Portrait-Serie (29): Der Abwehrhüne aus dem Zwieseler Winkel
Sonntag 19.04.20 12:30 Uhr|Autor: Thomas Seidl 5.681
Ein Bild von Thomas Linzmeier (im Vordergrund) aus seiner Zeit beim ASV Cham, der in einem Freundschaftsspiel auf den FC Bayern München um Giovanne Elber traf

Portrait-Serie (29): Der Abwehrhüne aus dem Zwieseler Winkel

Der großgewachsene Ludwigsthaler Thomas Linzmeier war über viele Jahre einer der besten Verteidiger der Region +++ Als Spielanalyst schaffte der Realschullehrer dann sogar den Sprung in den Profifußball
Das Corona-Virus hat unseren Alltag momentan fest im Griff. Auf unabsehbare Zeit kann kein Fußball gespielt werden, deshalb möchten wir etwas in die Vergangenheit zurückblicken und uns den Typen widmen, die in den letzten Jahrzehnten herausragende Spielerpersönlichkeiten der regionalen Szene waren. Im 29.Teil der Portrait-Serie steht mit Thomas Linzmeier (49) ein Mann in unserem Fokus, der es als Spieler in den gehobenen Amateurbereich schaffte und später sogar dem Bundesliga-Trainerteam von Markus Weinzierl angehörte. 


Schönstes Erlebnis deiner Laufbahn....
An erster Stelle setze die Landesliga-Meisterschaft 1993 mit der SpVgg Plattling und den damit verbundenen Wiederaufstieg in die Bayernliga, welche damals die dritte Liga war.  Mit nur einer Niederlage marschierten wir souverän durch die Saison. Aber auch die DFB- Pokalspiele mit Plattling gegen Borussia Mönchengladbach, Mainz 05, Jahn Regensburg und Carl-Zeiss Jena sowie mit Post/Süd Regenburg gegen Hertha BSC Berlin bleiben natürlich immer in Erinnerung. Als Trainer werde ich den Klassenerhalt 2009 mit Jahn Regensburg in der U19-Bundesliga am letzten Spieltag bei der TSG Hoffenheim nie vergessen. Mit einem 3:1-Auswärtssieg konnten wir den Ligaverbleib sichern

Bester Kicker, mit dem du in einer Mannschaft zusammen gespielt hast...
Ich war ja bei einigen Vereinen und so durfte ich mit vielen sehr guten Spielern zusammenspielen. Jochen Weigl, Manfred Greilinger, Thomas Boxleitner und Manfred Köglmeier kann ich getrost herausheben. Das waren allesamt Ausnahmefußballer


Bei welchem Verein hattest du als Aktiver deine schönste Zeit...
Gefallen hat es mir grundsätzlich überall sehr gut. Die Zeit in Plattling mit den sportlichen Erfolgen in der 3. und 4. Liga, in einem familiären und trotzdem sportlich sehr ambitionierten Umfeld, war rückblickend aber sicherlich die schönste


Welches fußballerische Vorbild hattest du in deiner Jugendzeit...
Das Idol meiner Kindheit war zweifelsohne Klaus Fischer, der zu dieser Zeit auf Schalke und in der Nationalmannschaft große Erfolge feierte und zudem aus meinem Nachbarort Kreuzstrassl abstammt


Was nervt dich am heutigen Fußballgeschäft....
Am meisten nervt mich der Konflikt zwischen Vereinen und den sogenannten Fans. Dass hier die Person Dietmar Hopp zum Sinnbild dieses Konflikts gemacht wird, ist unerträglich. Wenn man sich näher mit ihm beschäftigt, und sieht was er vor allem in seiner Heimatregion, aber auch darüber hinaus, nicht nur im sportlichen, sondern auch im sozialen Bereich geleistet hat, finde ich es unmöglich, wie in einigen Stadien in letzter Zeit mit ihm umgegangen wurde


Hast du irgendetwas in deiner Laufbahn bereut...
Ein klares Nein. Es gibt immer und überall positive und negative Erfahrungen. Missen möchte ich nichts davon


