
Bereits am Dienstag (19.30 Uhr, Sportpark Nord) stellt sich der Drittliga-Absteiger VfL SF Lotte im Sportpark vor – ebenfalls alles andere als eine leichte Aufgabe.
Der BSC ist da, wo er eigentlich nicht hinwollte, er liegt nämlich auf Rang 15 und damit auf einem der möglichen fünf Abstiegsplätze. Mitten hinein in den sich abzeichnenden Abstiegskampf platzte nun auch noch der Rücktritt von Sportdirektor Thomas Schmitz, der in dieser Woche nach mehr als sieben Jahren sein Amt zur Verfügung stellte. Kompetenzgerangel, von dem der BSC-Vorstandsvorsitzende Dirk Mazurkiewicz im GA-Interview nicht sprechen wollte, waren für Schmitz ausschlaggebend für den Rückzug.
„Es gab zuletzt einige strukturelle Veränderungen im Verein, mit denen ich mich nicht mehr identifizieren konnte“, sagt Schmitz. „Als Sportlicher Leiter war ich gewohnt, mit dem Trainer gemeinsam die Verantwortung für den Kader und das sportliche Abschneiden zu tragen. Leider haben sich in dieser Transferperiode andere Personen eingemischt und wollten Mitspracherecht in den sportlichen Dingen. Das wollte ich nicht mehr mitmachen.“ Namen willSchmitz nicht nennen.
Ausdrücklich lobt der 39-Jährige die Zusammenarbeit mit Stephan Engels. Der ehemalige Nationalspieler hatte ihn vor der Saison bei der Kaderplanung unterstützt. Auch die Zusammenarbeit mit BSC-Trainer Thorsten Nehrbauer funktionierte. „Wir waren ein gutes Team“, meint Schmitz. Eine Ansicht, die auch Nehrbauer unterstreicht. „Wir haben sehr gut zusammengearbeitet. Jetzt brauchen wir schnellstmöglich adäquaten Ersatz“, sagt der 41-Jährige, der in die Suche nach einem Nachfolger eingebunden ist.
Für Dirk Mazurkiewicz ist der Rückzug von Schmitz besonders bedauerlich. „Weil der sportliche Beirat sogar auf seine Initiative hin etabliert wurde“, meint der BSC-Vorstandsvorsitzende. „Allerdings“, räumt Mazurkiewicz ein, „gab es bei der Umsetzung Abstimmungsprobleme.“
So fühlte sich Schmitz nach eigener Aussage von der Verpflichtung des jungen Innenverteidigers Beqir Vatovci regelrecht überrumpelt. „Dieser Transfer ist an meinem Schreibtisch völlig vorbeigelaufen“, erklärt Schmitz. Auch der Transfer von Tiziano Lo Iacono ging letztlich ohne das Zutun des ausgeschiedenen BSC-Sportdirektors über die Bühne. „Schon vor geraumer Zeit hatte ich ein Angebot an dessen Berater abgegeben“, berichtet Schmitz. „Offenbar wurde jetzt von anderer Seite nachverhandelt.“
Beide Spieler haben eine Herkenrather Vergangenheit und stammen aus dem Pool an Aktiven, die unter der Ägide von Manfred Faber, jetzt Mitglied des sportlichen Beirats beim BSC, beim damaligen Regionalliga-Aufsteiger TV Herkenrath kickten.
Während der BSC durch die Tore von Alexander Hahn, Daniel Heber, Hedon Selishta und Ayodele Adetula bei einem Gegentreffer von Dario Schumacher per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1 bei Rot-Weiss Essen mit 1:4 verlor, schaute sich der ehemalige Sportliche Leiter ein Amateurspiel an. „Natürlich habe ich mit der Bonner Mannschaft mitgefiebert. Und natürlich bin ich traurig darüber, wie meine Ära beim BSC zu Ende geht“, sagt Schmitz. „Andererseits bin ich aber auch erleichtert und will jetzt erst einmal Abstand gewinnen.“
Ein Engagement beim BSC kommt für den 39-Jährigen auf absehbarer Zeit nicht mehr infrage. „Vielleicht später einmal.“ Den Bonnern wünscht der ehemalige Sportdirektor alles Gute. „Ich hoffe, dass sich der Verein so schnell wie möglich auf das Wesentliche besinnt.“
Das allerdings scheint derzeit ziemlich schwierig. Hohe Wellen schlägt zudem ein Facebook-Kommentar des einstigen Präsidenten und jetzigen BSC-Sponsors Matthias Möseler, der die Führung des Clubs mit deutlichen Worten an den Pranger stellt. Neben der sportlichen Kritik schrieb Möseler auf seiner privaten Facebook-Seite: „Also gesamt ist das katastrophal und viel zu teuer. Jeder Euro ist ein Euro zu viel. Geld in guten Händen, wie es diese Fuppeskampagne Glauben machen will. Ein Haufen Idioten.“ Die deutliche Kritik an den Rheinlöwen wollte Mazurkiewicz nicht kommentieren. „Wir haben intern beschlossen, uns dazu nicht zu äußern“, sagt der BSC-Vorstandsvositzende.
Derweil ist die Suche nach einem Schmitz-Nachfolger bereits in vollem Gange. Genannt wird unter anderem der ehemalige Trainer Daniel Zillken. „Ich bin zunächst einmal offen für alle Kandidaten“, sagt Nehrbauer. „Sicherlich hätte er einen Vorteil. Daniel Zillken kennt den Verein, und er kennt die Liga.“ Zillken selbst wollte zu einer möglichen Kandidatur allerdings nichts sagen.