Pöttmeser macht große Sprünge
Samstag 21.11.20 11:15 Uhr|Autor: Aichacher Nachrichten / Sebastian Richly1.406
Fertig machen zum Jubeln. Bei Dynamo Dresden gehört Christoph Daferner aus Immendorf (Gemeinde Pöttmes) zum Stammpersonal. Der 22-Jährige zahlt das bislang mit Leistung zurück. Foto: Thomas Richter, SGD

Pöttmeser macht große Sprünge

Christoph Daferner spielt seit dieser Saison für den Traditionsklub Dynamo Dresden in der 3. Liga +++ Der 22-Jährige verrät, warum er schon jetzt an die Zeit nach der Profi-Karriere denkt und welche Rolle seine Heimat spielt

Christoph Daferner wechselte im Sommer von Erzgebirge Aue zu Dynamo Dresden. Dort hat sich der 22-Jährige in der 3. Liga einen Stammplatz erkämpft. Bislang kommt der Stürmer auf drei Pflichtspieltore. Seine Karriere begann Daferner beim TSV Pöttmes. Später spielte er in der Jugend für den FC Augsburg und den TSV 1860 München. 2019 gab er sein Profidebüt für den SC Freiburg. Der Immendorfer (Gemeinde Pöttmes) erzählt im Interview mit den Aichacher Nachrichten, wie er sich beim Traditionsklub zurechtfindet und warum die Familie für ihn eine wichtige Rolle spielt. Außerdem verrät er, warum er schon in jungen Jahren über die Zeit nach der Karriere nachdenkt.




Herr Daferner, wie groß war das Gebrüll nach dem 2:1-Erfolg gegen Ihren Ex-Klub TSV 1860 München?

Christoph Daferner: Wir mussten gewinnen, um oben dranzubleiben. Der Druck war groß und dementsprechend auch die Erleichterung.

Für Sie war es ohnehin ein ganz besonderes Spiel, oder?

Daferner: Klar. Ich habe in München eine tolle Zeit gehabt. Von damals ist zwar kaum mehr jemand da, aber es war für mich nicht wie jedes andere Spiel.

Wie war die Lage innerhalb der Familie?

Daferner: Beide Brüder sind eher Sympathisanten der Löwen, haben aber in diesem Spiel natürlich mir die Daumen gedrückt.

Hand aufs Herz, hätten Sie bei einem Treffer eigentlich gejubelt?

Daferner: Darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht. Vermutlich wäre es ein verhaltener Jubel geworden. Das Spiel war sehr besonders für mich, aber auf dem Platz merkt man davon eigentlich nichts mehr. Man versucht einfach, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Warum haben Sie die Löwen 2017 eigentlich verlassen?

Daferner: Mein Vertrag hat sich nach dem Abstieg automatisch aufgelöst. Dann kam das Angebot aus Freiburg. Wer sagt schon zu einem Trainer wie Christian Streich Nein. Daran denke ich aber heute nicht mehr zurück. Alles ist gut, wie es ist. Ich bereue nichts und bin dankbar für all die bisherigen Stationen und Erfahrungen.

Erstmals haben Sie zuhause vor leeren Rängen gespielt, war das ein Nachteil?

Daferner: Wir haben lautstarke und leidenschaftliche Fans. Natürlich haben wir die gerne im Stadion. Wir wissen aber auch so, dass unsere Fans zuhause vor dem Fernseher sitzen. An der Motivation ändert das nicht viel. Aber ich bin wirklich gespannt, wie es sein wird, wenn wir wieder ein volles Haus haben. Gegen Hamburg waren 10.000 da, und da war schon eine unglaubliche Stimmung, was wird dann erst los sein, wenn es voll ist.

Apropos Hamburg, war Ihr Tor beim sensationellen 4:1-Erfolg im DFB-Pokal über den Hamburger SV Ihr schönstes für Dynamo bislang?

Daferner: Ja. Es war überhaupt ein tolles Spiel. Das erste Pflichtspiel für den neuen Verein, da schaut jeder genau hin, und dann auch noch gegen den HSV.

Wie schwierig ist es nach so einem Spektakel, sich auf den Alltag in Liga drei zu konzentrieren?

Daferner: Das ist nicht einfach. Gegen Hamburg konnten wir als Außenseiter nur gewinnen. In der Liga sind wir meist der Favorit und stehen unter Zugzwang.

Sie sind vor der Saison aus Aue gekommen. Warum sind Sie von der 2. in die 3. Liga gewechselt?

Daferner: Ich habe mir in Dresden alles angeschaut, gemeinsam mit meinem Vater (Gerhard). Der Verein hat enorme Strahlkraft und eine tolle Fanszene. Nicht nur die sportliche Perspektive hat mich überzeugt, sondern auch die Tatsache, dass im Verein ein familiäres Miteinander herrscht.

Sie haben aber auch auf mehr Spielzeit gehofft. Wie wichtig ist das für einen jungen Spieler?

Daferner: Training ist eine Sache, aber auf dem Platz zu stehen und einen Teil zum mannschaftlichen Erfolg beizutragen ist das Ziel. Ich bin sehr froh, dass ich das Vertrauen vom Trainer bekomme.

