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Sonntag 19.03.17 22:22 Uhr|Autor: Frank Steinseifer3.873
Die finanzielle Schieflage hat die Verantwortlichen der Sportfreunde Siegen zu dem Entschluss kommen lassen, sich nach der Saison in die Oberliga zurückzuziehen. Foto: fst

Paukenschlag im Leimbachtal

Sportfreunde ziehen sich aus Regionalliga zurück - aus finanziellen Gründen Neustart in der Oberliga

In Siegen brennt seit Samstag nicht nur die „rote Laterne“ des Tabellenschlusslichts, es brennt der ganze Baum. Die Sportfreunde Siegen kündigten nämlich am Wochenende einen „freiwilligen Rückzug“ aus der Regionaliga an! Ja, richtig gelesen. Die Sportfreunde Siegen entscheiden sich für eine Rückkehr in die Oberliga. Bereits seit Anfang vergangener Woche und somit weit vor dem Kellerduell im Baumhof von Sprockhövel vor trister Kulisse von 300 Zuschauern war eine Presseerklärung zum Regionalliga-Rückzug in Vorbereitung. Mit Rücksicht auf Spieler und Trainer, die die Entscheidung nicht aus der Presse, sondern im persönlichen Gespräch mitgeteilt bekommen sollten, wurde zunächst die Mannschaft am Sonntagmorgen beim Training über den Schritt informiert, verbunden mit der Auflage, Stillschweigen zu bewahren, bis die offizielle Presse-Mitteilung des Vereins gestern am späten Abend an die Öffentlichkeit ging.

Wie FuPa Südwestfalen bereits am Samstagmorgen erfuhr, wird der Traditionsverein Sportfreunde Siegen in der kommenden Saison nicht mehr in der Regionalliga vertreten sein. Das ist nicht das Ergebnis von Rechenspielchen, denn mathematisch gesehen wäre der Verbleib in der vierthöchsten Spielklasse bei elf ausbleibenden Partien zwar recht unwahrscheinlich, aber ja rein rechnerisch noch durchaus drin. Es ist abermals ein Finanzloch, das die Sportfreunde zu diesem schweren Schritt veranlasst. Der Verein erklärt den „Verzicht auf die Regionalliga wegen fehlender finanzieller Basis. Nach Informationen von FuPa Südwestfalen beträgt die Deckungslücke der noch laufenden Spielzeit rund 300 000 Euro.

Diesen Fehlbetrag wollen zwei, eventuell auch drei Privatleute mit einem Darlehen decken und damit die Kasse der Sporfreunde zum Saisonende auf „Null“ stellen und so zum 1. Juli 2017 einen Neustart ohne Altlasten ermöglichen. Die Zuwendungen sind jedoch an zwei Auflagen geknüpft: Die Sportfreunde werden auf dem Spielfeld bis zum letzten Spieltag alles daransetzen, den Klassenerhalt aus sportlicher Sicht zu schaffen, steigen jedoch aufgrund fehlender finanzieller Mittel freiwillig in die Oberliga ab, um so Schaden vom Verein abzuwenden. Bestandteil des Vertrages ist ebenfalls, dass die Geldgeber, die dem Verein eine zweite Insolvenz nach 2008 ersparen, inkognito bleiben und nicht namentlich genannt werden wollen.

Positiv formuliert heißt das: In der Spielzeit 2017/18 soll ein Neustart in der Oberliga erfolgen, mit einem geänderten finanziellen und sportlichen Konzept, das noch stärker auf die Jugendarbeit, Fußball-Jugend-Förderung und Integration eigener Nachwuchsspieler setzt. So werden aus der jetzigen U19-Mannschaft fünf Spieler in den Kader der Oberligamannschaft übernommen. Im oberen Leimbachtal ist ein „Haus des Sports“ zur Förderung des Jugendfußballs in der Region geplant. Dieses Förderkonzept steht unter der Federführung der 2009 von Dagmar Utsch-Stichhahn und Ehrenpräsident Manfred Utsch gegründeten Stiftung „Anstoß zum Leben“, mit Geschäftsführer Arno Gerono.

