
giessen. Daniyel Cimen hört sich entspannt an an diesem Morgen. Der Trainer des Fußball-Hessenligisten SC Teutonia Watzenborn-Steinberg hat die Saison bereits mit dem Kreispokalsieg am vergangenen Pfingstmontag abgeschlossen, konnte sich also bereits ein paar Tage zurücklehnen und den für den TSV Lehnerz so spektakulären wie unglücklichen Abschluss ebenso gelassen verfolgen wie den Aufstieg der zweiten Mannschaft der Teutonen, „was uns ungeheuer hilft im Hinblick auf die kommende Saison“.
Zwar laufen die personellen Planungen „bereits auf Hochtouren“, aber „ich genieße jetzt schon die fußballfreie Zeit. Wir haben an diesem Wochenende auch das letzte Spiel mit Hanau gehabt. Jetzt ist es mal ruhiger.“ Was der Ex-Profi, der künftig als Steuermann des FC Giessen fungiert, aber auch gleich relativieren muss: „Am nächsten Wochenende stehen gleich zwei Hochzeiten an, da ist auch ganz schön was los“, gibt der 33-Jährige Einblick in sein Fußball-Alternativ-Programm.
Auf den letzten Drücker hat es der TSV Lehnerz jetzt doch nicht geschafft. Und die entscheidenden Punkte wohl gegen den künftigen Fusionspartner Borussia Fulda verloren. Wie empfinden Sie das, der Sie mit den Teutonen lange Konkurrent um den Relegationsplatz waren?
Es ist definitiv eine skurrile Situation für den Verein. Aber es ist auch extrem sportlich von Fulda und jetzt auch Lohfelden gewesen. Für beide ging es um nichts beziehungsweise im Falle von Fulda sogar um die eigene Zukunft und trotzdem haben sie alles gegeben. Da ziehe ich den Hut vor, weil der Sport der Gewinner ist. Es zeigt auch, wieviel im Fußball möglich ist. Ich denke, selbst Alzenaus Trainer hat mit dieser Wendung nicht mehr gerechnet. Am Ende aber ist es immer gleich: Wer oben steht, der hat es auch verdient. Das gilt für Dreieich ganz besonders, jetzt aber auch für Alzenau.
...und Sie sind sicher froh, dass die Fusion mit dem VfB 1900 Gießen nicht so belastet ist wie jene von Fulda und Lehnerz...
Ja, das ist wahr. Ich habe da schon einiges gehört, was nach dem Fuldarer Sieg los war. Die Verantwortlichen haben sicher einigen Redebedarf. Auch wenn ich noch einmal betonen möchte, dass es im besten Sinne sportlich war, auch als künftiger Partner auf dem Platz Vollgas zu geben. Bei uns ist das eine andere Situation. Ich freue mich über die Fusion.
Nach der Runde kann man es ja fragen: Hatten Sie zum Zeitpunkt Ihres Wechsels nach Watzenborn ernsthaft damit gerechnet, der Relegation noch einmal so nahezukommen?
Das war gar nicht unser Ziel. Ich hatte zunächst als Außenstehender den Eindruck, dass die Mannschaft unter einem Riesendruck stand. Dieses postulierte Ziel, man müsse unbedingt aufsteigen, hat die Mannschaft extrem verunsichert. Auch als ich angefangen habe, habe ich gemerkt, wie verkrampft das Team war. Unser Ziel war es deshalb erst einmal, den Dampf vom Kessel zu nehmen, damit die Jungs wieder Spaß am Fußball haben. Bis zum Winter waren weiter reichende Vorgaben deshalb auch kein Thema. Dass die Mannschaft so eine Serie hingelegt und Qualitäten gezeigt hat, hat mich absolut überzeugt. Das zeigt den Charakter der Jungs.
Waren und sind Sie mit den Arbeits- und Trainingsbedingungen zufrieden?
Ja, schon. Aber natürlich gibt es immer Verbesserungsbedarf. Das wissen die Vereinsverantwortlichen auch. Bei Watzenborn konnte die Infrastruktur und das Umfeld mit dem sportlichen Erfolg zunächst nicht mitwachsen, das ging alles zu schnell mit der Regionalliga. Aber deshalb wird ja jetzt auch mit dem FC Giessen versucht, sich komplett neu aufzustellen. Mit der Spielstätte wird ein Schritt gemacht, dadurch ist dann der Rasen in Watzenborn nicht so beansprucht, zudem wird ein verbesserter Kunstrasen auch weiterhelfen. Wenn dort eine Art Trainingszentrum entsteht, dann passt das alles.
Neuzugang NennhuberAuch wenn Sie momentan fußballfrei haben, laufen die personellen Planungen sicher auf Hochtouren...
Ja, da sind wir dran, um punktuelle Verstärkungen zu erreichen. Rafael Szymanski, Louis Goncalves, Denis Lemke, Ugur Arslan, Mustafa Yaman und Aziz Toprak werden den Verein verlassen, mit Damian Marceta sind wir gerade in Verhandlungen. Außerdem haben wir ganz aktuell Kevin Nennhuber von Waldhof Mannheim verpflichtet. Das kam natürlich auch über die Kontakte von Michael Fink zustande, aber Kevin wollte sich auch neu orientieren. Er ist Innenverteidiger, Linksfuß und sehr erfahren, das passt. Offensiv haben wir ja schon einiges getan, einen Außenverteidiger und einen Mann fürs defensive Mittelfeld suchen wir aber noch. Es wird einen kleinen Umbruch geben.
Die 2. Mannschaft ist am Sonntag in die Verbandsliga aufgestiegen, wie wichtig ist das für Sie und wie ist der Kontakt zu Gino Parson, der ja immerhin für Sie bei der Ersten weichen musste?
Wir haben im Trainerteam einen guten Austausch, werden das aber in der kommenden Runde noch intensivieren. Deshalb ist der Aufstieg der zweiten Mannschaft ein Glücksfall für den Verein. Mit einem Hessen- und einem Verbandsligisten sind wir bestens aufgestellt, weil die talentierten Spieler, die es noch nicht in die Hessenliga schaffen, auf gutem Niveau Spielpraxis erhalten und andererseits Spieler der Ersten in der Zweiten auch auf vernünftigem Niveau helfen können, ich denke da zum Beispiel an die Heranführung nach Verletzungen. Deshalb ist Verbandsliga top. Ich hoffe jetzt, dass der VfB mit den A-Junioren doch noch die Hessenliga hält. Dann sind wir da schon sehr gut aufgestellt.
Wann geht es wieder los mit dem Trainingsbetrieb?
Voraussichtlich am 18. Juni, wir sind da mit der Uni in Kontakt und würden an diesem Tag erst einmal Sprint- und Ausdauertests durchführen, am 19. Juni starten wir an der Neumühle.
Dann haben Sie ja jetzt erst einmal Zeit, die Pokalsiege zu genießen, mit Watzenborn und Hanau haben Sie an Pfingsten den Kreispokal gewonnen und ihr Ex-Verein Eintracht Frankfurt wurde auch noch DFB-Pokalsieger. Und das auch noch gegen den FC Bayern München.
Ja, dreifacher Pokalsieger. Das war mir als Spieler nicht vergönnt. Vor allem in Sachen Eintracht war das nicht unbedingt zu erwarten. Das war ein wirklich schöner Ausklang der Saison.