Was sind die Unterschiede zwischen den beiden Vereinen?

Daferner: Ich wurde sehr gut aufgenommen, obwohl ich von der Konkurrenz kam. Dresden ist eine fußballbegeisterte Stadt, jeder drückt Dynamo die Daumen. Der Druck und die Erwartungshaltung von außen sind sehr hoch. Dadurch kann sehr schnell Euphorie, aber auch schnell Unruhe entstehen. Ich bin aber einfach stolz, für so einen Traditionsverein zu spielen.

Sie spielen bei Dynamo Dresden öfter auf der linken Außenbahn, wie kommen Sie mit dieser neuen Rolle zurecht?

Daferner: Als Profi muss man heutzutage flexibel sein. Ich bin keiner, der an der Außenlinie steht, sondern ziehe meist nach innen zum Tor. Ich bin also mehr eine hängende Spitze. Auch als Außenstürmer kann man torgefährlich sein. Prinzipiell spiele ich aber am liebsten als Stoßstürmer. Die genaue Position ist aber nicht so wichtig. Der Erfolg des Teams zählt.

Das Profigeschäft kann junge Spieler leicht abheben lassen, wie bleiben Sie auf dem Boden?

Daferner: Durch meine Familie. Dort bin ich nicht der Fußballer, sondern der Sohn und Bruder. Da geht es um andere Themen als Fußball. Das tut mir sehr gut. Auch wenn es mal nicht so läuft, stärken Sie mir den Rücken.

Welche Rolle spielt Heimat für Sie und was vermissen Sie am meisten?

Daferner: Eine sehr wichtige Rolle. Meine Familie, meine Freundin und Kumpels wohnen in der Heimat. Ich freue mich immer, wenn ich nach Hause komme oder Besuch bekomme. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich mit ihnen zu verbringen. Man sollte seine Wurzeln nie vergessen. Ich bin aber diesen Weg bewusst gegangen, fühle mich in Dresden wohl und erlebe gerade eine spannende Zeit, von der ich als Mensch und als Sportler profitiere.

Apropos Pläne. In Ihrer Freizeit beschäftigen Sie sich mehr mit Büchern als mit Videospielen. Warum?

Daferner: Ich bin kein großer Zocker. Seit rund einem Jahr studiere ich Sportmanagement an der Fernuniversität. Ich denke schon jetzt an die Zeit nach der Karriere. Durch eine Verletzung kann alles schnell vorbei sein.

Aber Sie haben mit Dynamo schon noch Ziele?

Daferner: Klar. Ich will mittelfristig wieder in Liga zwei spielen und Dynamo auch. Daran arbeiten wir.

Wie schwer macht die Corona-Pandemie Ihre Arbeit?

Daferner: Es gibt strenge Auflagen, aber im Prinzip ändert sich für uns Fußballer nicht viel. Ich fahre gerade nicht so häufig in die Heimat, was manchmal auch nicht einfach ist, aber so geht es vielen Menschen. Mir ist bewusst, dass wir als Profisportler ein Privileg haben. Ich weiß, dass es in manchen Branchen um Existenzen geht, und ich kann verstehen, wenn es Leute gibt, die nicht wollen, dass wir weiterspielen. Es gibt aber auch viele Menschen, die sich freuen, dass trotz Corona gespielt wird.

Können Sie mit den Amateuren nachfühlen, die nicht spielen dürfen?

Daferner: Natürlich. Meine Brüder und viele meiner Freunde spielen Fußball. Da weiß ich schon, was los ist.

Amateurfußballer müssen aber auch nicht regelmäßig zum Corona-Test. Wie oft werden Sie getestet?

Daferner: In der Regel einmal pro Woche. Wir versuchen, möglichst Kontakte zu vermeiden.

Einkaufen müssen aber auch Fußball-Profis, werden Sie dabei schon erkannt?

Daferner: Es hält sich in Grenzen.


Mehr Lokalsport gibt es unter www.aichacher-nachrichten.de


Verlinkte Inhalte

Interessante Artikel

Münchner Merkur / Jörg Bullinger - vor
3. Liga
Mehmet Ekici war vor seinem Durchbruch als Jugendspieler in der 3. Liga für den FC Bayern am Ball. 
Ausgebildet beim FC Bayern: Türkgücü München jagt Ex-Nationalspieler

Nächster Hochkaräter für die  3. Liga?

Türkgücü München bereitet den nächsten Transferhammer vor. Der Drittliga-Aufsteiger steht offenbar kurz vor der Verpflichtung eines türkischen Ex-Nationalspielers.

Arne Steinberg und Wigbert Löer - vor
Regionalliga Bayern
Große Umfrage: Wie viel verdienen Amateurfußballer?

Sie sind Amateure, das heißt: Liebhaber. Doch im deutschen Fußball fließt auch ab der vierten Liga abwärts regelmäßig Geld +++ Mitmachen bei anonymer Umfrage

Wie viel ist es Vereinen zwischen Kreis- und Regionalliga wert, dass Spielerinnen und S ...

