JuventUSO - Der Name entstand aus einem Wortspiel
Dienstag 07.11.17 17:00 Uhr|Autor: Marcel Peters 1.043
Mit großer und teilweise lustiger Medienpräsenz will der Verein sich selber ein große Freude machen

JuventUSO - Der Name entstand aus einem Wortspiel

Ryu Kelevra ist bei JuventUSO Gründer, Verantwortlicher, Ansprechpartner, Trainer und Spieler in einem. Sein Herzensprojekt raubt viel Zeit, bringt aber viel Abwechslung und Spaß im Alltag.

Ein Bericht von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/ - regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Ryu Kelevra ; Fotos:Juventuso Facebook




Es gibt im Berliner Fußball so viele Mannschaften. Ambitionierte und weniger ambitionierte, 1., 2. oder 3. Mannschaften. Regelbetrieb oder Freizeitteam. Wie kommt man auf die verrückte Idee eine neue Mannschaft zu gründen?

Ich würde sagen, das heutige System ist der Grund hierfür. Als wir alle im Freundeskreis noch Studenten waren, konnten wir sehr viel Zeit miteinander verbringen. Jetzt haben alle erfolgreich absolviert und sind zum Großteil verheiratet. Bei einer 40h-Woche bleibt nicht mehr viel Zeit. Also habe ich mir gedacht, ich suche einen Schnittpunkt, durch den wir uns regelmäßig wieder sehen können. Aufgrund der Affinität zum Fußball entschied ich mich zur Gründung einer neuen Mannschaft.

Sind in deinem Team auch Spieler von außerhalb Willkommen oder besteht ihr auf euren festen Freundeskreis?

Wir freuen uns immer wieder, wenn Leute von “außerhalb” uns kontaktieren und gerne mal vorbeischauen möchten. Wir werden sehr oft, vor allem während dem offenen Transferfenster über Facebook diesbezüglich angeschrieben. Der enge Freundeskreis hatte zu Beginn lediglich nur das Fundament gebildet, inzwischen sind wir ein 25-Mann Kader bestehend aus den unterschiedlichsten Kulturen und Religionen und genießen diesen interkulturellen Austausch in vollen Zügen. Vor allem wenn wir dann mal Mannschaftsfeiern gestalten und jeder die Spezialitäten aus seinem Herkunftsland mitbringt. Das erklärt sicherlich auch den einen oder anderen Bauch in unseren Reihen.

Bist du nur Gründer und Ansprechpartner oder auch Trainer beziehungsweise Spieler?

Korrekt! Ich bin Gründer und Verantwortlicher des Projekts und gleichzeitig auch Spielertrainer.

Das raubt dir wahrscheinlich mehrere Stunden Zeit pro Woche. Was gibt dir am Ende das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben?

Natürlich raubt es ordentlich Zeit, vor allem weil wir auch versuchen das Projekt Medial humorvoll aufzuziehen. Sachen wie Bilder bearbeiten oder Videos zusammenschneiden erledigen sich nicht in wenigen Minuten. Aber wenn man weiß und auch das Gefühl hat, dass man das für die richtigen Menschen macht, dann macht es sehr viel Spaß und man sieht es am Ende eher als Gewinn an statt als Zeitverlust. Hinzu kommt natürlich auch die positive Resonanz die wir aus dem Umfeld erhalten und das motiviert einen immer dazu noch mehr Gas zu geben.

Ich finde deine bzw. eure Arbeit klasse. Auf eurer Facebook-Seite werden beispielsweise Spiele im FIFA-Look angekündigt. Wieso legt ihr als „No-Name-Mannschaft“ so viel Wert auf die Öffentlichkeitsarbeit und wen wollt ihr damit erreichen?

Also an erster Stelle machen wir das für uns selber. Für viele von uns ist Juventuso die letzte Station im Fußballleben, deshalb möchten wir unseren eigenen Film fahren und es so schön wie möglich gestalten. Vor allem das Bild - und Videomaterial soll für schöne Erinnerungsmomente sorgen, wenn man nach langen Jahren wieder einmal zurückblickt. Natürlich spielen aber auch noch weitere Aspekte hier mit rein, wie z.B. Reichweite. Den Spaß den wir uns erlauben mit all den Sachen von zwei Trikotsets, bis Präsentationsanzügen, bis hin zu Aufwärmshirts und Pullis usw. kostet natürlich auch ordentlich Kohle. Deshalb bietet eine aufsehenerregende Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Grundlage um starke Argumente in der Hand zu haben wenn man auf Sponsoren zugeht.

