Interview-Staffel: Ferdi Özcan
Donnerstag 09.07.20 12:17 Uhr|Autor: Dennis Bellof1.039
Foto: Michael Schneiders

Interview-Staffel: Ferdi Özcan

GESPRÄCHSSERIE: +++ Ferdi Özcan geht mit positiver Anspannung in Gruppenliga-Saison +++ Erinnerung an Traum-Tag in Istanbul +++ Beruhigende Worte für Vorgänger Tufan Tosunoglu +++
Zu einem Exkurs von Friedberg in den Kreis Büdingen hat uns der Vorschlag von Tufan Tosunoglu auf der Suche nach seinem Staffel-Nachfolger geführt. Aber Ferdi Özcan passt - der Routinier ist kreisübergreifend vernetzt und bekannt und zudem der neue Trainer von Gruppenliga-Aufstieger Viktoria Nidda. Sein Vorgänger dort war Christoph Pilch, der nun Co-Trainer bei Türk Gücü Friedberg ist. Und genau dahin hat Ferdi den Ball am Ende auch zurückgespielt, Alit Usic soll sein Nachfolger sein. 


Hallo Ferdi,

zunächst die Frage des Vorgängers Tufan Tosunoglu, mit Augenzwinkern: "Wenn wir uns dieses Jahr zum Vorbereitungstest treffen, ist der Rasen dann auch akzeptabel?"

Ohja, da hat er recht mit seiner Bemerkung (lacht). Er hat letztes Jahr große Augen gemacht, als sein Team bei uns ankam und der Rasen einfach noch nicht wirklich soweit war. Wollen wir da echt spielen?, hat er überrascht gefragt. Dieses Jahr kann ich ihm aber versprechen, dass die Partie gegen seinen TSV Bad Nauheim auf gutem Rasen stattfinden wird. Am 30. August treffen wir aufeinander.

Du gehst in dein erstes Jahr als Trainer bei Viktoria Nidda, und dann gleich als Gruppenliga-Aufsteiger. Bist du schon nervös?

Also ein Kribbeln ist schon da. Die kommende Saison wird für uns schon eine Herausforderung, die wir aber sehr gerne annehmen. Ich habe mich sehr für die Spieler gefreut, dass sie nach zwei richtig starken Jahren aufsteigen durften, auch wenn es eine durch Corona verkürzte Saison war. Der Aufstieg war verdient. Fakt ist nun aber ganz klar, dass wir nur um den Klassenerhalt spielen. Und der Gedanke allein macht schon hier und da nervös. Aber es ist eine positive Anspannung.

Bei der Viktoria ist in den letzten 5 Jahren viel passiert. Rückzug aus der Verbandsliga, personelle Veränderungen und und und. Wo verortet sich der Club denn selbst? Ging die Entwicklung am Ende sogar wieder zu schnell nach oben?

Nein, das denke ich nicht. Zuerst will ich aber sagen, dass die Konstellation wirklich eine ganz andere als beim Aufsteigerteam vor ein paar Jahren ist. Wir haben nun zu 95 Prozent einheimische Spieler aus Nidda. Langfristig möchten wir uns auf Gruppenliga-Niveau etablieren. Das erste Jahr dort wird jetzt das Schwierigste. Aber nach und nach auf der Ebene festigen, das sollte nun das Ziel sein. Und toll ist, dass wir wieder eine Reserve haben, die uns stärken kann und das Vereinsleben bereichert. Dieses soll ohnehin wieder einen größeren Stellenwert einnehmen. Ein gutes Vereinsleben, realisitische sportliche Ziele, das wünsche ich mir. Ein Blick nach ganz oben muss momentan nicht sein. 

Du hast mit deinen 38 Jahren schon unter vielen Trainern gespielt. Von welchem hast du am meisten mitgenommen für deine eigene Trainingsarbeit? Oder blöd gefragt: Wer war dein "Ferdiflüsterer"?

Da würde ich Thomas Biehrer nennen aus meiner Zeit beim SV Bernbach. Er hat Spielern eine komplette Gleichbehandlung zukommen lassen. Es war egal, ob du der Top-Goalgetter warst oder Ersatzmann. Dazu war sein Training sehr professionell. Das war damals 2004 für mich neu und hat mich sehr geprägt. Davon konnte ich viel mitnehmen und es hat mich weitergebracht. Wir sind in diesem Jahr auch Verbandsliga-Meister geworden.

Wo hast du dein schönstes Stadionerlebnis gefeiert?

Das war letztes Jahr im Mai in Istanbul. Ich war mit meiner Frau dort, Galatasaray hat im Topspiel um die Meisterschaft 2:1 gegen Istanbul BB gewonnen und den Titel klargemacht. Das war richtig gut, ein toller Tag!

Wenn dein Haus - was wir dir nicht wünschen - irgendwann in Flammen stehen sollte, welche 2 Dinge außer der Familie würdest du retten?

Nach meiner Familie wäre alls andere zweitrangig, aber ich würde die Sporttasche meiner Kinder retten, die ist ihnen sehr wichtig. Außerdem unsere Reisepässe.

Sehr vernünftige Antwort! Und welche schlechte Angewohnheit würdest du bei dir gerne abstellen?

Ich neige auf dem Platz manchmal zu Überreaktionen. Dann ärgere ich mich später über Entscheidungen oder Aktionen, die ich im Nachhinein so nicht hätte machen wollen. Das würde ich gerne lassen können. 

Abschließend natürlich noch die Frage: Wer soll dein Interviewstaffel-Nachfolger sein? 
Alit Usic von Türk Gücü Friedberg.





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