Lieblings-Rückennummer...
5


Gibt es ein Spiel, das du nie vergessen wirst....
Das DFB-Pokalspiel 1993 mit der SpVgg Plattling gegen Mainz 05. Wir haben gegen den damaligen Zweitligisten dank drei Toren von Thomas Boxleitner mit 4:3 gewonnen und uns somit für die nächste Runde, in der wir dann den Erstligisten Mönchengladbach zugelost bekamen, qualifiziert. Bei den Mainzern standen unter anderem Jürgen Klopp und sein späterer langjähriger Co-Trainer Zeljko Buvac sowie der heutige Schalke-Trainer David Wagner in der Anfangself. Unvergessen sind aber auch vor allem die internationalen Spiele mit dem FC Augsburg an der Anfield Road in Liverpool oder mit Schalke in Saloniki und Amsterdam. In diesem Partien herrschte immer eine einzigartige Atrmosphäre

Bester Trainer, den du hattest....
Ganz klar Gustav Kagerbauer. Er hat mich beim SC Zwiesel als junger Spieler optimal gefördert und gefordert. Er konnte eine Mannschaft auf und neben dem Platz führen und wusste auch, wie er jeden Spieler anpacken musste. Auch Alfred Kohlhäufl, Karsten Wettberg und Sepp Beller waren herausragende Trainer, von denen ich viel lernen und mitnehmen durfte


Sinnloseste Regel im Fußball....
Karten für Trainer und die Handregel in der jetzigen Form. Mittlerweile weiß keiner mehr, wann ein Handspiel vorliegt und wann nicht


Größte Enttäuschung deiner Karriere...
Der Abstieg mit der SpVgg Plattling aus der Bayernliga 1994. Wir hatte eine richtig gute Mannschaft und aufgrund der Regionalliga-Einführung hätte es gereicht, Vorletzter zu werden. Wie wir es geschafft haben, Letzter zu werden, ist mir bis heute ein Rätsel. Eine Riesenenttäuschung war sicherlich auch die Entlassung auf Schalke, die uns kurz vor dem Saisonende übermittelt wurde. Ein paar Wochen zuvor waren wir noch denkbar knapp in der Verlängerung gegen Ajax Amsterdam im Euro League-Viertelfinale gescheitert. Mit einem Weiterkommen wäre wohl vieles anders gelaufen

Lieblings-Fußballschuh...
Adidas Copa Mundial


Wo hast du auswärts nie gerne gespielt....
Im Stadion am Wasserwerk in Weiden. Ich habe da nicht einen einzigen Punkt geholt. Egal mit welchem Verein ich dort auch gespielt habe




Zur Person: 
Thomas Linzmeier begann seine Laufbahn beim TSV Lindberg, ehe er in seinem letzten Junioren-Jahr zum SC Zwiesel wechselte. Bei den Glasstädtern verbrachte der Verteidiger drei Spielzeiten, bevor es ihn 1991 zur SpVgg Plattling zog. In den drei Saisonen an der Rennbahn stieg der Waidler zweimal aus der Bayernliga ab und wurde zwischendurch Landesliga-Meister. Nach einem halbjährigen Gastspiel beim damaligen Bayernligisten SpVgg Landshut schloss sich Linzmeier dem 1. FC Kötzting an, dem zweieinhalb Jahre die Treue hielt. Als nächste Station hatte der Realschullehrer die SG Post/Süd Regensburg, mit der er jeweils zwei Spielzeiten in der Bayern- und Landesliga um Punkte und Tore kämpfte. Nach drei Jahren beim ASV Cham ließ Linzmeier seine aktive Laufbahn beim Freier TuS Regensburg ausklingen. 


2005 startete der Pädagoge seine Trainer-Karriere bei der U19 des TSV Kareth-Lappersdorf, die er zwei Jahre lang betreute. Anschließend coachte Linzmeier ein Jahr die "Erste" von Kareth, bevor er die U19 von Jahn Regesnburg zwei Spielzeiten in der Junioren-Bundesliga coachen durfte. Ab 2010 gehörte Thomas Linzmeier bei den Stationen Jahn Regensburg, FC Augsburg, FC Schalke 04 und VfB Stuttgart dem Trainerteam von Markus Weinzierl an und war für die Gegner-Analyse zuständig. 


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