In die Neuausrichtung waren der Vorstand Sport Andreas Krämer, als auch der Sportliche Leiter Daniel Steuernagel von Beginn an involviert. Ob die Entscheidung, sich aus der Regionalliga zurückzuziehen, auch das Aus für den Cheftrainer Thorsten Seibert bedeutet, ist noch nicht bekannt. Der 36-jährige Dillenburger, der bereits nach dem 10. Spieltag die sowieso zum Saisonende geplante Nachfolge von Ottmar Griffel angetreten hatte und dessen Vertrag noch bis 30. Juni 2018 läuft, konnte bislang nicht den erhofften sportlichen Erfolg erzielen. Während man den Sauerländer Griffel nach 6 von 30 möglichen Punkten und einem Torverhältnis von 13:24 den Stuhl vor die Tür stellte, wurde es unter dem Hessen Seibert mit 10 von 39 Punkten und einem katastrophalen Torverhältnis von 11:34 nicht besser.

Und da stellt sich dann die nächste Frage: Mit welchen Spielern wird Seibert, oder auch sein Nachfolger, befreit vom Druck des Gewinnenmüssens ab Dienstag, der Nachholpartie gegen Borussia Dortmund 2. nun in den restlichen elf Regionalligapartien antreten und die Saison „mit Anstand“ zu Ende zu bringen? Um gleich am Dienstag den ersten Schritt auf dem neuen Weg zu machen und ein Signal zu setzen, dürften das nur die jungen Nachwuchsfußballer sein, die leistungswillig und ausbaufähig sind und sich mit den neuen Zielen des Vereins identifizieren.




Hier die offizielle Mitteilung des Vereins:

Mit Unterstützung von Sponsoren und Förderern konnte in den vergangenen Wochen die Finanzierung des Spielbetriebs für die laufende Regionalligasaison 2016/17 sichergestellt werden. Über die gegenwärtige Spielzeit hinaus ist die Aufrechterhaltung des Spielbetriebs in der Regionalliga West für den ehemaligen Zweitligisten, auch wenn die mehr als schwierige Mission Klassenerhalt noch gelingen sollte, allerdings finanziell nicht mehr darstellbar.
„Trotzdem wird die 1. Mannschaft der Sportfreunde Siegen in den verbleibenden Spielen alles geben, um unseren treuen Fans engagierten Fußball zu bieten“, stellt Sportvorstand Andreas Krämer fest. „Das Team wird dann in der nächsten Saison eine Klasse tiefer einen Neuaufbau mit mehr Spielern aus der eigenen Jugend starten. So werden aus der jetzigen U19-Mannschaft fünf Spieler in den Kader der Oberligamannschaft übernommen.“
Seit drei Jahren kämpfen die Sportfreunde Siegen mit einer chronischen Unterfinanzierung. In jeder dieser Spielzeiten konnte der Etat nur mittels Zuschüssen unserer treuesten Sponsoren gedeckt werden. Diese Vorgehensweise können und wollen wir unseren Partnern nicht weiter zumuten.
„Um größeren Schaden vom Verein abzuwenden, gehört es zu den Aufgaben eines verantwortungsvoll handelnden Vorstandes, die Reißleine zu ziehen, wenn es finanziell nicht mehr reicht“, erklärt der Vorsitzende Roland Schöler. „Die Sportfreunde Siegen haben in den vergangenen drei Jahren versucht, mit Halb-Profitum und Vertragsamateuren im Profi-Wettbewerb zu bestehen. Selbst das scheint aktuell in unserer Region nicht möglich zu sein.“
In Zukunft wird die Fußball-Jugendförderung im Siegerland einen neuen Impuls bekommen. Im Haus des Sports, finanziert durch die Stiftung „Anstoß zum Leben“, soll ein Schwerpunkt die Förderung von Jugendfußballern der Region sein. Daraus kann sich dann ein bodenständiges Fußballgeschehen im Siegerland entwickeln. Dies eröffnet ganz neue Perspektiven.
„Wir treten schweren Herzens, aber erhobenen Hauptes eine finanzielle wie konzeptionelle Neuaufstellung in der Oberliga Westfalen an. Dies ist kein Rückzug, sondern ein Neuanfang. Wir laden alle Fans, Mitglieder und Förderer herzlich dazu ein, den Verein bei diesem Neuanfang zu unterstützen“, so der Vorstand in seiner gemeinsamen Erklärung.
 
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