Aus einem Joke wurde Realität. Die Mannschaft tritt mit eigen kreirten Trikots auf

Aus einem Joke wurde Realität. Die Mannschaft tritt mit eigen kreirten Trikots auf

Du hast dich entschieden als dritte Mannschaft von Union Südost an den Start zu gehen. Gibt es zu dem Verein eine besondere Verbindung oder nur die Nähe?

Eine besondere Verbindung in dem Sinne gab es nicht. Ich war auf der Suche nach einem Verein, der mir einmal ermöglicht meiner Kreativität freien Lauf zu lassen und andererseits auch die Nähe für alle Beteiligten gegeben ist. Wir laufen mit eigenen Trikots auf, mit eigenem Emblem drauf und vielen anderen Punkten, die man nicht in jedem Verein genehmigt bekommt. Da wird denn oftmals darauf beharrt, dass im Vereinstrikot aufgelaufen wird oder wenigstens in den Vereinsfarben. Union Südost hat uns mit ihrer familiären Kiez-Atmosphäre von Beginn an die Arme geöffnet und dafür sind wir auch bis heute sehr dankbar.

Ja, eigentlich seid ihr nur unter „Juventuso“ bekannt. Man könnte davon ausgehen ihr seid ein italienischer Fan-Club?

Der Name entstand eigentlich durch ein humorvoll gemeintes Wortspiel von mir. Ich hatte mit der Planung für das Projekt schon knapp ein Jahr im Voraus begonnen. Als ich dann sechs Monate vor Saisonbeginn den Kader mehr oder weniger fest zu stehen hatte, ließ ich die Mannschaft zwischen sechs unterschiedlichen Trikots abstimmen. Gewonnen hatte ein Schwarz-Weiß gestreiftes Trikot, was ähnlich aussah wie das von Juventus. Union Südost kürzt sich ja als USO ab und Juventus endet ja auf US, irgendwie hatte ich dann mal das Wort JuventUSO rausgehauen, wir haben alle gelacht und geschmunzelt. Doch mit der Zeit gefiel uns die Idee dem Projekt einen eigenen Namen aufzusetzen und so folgte die eine Idee nach der anderen.

Deine Vision nahm immer konkretere Formen an. Ein Jahr nach Gründung habt ihr nun schon beachtliche Erfolge gefeiert. Habt ihr Spieler mit reichlich Erfahrung in den Reihen oder lebt ihr durch die mannschaftliche Geschlossenheit?

Der Berliner Amateurfußball macht in den vergangenen Jahren leider oftmals negative Schlagzeilen in Bezug auf das Verhalten auf dem Sportplatz. Deshalb habe ich meine Kriterien bei der Wahl der Spieler für das Projekt schwerpunktmäßig auf das soziale Verhalten gelegt, die fußballerische Kapazität stand hierbei erst mal nicht im Vordergrund. Am Ende wurde es eine gesunde Mischung. Wir haben Spieler die problemlos die Klasse haben Bezirksliga oder sogar Landesliga zu spielen, dann haben wir aber auch mehrere Spieler die mit 30 Jahren das allererste Mal im Verein Fußball spielen. Unser Interesse lag aus diesem Grund überhaupt nicht darin erfolgreich zu werden, sondern einfach Spaß zu haben und das Zusammenkommen zu genießen. Ich denke unser Projekt war ein sehr gutes Beispiel, dass man mit einer gesunden Mannschaftsatmosphäre und Spaß am Fußball erfolgreich sein kann. Gleich im ersten Jahr sind wir aufgestiegen, sind dann noch Berliner Hallenmeister geworden und sind kurz am Pokalwunder vorbeigeschrammt, als wir im Halbfinale gegen den späteren Pokalsieger knapp 0:1 verloren haben.

Ich merke, bisher ging es stets steil bergauf. Rechnest du auch mit Rückschlägen oder kalkulierst du diese nicht mit ein?

Also sportliche Rückschläge kann es für uns nicht geben, da wir keinerlei Ambitionen haben auf Biegen und Brechen erfolgreich zu sein. Natürlich sind wir ehrgeizig und geben immer unser Bestes, aber wir verlieren lieber auf ehrliche Art und Weise in dem wir alles gegeben haben, anstatt irgendwie einen unfairen dreckigen Sieg mit nach Hause zu nehmen. Die einzigen Rückschläge die wir haben können und auch schon hatten, sind Verletzungen. Leider gehören diese zum Sport immer dazu, aber vor allem mir als Verantwortlichen tut es immer sehr weh mit anzusehen wenn sich Freunde ernsthaft verletzen. Im Hinterkopf denke ich mir dann manchmal, hätte ich dieses Projekt nicht auf die Beine gestellt, würde er jetzt nicht knapp sechs Monate auf Krücken laufen.


Verlinkte Inhalte

Interessante Artikel


FuPa Hilfebereich