Ohne Fans? -  »Dann können wir den Laden zusperren«
Montag 10.08.20 09:08 Uhr|Autor: Thomas Seidl 16.107
Ob die Ränge im bayerischen Amateurfußball weiter leer bleiben müssen, ist derzeit völlig ungewiss Foto: Martin Imruck

Ohne Fans? - »Dann können wir den Laden zusperren«

Einschränkungen oder gar unter Ausschluss von Zuschauern - BFV holt Meinungsbild von den höherklassigen Vereinen ein
Letzte Woche hatten die 90 bayerischen Landesligisten eine gemeinsame Video-Konferenz, in der es um die Zuschauer-Problematik ging. In diesen Tagen wird sich der Verbands-Spielausschuss um Verbands-Spielleiter Josef Janker mit den 17 Regionalligisten und 35 Bayernligisten "online" besprechen. Anfang September soll der Spielbetrieb wieder starten, in Bayern sind aber momentan bei Fußballspielen noch keine Zuschauer erlaubt. Ob sich das in nächster Zeit ändern wird, ist mehr als fraglich. Die Corona-Infektionszahlen in der Bundesrepublik steigen wieder, zudem enden in Bayern erst am 7. September die Sommerferien. Gerade die Urlaubsreisen bereiten den Politikern im Freistaat Kopfzerbrechen, denn das unsichtbare Virus kennt keine Landesgrenzen und ist zudem sehr aggressiv. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fährt einen Kurs der Vorsicht, daher ist es aktuell nur schwer vorstellbar, dass in nächster Zeit zu Amateur-Fußballspielen wieder unbegrenzt viele Zuschauer zugelassen werden.


FuPa hat sich bei ein paar Verantwortlichen von Bayern- und Landesligisten umgehört, die aber - verständlicherweise - nicht namentlich genannt werden möchten. "Wir sollen in dieser Woche schriftlich befragt werden, vor welcher Mindestanzahl an Zuschauern wir spielen oder ob wir im Extremfall sogar ohne Zuschauer spielen würden", berichtet ein Funktionär eines Landesligisten, der eine klare Meinung zu diesem Thema hat: "Wenn wir ohne Fans spielen müssen, können wir den Laden zusperren. Wir sind ein Verein, der gegen einen interessanten Gegner auch mal 250 oder 300 Zuschauer hat. Selbst wenn beispielsweise 200 Personen auf dem Vereinsgelände genehmigt werden, wäre das für uns fatal, denn mindestens 50, 60 Leute wären ja dann ohnehin schon Spieler und Verantwortliche. Wir kalkulieren, dass uns mit 100 Leuten im Schnitt weniger pro Heimspiel inklusive des Kiosk-Verkaufs um die 1.000 Euro fehlen. Das ist viel Geld, zumal wir trotz des angedachten Liga-Pokals ohnehin bis Sommer 2021 nur einen Bruchteil der Heimspiele haben, die wir in einer normalen Spielzeit hätten. Die Spielbetriebskosten sind aber trotzdem kaum weniger." 

Ein anderer Verantwortlicher wird ähnlich deutlich: "Es ist gut möglich, dass Vereine aus den Ballungszentren wie München damit einverstanden sind, vielleicht auch vor 100 Zuschauern oder gar unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu spielen. Einige dieser Klubs spielen ohnehin oft nur vor 50 oder 60 zahlenden Zuschauern. Aber für viele Land-Vereine wäre das ein absolutes Fiasko. Wir müssen eine ganz normale Vorbereitung machen und unsere Spieler haben den gleichen Aufwand wie in einer stinknormalen Winter- oder Sommer-Vorbereitung. Wenn Spieler fünfmal in der Woche zum Training oder Spiel kommen und dafür eine einfache Fahrtstrecke von 30 oder 40 Kilometern zurücklegen müssen, sind dafür verständlicherweise Aufwandsentschädigungen fällig. Ich kann zu keinem 20-jährigen Studenten sagen, es gibt dafür nichts mehr. Das wird alles noch ausarten, wenn nicht bald Klarheit herrscht. Von Vereinen und Spielern wird immer Solidarität eingefordert, diese erwarten wir uns nun auch vom Bayerischen Fußball-Verband." 

Janker: »Wir möchten ausloten, wo bei den Zuschauerzahlen die Schmerzgrenze bei den Vereinen liegt

Ein Vertreter eines Bayernligisten findet ebenfalls eindeutige Worte: "Wenn dieses Thema wirklich angeschnitten wird, würde ich das vom Verband nicht in Ordnung finden. Es wurde immer klar kommuniziert, dass es nur mit Zuschauern weitergeht. Wenn es Einschränkungen gibt oder gar ohne Fans gespielt werden soll, werden wir daraus unsere Konsequenzen ziehen." Das Thema ist also heikel, sehr heikel, das weiß auch Verbands-Spielleiter Josef Janker: "Wir sind in dieser Sache von den Beschlüssen der bayerischen Staatsregierung abhängig. Heute tagt der Ministerrat, dann werden wir vielleicht wieder etwas mehr wissen. Aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es irgendwelche Lockerungen geben wird." Die Einholung eines Meinungsbilds verteidigt der Oberpfälzer: "Wir möchten ausloten, wo bei den Zuschauerzahlen die Schmerzgrenze bei den Vereinen liegt. Der Bayerische Fußballverband möchte definitiv keine Pflichtspiele mit Zuschauer-Einschränkungen oder gar ohne Fans haben, aber wir müssen den Tatsachen realistisch gegenüberstehen. Wir möchten im September starten, aber es ist nicht davon auszugehen, dass wir das zu diesem Zeitpunkt ohne Zuschauer-Beschränkungen dürfen. Wenn wir es wie in der Kultur - dort sind bei Veranstaltungen im Freien 400 Personen erlaubt - genehmigt bekommen würden, wäre das - Stand heute - ein Erfolg." 

 

 

 


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Tabelle
1. Schweinfurt 2221 44
2. Nürnberg II 2226 43
3. SpV Bayreuth 2221 40
4. Aschaffenb. 2119 38
5. Gr. Fürth II 226 35
6. Eichstätt 2217 34
7. Aubstadt (Auf) 215 33
8. Buchbach 210 31
9. FC Augsburg II 215 28
10. SV Wacker 22-4 26
11. Illertissen 22-13 25
12. TSV Rain (Auf) 21-14 24
13. Heimstetten 22-11 23
14. Schalding 20-16 23
15. 1860 Rosenh. 22-24 21
16. FC Memmingen 20-11 19
17. VfR Garching 19-27 13
18. Türkgücü Mün o.W. (Auf) 00 0
Die vier Erstplatzierten spielen eine Aufstiegs-Playoffrunde um die Relegationsteilnahme, die dann gegen den Meister der Regionalliga Nord ausgetragen wird.

Tordifferenz zählt bei Punktgleichheit.
ausführliche Tabelle anzeigen

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