Sportpädagoge, Fußballlehrer, Diplom-Manager: Der Tausendsassa
Donnerstag 23.07.20 06:00 Uhr|Autor: Mathias Willmerdinger 3.146
Nah dran am Geschehen: Daniel Wimmer (re.) verlässt den 1. FC Nürnberg und wird einen Elite-Fußballmanagement Studiengang absolvieren. Foto: Classen

Sportpädagoge, Fußballlehrer, Diplom-Manager: Der Tausendsassa

Daniel Wimmer (38) ist im Fußballgeschäft so breit wie kaum ein anderer aufgestellt +++ FuPa hat sich mit dem Bad Endorfer über seine Ziele unterhalten
Fast wäre beim 1. FC Nürnberg eine Ära heimlich, still und leise zu Ende gegangen. Im Getöse um den letztlich sehr glücklichen Klassenerhalt des Clubs in der 2. Liga ging die Nachricht, dass Daniel Wimmer nach insgesamt acht Jahren den Valznerweiher verlassen wird, ein wenig unter. Zu Unrecht, wie wir finden. Denn der 38-Jährige ist eine der interessantesten Figuren im bayerischen Fußball. Wir haben uns mit dem gebürtigen Bad Endorfer mal unterhalten.


Groundhopper werden jene Fußballverrückte genannt, die möglichst viele Spiele in unterschiedlichen Stadien besuchen. Demzufolge könnte man auch Daniel Wimmer getrost als eben einen solchen bezeichnen. "Fünf Partien pro Woche, das war so mein Pensum. Spieler beobachten, Spielanalyse, Auswertungen - da war alles dabei", erzählt der Oberbayer. Das war selbstredend noch vor der Corona-Pandemie. Als Sportlicher Leiter des Nürnberger Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) war er fast rund um die Uhr im Einsatz, um Rohdiamanten zu entdecken und sie beim 1. FCN zu schleifen. Insgesamt acht Jahre verbrachte Wimmer beim Club. Im Fußball eine kleine Ewigkeit - noch dazu bei einem chronisch aufgeregten Traditionsverein. Es war selten einfach, dennoch betont er: "Ich habe den Club schweren Herzens verlassen. Es hat mir extrem viel Spaß gemacht, ein NLZ zu leiten."

Auf ihn warten neue Herausforderungen! Wimmer steht mit seinen 38 Jahren noch am Beginn seiner Trainer / Manager-Laufbahn. Sein Ehrgeiz ist groß. Er macht keinen Hehl daraus, dass er bald bei einem Profiklub in leitender Funktion anheuern möchte. In welcher Position genau, das lässt er sich offen. Und genau das hebt Daniel Wimmer aus der Masse hervor.

Daniel Wimmer lief für die U20-Nationalmannschaft auf - der große Durchbruch blieb aus.

Denn sein Credo lautet: So breit aufstellen wie möglich. Wimmer wurde beim FC Bayern in der Jugend ausgebildet und schaffte es bis in die U20 Nationalmannschaft. Vier Jahre drängte er anschließend beim 1. FC Nürnberg auf den Durchbruch. Klaus Augenthaler holte ihn in den Profikader. Doch es klappte nicht wie erhofft, Wimmer zog weiter zu Jahn Regensburg und versuchte sich später sogar in Griechenland bei Doxa Dramas. Spätestens als das Knie den Belastungen nicht mehr standhielt, zerplatzten die Träume des Mitteldfeldmanns von der großen Spielerkarriere. Doch davon ließ sich Wimmer nicht entmutigen. Jetzt erst recht!

Ab Herbst: Studium "Diplom-Management für Profifußball" in Wien.

Er schrieb sich an der Universität in Salzburg ein und studierte Sport, Latein und Pädagogik. Nebenbei kickte er für den TSV 1860 Rosenheim in der Bayernliga und sammelte bei den Inndstädtern erste Erfahrungen im Trainerbereich. Die zweite Mannschaft führte er mit blutjungen Cracks  zur Meisterschaft in der Bezirksliga. In Unterhaching schärfte er sein Profil und absolvierte den Lehrgang zum Fußballlehrer. 2016 folgt die Karriere nach der Karriere beim 1. FC Nürnberg. "Ich habe erst die U17, dann die U19 in der Bundesliga gecoacht", erzählt Wimmer, nebenbei absolviert er mit Erfolg den Lehrgang zum Fußballlehrer. Doch er will noch mehr: Wahrscheinlich ab Oktober - das lässt sich in Corona-Zeiten nicht so genau sagen - startet in Wien der Studiengang "Diplom-Management für Profifußball" am Bundesliga-Campus. "Das Teilnehmerfeld ist hochkarätig. Das läuft ähnlich ab wie der Fußballlehrer-Lehrgang. Es gibt einige Präsenzphasen, in denen Anwesenheitspflicht herrscht. Zudem beinhaltet der Studiengang diverse Hospitanzen bei ausländischen Klubs", erzählt Wimmer, der allerdings nicht extra nach Wien ziehen wird.

Mit seiner Frau und der gemeinsamen kleinen Tochter will er vorerst in Nürnberg heimisch bleiben. Als Trainer und Manager - ganz so, wie es in England Usus ist - in Personalunion wäre Daniel Wimmer breiter als die meisten anderen Konkurrenten im harten Business Profifußball aufgestellt. Zudem mit viel Erfahrung als Aktiver und Leiter eines Nachwuchsleistungszentrums ausgestattet. Es wäre alles andere als verwunderlich, wenn der Chiemgauer Daniel Wimmer bald auf den Notizblöcken einiger Profiklubs ganz oben stehen würde.






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