
Türkischer SC Kamen - Rot-Weiß Unna II 3:2
Der Sport rückte am Sonntagnachmittag beim TSC Kamen in den Hintergrund, obwohl das Topspiel fußballerisch Einiges zu bieten hatte. Den besseren Start erwischten zweifelsohne die vor Selbstbewusstein strotzenden Gäste: Aus 20 Metern fasste sich Oliver König ein Herz und erwischte den Tabellenführer eiskalt (15.). Wie TSC-Trainer Gültekin Ciftci vor dem Spiel vermutet hatte, bestätigte Rot-Weiß seine Defensivstärke der letzten Spiele und stand im Abwehrverbund erneut sehr kompakt. Angeführt von Kapitän Andreas Maisinger setzten die Kreisstädter immer wieder Nadelstiche und stellten den behäbig agierenden Spitzenreiter vor Probleme - mit der 1:0-Führung ging es in die Kabine.
Die war nach sieben Minuten im zweiten Durchgang dahin, nachdem sich Ahmet Keske gegen zwei RWU-Verteidiger durchgesetzt und zum Ausgleich vollstreckt hatte. "Wir haben uns durch die Emotionalität verunsichern lassen, sind danach durch zwei individuelle Fehler in Rückstand geraten. Ein Unentschieden wäre verdient gewesen, aber unter dem Strich ärgere ich mich heute aber weniger über die Niederlage als über die heimischen Zuschauer", verweist RWU-Trainer Marc Schmitt auf unschöne Szenen während des Spiels und in der Halbzeitpause. Doch dazu später mehr, denn auch nach dem 1:1 wurde Fußball gespielt: Nach einer guten Stunde setzte Fatih Dündar einen Strafstoß nach Foul an Keske über das Tor, bewies später aber doch noch ein feines Füßchen, als er mit einem Pass auf seinen Bruder Okay die gesamte Unnaer Hintermannschaft aushebelte und ihm leichtes Spiel machte - Spiel gedreht (78.). Nur 120 Sekunden später ließ sich die nicht mehr wiederzuerkennende Verteidigungsreihe der Gäste vom starken Keske narren, der Joker Okay Dündar sein zweites Tor vorlegte. Der Anschlusstreffer des ebenfalls eingewechselten Christoph Gnatowski kam für Unna zu spät (87.).
Nach dem Schlusspfiff ärgerte sich Unnas Coach Marc Schmitt über die Leistung des Unparteiischen, wollte ihm aber dennoch keine Schuld an der Niederlage seines Teams geben. "Wenn er eine solch aggressive und wütende Masse am Spielfeldrand hat, die jede seiner Entscheidungen lautstark kommentiert und ihn sogar verbal angeht, dann kann man ihm keinen Vorwurf machen, dass er nicht unparteiisch pfeift", sagte Schmitt, der ansonsten nichts mehr zur Leistung von Gordon Keil sagen wollte. "Ich erkenne die Niederlage an, auch wenn ich der Meinung bin, dass wir es heute vor allem im ersten Durchgang sehr gut gemacht haben. Der TSC hat eine individuell sehr stark besetzte Mannschaft."
Empört zeigte sich Schmitt dagegen über nicht-sportliche Mittel, denen sich der TSC bediente. "Ich werde jetzt einigen Leuten aus unserem Kreis aus der Seele sprechen, wenn ich sage, dass es so nicht weitergeht. Ich habe nichts gegen Emotionen, aber was heute zum wiederholten Male vorgefallen ist, übertrifft einfach alles und hat nichts mehr mit unserem Amateursport zu tun, der in erster Linie Spaß machen soll", ging der Unnaer Übungsleiter mit den Zuschauern und Spielern des TSC Kamen hart ins Gericht. Von der durch die Zuschauer verursachten, hitzigen Atmosphäre hätten sich nämlich scheinbar auch die Kamener Spieler anstecken lassen und seien bereits im ersten Durchgang handgreiflich geworden. So berichtet Schmitt von einer Tätlichkeit gegen seinen Verteidiger Dominik Neugebauer, die Schiri Keil nach eigener Aussage nicht gesehen habe.
