Zweite Mannschaften der Profis als Auslaufmodell?
Donnerstag 09.04.15 16:30 Uhr|Autor: FuPa/PH4.314
F: Sigel

Zweite Mannschaften der Profis als Auslaufmodell?

Ein Blick auf die Lage im Westen
Seit es Profiteams erlaubt ist, die zweite Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden, haben einige Vereine diese Möglichkeit genutzt. Das prominenteste Beispiel am Mittelrhein ist Bayer 04 Leverkusen. Wie sieht die mittelfristige Zukunft der U23-Mannschaften aus?


Zu Beginn der Saison schaffte die DFL zuvor bestehende Pflicht einer zweiten Mannschaft für die Vereine der 1. und 2. Liga ab. Mit Eintracht Frankfurt, dem FSV Frankfurt und Bayer 04 Leverkusen, dem Antragsteller der Regeländerung, schafften auch direkt drei Teams ihre Reservemannschaften ab. Die große Mehrheit blieb jedoch beim gewohnten Prinzip. Vereinzelte Überlegungen gibt es aber zweifellos. Zur neuen Saison meldet auch der VfL Bochum seine zweite Mannschaft vom Spielbetrieb in der Regionalliga West ab.

Die Argumente der Vereine

Für die Abschaffung sprechen in erster Linie die Kosteneinsparung und veränderte Konzepte der Vereine zur Nachwuchsförderung. Durch die Abmeldung einer zweiten Mannschaft lässt sich ein nicht geringer Beitrag einsparen. Dieses Budget könnte aber auch die Ausbildung eines kommenden Bundesligaspielers fördern. Da in den letzten Jahren viele Spieler bereits in jungen Jahren den Sprung geschafft haben, scheint eine Übergangsphase zum Teil nicht notwendig zu sein. Große Talente wie Lukas Podolski können es mit Vertrauen des Trainers auch ohne den Zwischenschritt direkt schaffen.

Aber gerade einige Profis des 1. FC Köln haben den Sprung erst über Spielpraxis in der vierten Liga geschafft: Jonas Hector, Adam Matuschyk, Timo Horn oder Yannick Gerhardt.  Die Mehrheit der Spieler einer zweiten Profimannschaft schaffen es in der Regel nicht in die ersten beiden Ligen und werden daher quasi "mitgezogen". Andererseits fällt durch die Abmeldung der zweiten Mannschaft auch die Möglichkeit weg, verletzten oder formschwachen Spielern Matchpraxis zu geben.

Ein weiterer Faktor ist die Ligestufe, in der sich der Nachwuchs messen kann. Die A-Junioren-Bundesliga West verfügt über ein gutes Niveau. Auch die 3. Liga bietet den Talenten Spielpraxis auf sehr gutem Niveau. Der Leistungsunterschied zwischen der Regionalliga und der Bundesliga ist für nicht wenige Talente ein großes Hindernis. Unterhalb der vierten Liga wird der Leistungsunterschied im Vergleich zur Ersten Mannschaft dann allerdings groß.

Die Konseuqenzen für die Nachwuchsspieler

Für die U-19-Spieler wird sich die Konkurrenzsituation noch verstärken. Wenn ein Verein keine zweite Mannschaft mehr hat, müssen sich die Akteure früher über ihre Zukunft klar werden. Im Grunde gibt es nach Ende der Spielberechtigung für die A-Jugend drei Möglichkeiten. Im Optimalfall schafft der Spieler direkt den Sprung in den Kader der Profis. Es bleibt aber auch die Möglichkeit einer Leihe, um sich verbessern zu können. Oder der Spieler verlässt den Verein direkt endgültig und sucht sein Glück woanders. Die Möglichkeiten der Spielpraxis für Talente in Profimannschaften werden dabei kleiner, wenn es nicht private Nachwuchsrunden etc. gibt.

Auswirkungen für die Amateurligen

Zweite Mannschaften der Bundesligisten werden in der 4. Liga nicht gern gesehen, gelten sie doch nicht gerade als Zuschauermagneten. Durch die Abmeldung der Zweitvertretungen wird mehr Platz für andere Vereine frei, für vermeintlich "echte" Amateure. Viele Talente wechseln früher zu anderen Vereinen und auch der Zuschauerschnitt dürfte mit weniger U23-Teams steigen.

Daten und Ausblick

2. Mannschaften in der 3. Liga: 3

2. Mannschaften in den 4. Ligen: 22

In der Regionalliga West hat der VfL Bochum seine zweite Mannschaft abgemeldet und steht damit als Absteiger fest. Alle anderen U-23-Mannschaften haben einen Zulassungsantrag für die Regionalliga gestellt. Der FC Schalke II kämpft noch um den Klassenerhalt. Mit Mönchengladbach II könnte sogar eine weitere zweite den Sprung in die 3. Liga schaffen. Nach einer "Testphase" kann mit Entscheidungen einiger Vereine bezüglich des Verbleibs ihrer zweiten Mannschaften in der kommenden Saison gerechnet werden.



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