regelmäßig eine zweistellige Torausbeute nach Saisonschluss hat, ist die Spvgg Ansbach für Dich nur eine Zwischenstation.
Nein, das würde ich so nicht sagen. Der Beweggrund, warum ich wieder nach Ansbach gekommen bin, war zunächst mein Studium. Und mit etwas Abstand stelle ich fest: Es war eine sehr, sehr gute Entscheidung. Ich fühle mich bei der Spielvereinigung rundum wohl, es passt einfach alles.
Beschreib uns doch einmal, warum Du so regelmäßig einnetzt? Kannst Du das in Worte fassen?
Puh, schwierig (schmunzelt - und überlegt). Wir haben vorne mit Patrick Kroiß einen drin, dessen Spezialität es ist, Tore vorzubereiten. Und davon profitieren all seine Mitspieler - auch und vor allem ich. Mein 4:0 zuletzt gegen Ammerthal ist ein Parade-Beispiel hierfür. Insgesamt: Die vielen Tore kann ich nur machen, weil mich meine Mitspieler auch entsprechend in Szene setzen.
Profikarriere? Landshuters Prioritäten haben sich verschoben
Hand aufs Herz: Träumst Du noch von einer Profikarriere. Was es heißt, Bundesliga zu spielen, hast Du ja bereits im Juniorenbereich erfahren dürfen. Beim Club hast Du in der U17-Eliteliga mit heute bekannten Namen wie Lukas Mühl und Cedric Teuchert gespielt.
Eine Profikarriere hat sich für mich inzwischen erledigt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch klappen könnte. Dass man es aus den unteren Klassen in meinem Alter noch nach ganz oben schafft, ist eher die Ausnahme. So realistisch muss man sein. Mein Augenmerk liegt mittlerweile auch mehr auf dem Studium.
Oder ist es andersrum sogar möglich? Hältst Du einen, vielleicht sogar zwei Aufstiege mit der Spvgg Ansbach für realistisch? Eure Truppe ist ja sehr, sehr jung und hat in der Folge noch viel, viel Potenzial.
Im Kader steckt echt sehr viel Potenzial. Das stimmt. Wir sind alle noch jung. Deshalb ist das Ziel für die nächste Saison nicht mehr Platz vier bis acht. Wir wollen oben angreifen. Und danach schauen wir weiter.
Rechnet Ihr Euch vielleicht über den Ligapokal Regionalliga-Chancen aus?
Durchaus. Wobei dieser Weg sehr schwer ist. Es stehen ja K.O.-Spiele an, bei denen man nicht nur Spiel-, sondern auch Losglück braucht.
Nach dem Re-Start läuft es für Euch wie am Schnürchen: Warum ist die frühere Inkonstanz plötzlich wie weggefegt?
Die Grundlage für unseren derzeitigen Erfolg ist die deutlich stabilere Defensive. Das ganze Team hat verinnerlicht, dass Verteidigung das A und O ist. Unser Training in letzter Zeit war schwerpunktmäßig darauf ausgelegt.
Hat Euch die längere Pause vielleicht gut getan, weil die junge Truppe intensiv an diesen Inhalten arbeiten konnte?
Durchaus. Die lange Vorbereitung hat uns in diesem Zusammenhang gut getan. Die letzten Resultate sind das Ergebnis dieser harten Arbeit.
Immer wieder wird die Installation von Christoph Hasselmeier als Spielertrainer als wichtigster Grund für den Aufwärtstrend angeführt. Doch ist es nicht zu einfach, den Trainer hier zu nennen - genauso wie er der Coach auch bei Misserfolgen stets das schwächste Glied in der Kette ist?
Es hat schon seine Gründe, warum die Mannschaft immer Christoph für den derzeitigen Erfolg als Hauptgrund nennt. Ich schließe mich da an. Er passt zum einen vom Typ Mensch hervorragend zu uns. Zum anderen ist der auch fachlich top. Christoph ist ein Kumpel, er hat aber gleichzeitig die nötige Autorität.
Aktuell ist der 23-Jährige mit elf Treffern Zweiter der vereinsinternen Torjägerliste. – Foto: Johannes Traub
Ist es nicht Aufgabe eines Spielers, immer seine Leistung zu bringen - egal ob Robert Kovacic oder Christoph Hasselmeier an der Linie steht?
Aufgabe eines Spielers ist es natürlich, immer 100 Prozent zu geben. Allerdings kommt es auch drauf an, wie der Trainer die Mannschaft einstellt und welche Taktiken er vorgibt. Und je nach Philosophie spielt man offensiver oder defensiver. Vorher habe ich ja bereits angesprochen, dass wir nun mehr Wert auf eine stabile Verteidigung legen.
Euer aktueller Spielercoach kommt ja aus dem Team, Ihr kennt Euch bestens. Wie groß ist die Gefahr, dass Christoph Hasselmeier irgendwann gehen muss - und Du auch einen guten Freund verlierst?
Ein Trainer ist nicht ewig da, das stimmt - und schon gar nicht so lange wie ein Spieler. Aktuell blicke ich aber überhaupt nicht so weit in die Zukunft. Es tut uns allen gut, den Fokus auf das Jetzt zu legen.
Vielen Dank für das Interview, alles Gute für die nächste Zeit und ganz wichtig: Gesund bleiben.