Münchner Merkur / Matthias Horner - vor
3. Liga
Alexander Schmidt: Gegen Saarbrücken musste der Türkgücü-Coach zwei unpopuläre Entscheidungen treffen.
Türkgücü: „Unpopuläre Maßnahmen“ - Schmidt erklärt Saarbrücken-Ärger

Wechsel-Zoff nach Spitzenspiel

Türkgücü wackelte, blieb aber auch gegen Saarbrücken ungeschlagen. Coach Schmidt griff während dem Spiel ein. Er spricht selbst von „unpopulären Maßnahmen“.

Pressemitteilung FSA - vor
Verbandsliga Sachsen-Anhalt
FSA geht vorzeitig in die Winterpause

Der Fußballverband Sachsen-Anhalt weitet die Spielpause vorzeitig bis zum Jahresende aus

Der Vorstand des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt e.V. (FSA) hat auf der heutigen Vorstandssitzung beschlossen, den Spielbetrieb bis Jahresende auszusetzen und in ...

Mathias Willmerdinger - vor
3. Liga
Andreas Pummer nimmt in der jüngeren Vergangenheit von Türkgücü München eine ganz besondere Rolle ein.
4 Aufstiege in Folge: »Ich wurde für verrückt erklärt«

Türkgücüs Co-Trainer Andreas Pummer nimmt eine ganz besondere Position beim aufstrebenden Drittligisten ein

Ohne ihn wäre wohl Türkgücü München nicht in der 3. Liga: Als Co-Trainer steht Andreas Pummer zwar zumeist im Hintergrund, doch der 38-Jähr ...

Jonas Weber - vor
3. Liga
Marktwerte von Türkgücü München: Sararer und Fischer legen kräftig zu

Zwei Spieler verlieren leicht

Fast der komplette Kader von Türkgücü München hat einen Gewinn im Marktwert erzielt.  Die größten Gewinner sind Sercan Sararer und Kilian Fischer.

FuPa/FIFA - vor
Regionalliga Bayern
VAR light im Anmarsch: Bekommt der Amateurfußball den Video-Beweis?

Der Fußball-Weltverband FIFA will das Video-Schiedsrichter-Konzept weltweit einführen.

Schwerpunkt einer Arbeitsgruppen-Sitzung dazu war nach Angaben des Verbandes die Entwicklung eines "VAR light". Dieses Konzept soll "erschwinglichere VAR-Systeme ...

Backnanger Kreiszeitung / Steffen Grün - vor
Regionalliga Südwest
Aspachs Ex-Keeper Constantin Frommann hat einen neuen Verein gefunden.
Vereinslose Zeit vorbei

Drittligisten holen Ex-SG-Fußballer Frommann und Kwadwo

Zwei Ex-Spieler des Fußball-Regionalligisten Großaspach haben neue Vereine gefunden. Das gilt zum einen für Keeper Constantin Frommann, der in der Vorsaison vom Sportclub Freiburg an die SG Sonn ...

Münchner Merkur / tz / Christoph Seidl - vor
Süper Lig - Türkei
Efkan Bekiroglu lebt in Alanya seinen Traum: „Die Leute bieten dir sogar einen Tee an, wenn du deinen Pass verlängerst“, erzählt der 25-Jährige. Das Foto mit Kumpel Arif Ekin entstand nach seiner Unterschrift bei Alanyaspor.
Bekiroglu: „Mein Trainer nennt mich Aslanim - mein Löwe“

Interview: Ex-Löwe über sein neues Leben in der Türkei

In der A-Jugend verbannte ein Trainer Efkan Bekiroglu in die zweite Mannschaft. „Effe“ musste „Gruppe“ spielen, die Liga unter der Kreisklasse. Heute ist er Profi in der Türkei. ...

Christian Kurth - vor
Regionalliga Bayern
Wo wird 2020 noch gespielt?

Unsere Deutschlandkarte zeigt euch den aktuellen Trend

21 Landesverbände müssen die durchaus schwierige Entscheidung treffen, ob sie vorzeitig die Winterpause einläuten sollen. Im November ist der Spielbetrieb unterhalb der Regionalligen ohnehin ausge ...

Tabelle
1. Saarbrücken (Auf) 1310 25
2. SG Dynamo (Ab) 138 25
3. Ingolstadt 133 23
4. TSV 1860 139 20
5. SC Verl (Auf) 119 20
6. F.C. Hansa 126 20
7. SV Wehen Wie (Ab) 133 19
8. Türkgücü Mün (Auf) 114 18
9. Viktor. Köln 13-4 18
10. HallescherFC 12-4 18
11. SV Waldhof 114 15
12. KFC Uerding. 13-4 15
13. VfB Lübeck (Auf) 12-1 14
14. FC K´lautern 13-3 14
15. Haching 11-5 13
16. Zwickau 12-3 12
17. FC Bayern II 12-5 12
18. Magdeburg 13-8 12
19. MSV Duisburg 13-12 10
20. SV Meppen 10-7 9
ausführliche Tabelle anzeigen

FuPa Hilfebereich