Als sein Team nach der Kabine auf den Platz zurückkehrte, sollen auch Außenstehende die Gästespieler verbal und körperlich angegangen sein. Demnach soll sich einer der Akteure zu einem Schlag ins Gesicht des Unnaer Kapitäns Maisinger hinreißen lassen haben. "Er hat es im Nachhinein vor Zeugen zugegeben, die Sache ist klar", weiß Marc Schmitt, der mitansehen musste, wie auch Torschütze Oliver König einen Schlag abbekam. Zum zweiten Mal angegangen worden sein soll dann Dominik Neugebauer, dem Fatih Dündar, nach eindringlichen Drohungen im ersten Durchgang, einen Pferdekuss verpasst haben soll. Alles unter den Augen des Unparteiischen, der wieder nichts gesehen haben wollte. "Es ist ein Unding, dass das Spiel nach einer solchen Rudelbildung wieder angepfiffen wurde", war Schmitt fassunglos, der sich im Anschluss mit einem Ordner an seiner Trainerbank herumschlagen musste. "Auch das habe ich absolut nicht verstanden, denn es war weit und breit kein Zuschauer in meiner Nähe. Dieser "Ordner" hat mit seinen Beleidigungen nur noch mehr Unruhe gestiftet."
Paradoxerweise fühlten sich nach Abpfiff die heimischen Zuschauer, die laut Aussage Schmitts mehrere Gästefans als "Nazis" betitelten, angegriffen, als er darauf hinwies, dass der Kamener Spieler seinen Schlag zugegeben habe. Daraufhin sei er körperlich von einem Zuschauer angegangen und weiter beleidigt worden sein. "Das war nicht das erste Mal, dass sowas beim TSC passiert", merkte Schmitt an, der eine Reaktion der Verantwortlichen des Kreises forderte. "Da muss eingegriffen werden, es muss zumindest ein Schiedsrichtergespann geschickt werden. So macht das ganze keinen Spaß."
Sein Trainerkollege vom TSC Kamen nahm den Schiedsrichter hingegen in Schutz und verwies auf den Spielbericht, dem sich Gordon Keil mit Sicherheit bedient hätte, wenn es zu Ausschreitungen gekommen wäre: "Es war nur ein Wortgefecht zwischen zwei Spielern. Ich weiß nicht, warum Unna jedes Jahr sowas gegen uns abzieht. Die kommen hierher, um zu provozieren und das Spiel hitzig zu machen. Die sollen einfach Fußball spielen, langsam reicht es".
Schiedsrichter: Gordon Keil - Zuschauer: 56
Tore: 0:1 Oliver König (15.), 1:1 Ahmet Keske (52.), 2:1 Okay Dündar (78.), 3:1 Okay Dündar (80.), 3:2 Christoph Gnatowski (87.)
UPDATE (00:23 Uhr):
TSC-Trainer Gültekin Ciftci hat zu den Vorfällen Stellung bezogen: "Ich bin wirklich schockiert über die Aussagen, das ist eine absolute Frechheit. Marc Schmitt redet so, als ob wir im Krieg wären. Ich werde nicht zulassen, dass er derart schlecht über den Verein TSC Kamen und die Spieler redet. Das wird ein Nachspiel für ihn haben." In seinen Augen habe Schmitt bewusst während des Spiels und nach Abpfiff immer wieder provoziert. "Komischerweise passiert so etwas immer in Spielen mit Unnaer Beteiligung, nicht aber bei Spielen des TSC", feuerte Ciftci zurück.
Dass Engin Duman involviert gewesen sei, verneint er: "Er hat so etwas nicht nötig. Die ganze Liga kennt ihn und weiß um seine Fairness." Schmitt solle "den Ball flach halten und auf seine eigenen Spieler schauen" und nicht mit Drohungen den Verband aufhetzen. Ciftci stieß zudem übel auf, dass keiner der RWU-Verantwortlichen zur Freigabe des Spielberichts erschien.