FuPa-Medizincheck: Das EMS-Training
Donnerstag 28.05.20 15:10 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis5.202
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: Marco Nägele / Collage FuPa Stuttgart

FuPa-Medizincheck: Das EMS-Training

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck berichtet Dr. Simeon Geronikolakis über Verletzungen im Sport und wie diese behandelt werden können. In dieser Ausgabe geht es um das EMS-Training. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen.


Wie funktioniert EMS-Training und was bringt es aus medizinischer Sicht?
Durch den üblicherweise niederfrequenten Reizstrom (mittlerweile wird in speziellen Einrichtungen aber auch modulierte Mittelfrequenz angewandt), der über die in der Funktionskleidung eingearbeiteten oder an der Haut aufgeklebten Elektroden durch die obere Hautschichten bis ans periphere Nervensystem gelangt, werden nahezu alle (sowohl die roten als auch die weißen) Muskelfasern stimuliert. Hierdurch kontrahieren sich diese und es soll mit der Zeit zu einem Muskelaufbau kommen, wie beim normalen Krafttraining an Geräten.

Reicht EMS Training aus, um sich fit zu halten?
Es ist durchaus richtig, und das zeigen bereits erste Studien, dass durch das EMS-Training ein gewisser Muskelaufbau erreicht werden kann, der wiederum auch über einen gesteigerten Grundumsatz zu einem erhöhten Kalorienverbrauch und somit zu einer Gewichtsabnahme führen kann. Jedoch sind noch weitere Komponenten notwendig, um rundum fit und gesund zu bleiben. Hier wären vor allem die Ausdauerfähigkeit, die für ein gesundes Herz-Kreislauf-System von Bedeutung ist, zu nennen,sowie die Koordination, zum gezielten und kontrollierten Einsatz der Muskulatur. Diese Komponenten werden durch das EMS-Training leider nicht adäquat trainiert.

EMS wird auch in der Reha angewendet, warum?
Das Prinzip der Elektrostimulation der Muskulatur hat seine Wurzeln in der Physiotherapie, wo es als Reha-Maßnahme erfolgreich eingesetzt wird um nach einer Verletzung auch ohne aktive Bewegung einen Muskelschwund zu vermeiden bzw. einen gezielten Muskelaufbau zu bewirken.

Wie gefährlich ist EMS? Was kann passieren, wenn der Reizstrom, der durch die Muskeln fließt, viel zu hoch ist?

Ist der Strom viel zu hoch, so kann es neben Hautirritationen auch zu einer Schädigung und einem Zerfall der Muskelfaser kommen mit hierdurch verursachten Muskelschmerzen. Aufgrund einer starken Ausschüttung des Enzyms Creatin-Kinase (CK) sind im Extremfall dann auch Nierenschäden möglich. Ähnliche Probleme können auch bei einem Übertraining auftreten oder bei zu geringen Regenerationszeiten (die länger sein sollten als bei einem herkömmlichen Krafttraining). Daher sollte das Training nur unter Anleitung eines Sportmediziners oder eines ausgebildeten Physiotherapeuten erfolgen und es sollte unbedingt dabei ausreichend getrunken werden.

Kann EMS auch zu Herzrhythmusstörungen führen? Wie gefährlich ist das Training für das Herz?
Die Stromimpulse liegen üblicherweise im niederfrequenten Bereich und aktivieren lediglich die quergestreifte Skelettmuskulatur. Die Herzmuskulatur sowie die glatte Organmuskulatur werden dabei nicht angesprochen. Dennoch wird bei Patienten mit Herzproblemen von einem EMS-Training abgeraten.

Sind viele Fälle bekannt, bei denen bei EMS etwas schiefgelaufen ist, oder sind das eher Ausnahmefälle?
Es sind nicht viele Fälle von aufgetretenen größeren Nebenwirkungen bekannt, Einzelfälle werden in der Literatur aber immer wieder beschrieben.

Wer sollte kein EMS-Training machen?
Bei Menschen mit Herzschrittmachern, Herzrhythmusstörungen, Epilepsie, Spastiken, schwerwiegenden Erkrankungen im akuten Stadium (multipler Sklerose, Krebs), Thrombosen, Implantaten, Sensibilitätsstörungen (zum Beispiel als Folge eines Diabetes), akuten Entzündungen oder Hautproblemen wird von einem EMS-Training in der Regel abgeraten. Ebenfalls sollten Schwangere nicht unter Strom trainieren. Wer diese Trainingsmethode ausprobieren möchte sollte sicherheitshalber im Vorfeld seinen Arzt fragen.

Würde man einem gesunden Menschen EMS-Training empfehlen oder eher davon abraten?
Sicherlich ist das EMS-Training für Menschen, die eine körperliche Anstrengung scheuen oder wenig Zeit dafür haben, mehr oder weniger eine Alternative zum Muskeltraining, ungeachtet des Kostenfaktors. Leider wenden diese Personen aus besagten Gründen diese neue Trainingsmethode dann nicht ergänzend zu einem anderen Sport an, sondern als alleinige sportliche Maßnahme. Wie bereits erwähnt, werden jedoch die Ausdauer, die für ein gesundes Herz-Kreislauf-System von Bedeutung ist, und die koordinativen Fähigkeiten hierbei nicht adäquat trainiert. Darüber hinaus kann eine sportliche Betätigung an der frischen Luft entspannter und abwechslungsreicher sein, womit auch ein positiver psychischer Effekt erzielt wird. Abhängig der sportlichen Ansprüche und Ziele sowie der Sportart sollte somit individuell beraten werden, dennoch ist eine „klassische“ sportliche Betätigung, einschließlich einem herkömmlichen Krafttraining sowohl mit Eigengewicht als auch an Geräten, als umfassend effektiver und sinnvoller anzusehen.


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U20-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.


Tabelle
1. TV Kemnat II 1780 48
2. SV Eintracht 1723 40
3. Mühlhausen II 1636 37
4. TSV Steinenb 1525 32
5. Zazenhausen II 1712 34
6. PSV Stgt II 178 25
7. TSV Münster II 17-9 24
8. Spfr. Stgt II 1712 23
9. 1. FV 1896 17-1 23
10. SSV Z`hausen II 17-24 17
11. ASV Botnang II 16-36 15
12. TSV Uhlbach II 17-18 11
13. FC Stuttgart II (Neu) 16-52 9
14. TV89 Z`hause III (Neu) 17-36 9
15. SG UTrkheim II 15-20 7
Wertung gemäß Quotientenregel: Erreichte Punkte dividiert durch absolvierte Spiele
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