Interview-Staffel: Sascha Bingel
Donnerstag 09.04.20 10:51 Uhr|Autor: Dennis Bellof1.012
Gespannt auf die neue Aufgabe in Dorn-Assenheim: Sascha Bingel. Foto: Foto-Jaux

Interview-Staffel: Sascha Bingel

GESPRÄCHSSERIE: +++ Künftiger Dorn-Assenheimer Coach gibt Einblick in das, was seine Schützlinge ab Sommer erwartet +++ Viel Familienzeit, bevor "Chilischote" Schärfe entfaltet +++
Den Staffelstab einige Kilometer in den Norden geworfen hatte Edgar Dirksen am Ende des Interviews vor wenigen Tagen innerhalb unserer Staffel. Und zwar von Karben nach Nieder-Mockstadt zu Sascha Bingel. Der ist zwar noch im Raum Büdingen als Coach aktiv, fühlt sich aber schon immer als "Grenzgänger". Und passend dazu heuert er zur neuen Saison als Coach des TSV Dorn-Assenheim an. Im Gespräch hat er uns schon Einiges von dem verraten, was er bewegen will. 


Hallo Sascha,
als Rückkehrer in den Fußballkreis Friedberg bist du natürlich passend für unsere Serie. Überwiegt aktuell die Vorfreude auf die neue Aufgabe in Dorn-Assenheim oder die Wehmut über den Abgang bei der SG Nieder-Mocckstadt/Stammheim?

Natürlich ist eine große Wehmut da nach all den Jahren. Der Club und die Mannschaft liegen mir sehr am Herzen. Dazu ist es mein Heimatverein und ich wohne ja auch hier. Aber gleichzeitig ist es für mich auch ein Riesending, wieder im Kreis Friedberg aktiv zu sein. Schließlich habe ich dort meine komplette Jugend verbracht, kenne viele Leute ... ich habe eigentlich nur für Nieder-Mockstadt im Büdinger Raum gespielt. In Dorn-Assenheim ist es vergleichbar mit dem, was bei meiner aktuellen Station stattfindet. Dort herrscht auch eine große Kameradschaft, ich denke, wir werden richtig Spaß zusammen haben. Denn ich bin kein Typ, der direkt nach Abpfiff die Tasche ins Auto packt und heimdüst. 

Gibt es aus deiner Sicht Unterschiede zwischen den Kreisen?
Ja, in zwei größeren Punkten schon, finde ich - ohne, dass ich das jetzt negativ meine einem Kreis gegenüber. Fußballerisch ist der Friedberger Kreis besser. Technisch versierter. In Büdingen kommt man mehr über das Kämpferische.Wir haben ja öfters Freundschaftsspiele gegen Friedberger Teams gemacht, und da waren wir als KOL-Team meist eher auf Augenhöhe mit der dortigen Kreisliga A. Büdingen ist also in meiner Wahrnehmung etwa eine Klasse schlechter, was die Qualität angeht. Dafür ist dort der Identifikationsfaktor mit den Vereinen höher. Die meisten spielen dort, wo sie herkommen oder wohnen. Wechsel sind seltener, wenn ich das mit den Kadern in Friedberg mal vergleiche.

Jahrelang warst du einer der besten KOL-Goalgetter. Nun sinkt die Torquote, dafür steigt das Alter. Fiese Frage schließt sich also an: Wirst du weiter als Spielertrainer fungieren?
Momentan ist es tatsächlich schwierig, die Wehwehchen werden nicht weniger. Der Körper lässt die Belastung nicht mehr so gut zu. Außerdem bin ich immer dafür, den Jüngeren die Chance zu geben, sich im Seniorenfußball zurechtzufinden und sich zu beweisen. Darum habe ich meine eigenen Ambitionen schon länger zurückgeschraubt. Und so will ich in Dorn-Assenheim primär auch von der Seitenlinie aus trainieren, nur zur Not ins Spielerische eingreifen. Das ist auch klar mit den TSV-Verantwortlichen so besprochen worden. Ich will aber einigermaßen normal mittrainieren, um mich fit zu halten und gerüstet dafür zu sein, wenn man mich braucht. Das ist mir wichtig.

Du hast mir früher mal gesagt, du seist mehr Kloppo als Magath. Kannst du diese Philosophe präzisieren?
Ich habe den Jungs in bisherigen Gesprächen schon gesagt, dass das Training anders sein wird, als sie es vielleicht bisher kennengelernt haben. Ich erstelle zu Beginn einer Trainerstation immer Steckbriefe, die die Spieler ausfüllen. Manch einer mag mich dafür belächeln, aber das hilft mir, mehr über Stärken und Schwächen und das Wesen des Spielers zu erfahren. Mit dem Ziel, da Training möglichst individuell zu steuern und ihn dadurch zu verbessern. Das geht bei mir aber immer mit einem gewissen Spaßfaktor einher. Denn nur wo Spaß dabei ist, wird sich langfristiger Erfolg einstellen. Spaß muss die Basis sein. Die Jungs sollen ins Training kommen wollen
Ansonsten, was Taktik angeht: Ich schaue mir alles an, denke aber offensiv. Das kann man auch an unseren Torverhältnissen der letzten Jahre ablesen (lacht). Ein 1:0 mag schön sein, für mich - und ich denke auch für die Spieler und Zuschauer - ist ein 5:4 aber noch besser. Dann steigen vielleicht auch die Besucherzahlen wieder. Ich gehe gerne mit offenem Visier in die Partien und reagiere dann je nach Start. 

Wenn es deine Kids zulassen - wie nutzt du die aktuell freien Abenden?
Wenn es geht, tatsächlich mit den Kids (lacht). Ich genieße es regelrecht, so viel Zeit für sie zu haben wie normalerweie nicht. Sonst bin ich sehr eingespannt. Dann direkt ins Training - das ist nicht immer einfach für die Familie.

Ich klaue hier mal die besondere Frage-Technik meines Marburger Mitarbeiters: Wenn du ein Gemüse wärst, welches wäre das?
Ich denke, eine Chili-Schote. Alle sind gespannt - wie scharf wird es? Denn viele Dorn-Assenheimer kennen mich privat, auch einige Spieler - aber als Coach kennt mich noch keiner. Wie scharf oder anstrengend es also wird, bleibt für sie noch etwas abzuwarten. Das Feuer der Schote kann aber auch für die Leidenschaft stehen. Ich brenne zu 100 Prozent für Fußball, ich lebe Fußball. Ich habe alles abonniert, was Fußball zeigt, wenn denn gespielt wird. DAZN, Magentasport, Sky...ich brauche das (lacht). 

Und wer soll deine Nachfolger der Interviewstaffel sein?
Da nehme ich Stefan Schneider, den Trainer des SV Bruchenbrücken.



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