Oft gehört, selten geglaubt: Es dreht sich alles nur um Fußball!
Freitag 12.02.21 10:46 Uhr|Autor: Benni Emrich 688
Foto: Alexander Rabe, Benni Emrich

Oft gehört, selten geglaubt: Es dreht sich alles nur um Fußball!

Fußball vor, während und nach Corona
"Fußball ist unser Leben, denn König Fußball regiert die Welt" - die deutsche Nationalmannschaft im Jahr 1974. "Bei Dir dreht sich alles nur um Fußball" - die deutsche Frau, immer! Was die besten deutschen Kicker bereits 1974 in Mikrofone jaulten und die Spielerfrau seit Jahren ins linke Ohr plappert wurde im Jahr 2020 Realität - oder auch nicht. Corona hat viel verändert, auch der Blick auf Fußball. FuPa Baden-Baden nimmt euch mit auf eine Reise über die Plätze der Region im Jahr 2020. Ob sich bei Stammtischgebolze alles um Fußball dreht? Beurteilt selbst. 


Ein Jahr hat 52 Wochen und somit heißt es 52 Mal "Hoch die Hände, Wochenende". Früher war klar: Freitag saufen, Samstag saufen, Sonntag kicken. Und heute mit Mitte 30? Freitag um 21Uhr auf der Couch einschlafen, Samstag Krimi im ZDF und Sonntag Tatort um "viertel Neune". Aber Halt - so schlimm ist es dann doch nicht. Neben spazieren gehen, Rasen mähen und Holz spalten steht da auch noch was anderes an: Auf den Sporti gehen. Mit der Kamera. Mit Bock auf Wurst und Bier. Mit den Kindern. Mit allem. Soweit, so gut. Aber nochmal einen Schritt zurück. 

Die 52 Wochenenden müssen nochmal ins Spiel gebracht werden. Eine reguläre Saison hat im Schnitt 30 Spieltage, dazu kommen fünf Wochen Vorbereitung im Winter und fünf Wochen Vorbereitung im Sommer. Nach der regulären Saison gibt es durchschnittlich noch drei Wochen Entscheidungsspiele um Auf- und Abstieg oder das Pokalfinale. Zwischen Vor- und Rückrunde gehen die Amateurkicker für knapp vier Wochen in die Halle und gut gefüllte Mannschaftskassen lassen locker zwei Mannschaftsausflüge pro Saison zu. Wir rechnen also: 52 - 30 - 5 - 5 - 3 - 4 - 2 = 49

Es bleiben also genau drei Wochen im Jahr ohne konkreten Bezug zum Amateurfußball. Die Woche vor Heilig Abend, die Woche zwischen dem letzten Hallenturnier und den ersten Faschingsumzügen sowie die Woche Ausnüchterung nach dem Malle- oder Bulgarientrip Ende Juni. 
Was übertrieben klingt, war in der Vergangenheit einfach übertrieben gut. Fußball war einfach immer da. Für jeden sicht- und greifbar und jeder konnte für sich entscheiden, ob er mehr oder weniger Bock drauf hat. 

Samstag, Sonntag und zwei Tage unter der Woche - der Sportplatz ist unser zweites Zuhause, die Mannschaftskollegen und der gesamte Verein die zweite Familie. Erst schwitzen, dann saufen - der Kreisligakicker weiß eben was gut ist. 

Das Corona-Virus ist nun seit einem Jahr auch bei uns angekommen, Anfang Februar 2020 war es allerdings mehr ein "das vergeht wieder" als ein "oha da kommt was". Fasching wurde gelebt und "gestorben" wie immer. Die Vorbereitungszeit lief und manch einer war froh, wenn die schweißtreibende "Bitte immer Laufschuhe zum Training mitbringen"-Zeit vorbei war. Die Testspiele Ende Februar wurden absolviert und die überbezirklichen Ligen starteten am ersten März-Wochenende in die Rückrunde. Kuppenheim gegen Endingen am 07.März, Daxlanden gegen Fc West und Rotenfels gegen Ulm am 08.März - die volle Ladung Sporti hab ich mir mit meinen Kids gegeben.

Foto: Benni Emrich

Als hätte ich was geahnt...Eine Woche später war die Unterbrechung dann schon da und der Fußball weg. Selbst die Bundesliga pausierte.
Der Sommer kam und die Zahlen wurden besser. Training in kleinen Gruppen ohne Körperkontakt - manch einer wird sich dran erinnern. Ende Juni dann auch wieder Vollgas, ich war in Ottenhöfen und Sinzheim - ein paar Bilder vom Training knipsen. Was auch sonst.


Am 15.Juli dann - das erste Live-Spiel für mich. Ein Testspiel. Bietigheim gegen Michelbach. Früher Ex-Landesligist gegen ewiger B-Ligist, 2020 einfach ein Highlight.


Die Spiele nahmen Fahrt auf, ich auch. Kamera in die Tasche, Kids auf die Rückbank und Kekse in Box - raus auf die Plätze der Region. Bühlertal gegen Ottenau, Sandweier gegen Wintersdorf, Würmersheim gegen Steinmauern, Ottenau gegen Obertsrot, Bühl gegen Kuppenheim, Gaggenau gegen Bruchsal, dazwischen endlich wieder AH-Training mit viel Bier und Merquez sowie ner fetten Ackerparty mit den besten Jungs.


Dann auch wieder Pflichtspiele. Würmersheim gegen Lahr. Ein Pokalspiel. Eine Sensation. Oh Leute, da geht mir einer ab.

Foto: Benni Emrich

Ein letzter Test, Ettlingenweier gegen Bühlertal und dann Mitte/Ende August Pflichtspielauftakt für die Kreisligisten. Pokal, Runde Eins. Michelbach gegen Iffezheim. Bestes Sommerwetter. Herrlich.

Foto: Reiner Rieger

Weiter ging es mit Pokal. Iffezheim gegen Obertsrot und Hörden gegen Au. Dann war ich bei den Kickers aus Baden-Baden gegen Greffern. Das schaust du dir unter normalen Umständen doch nicht an. Aber nun? 2020? Klar, nehm ich mit. Ebenso wie Sinzheim gegen Elchesheim, Flutlichtspiel, Bierchen und Lokalderby. Dann ging die Reise weiter. Wieder Pokal. David gegen Golliath. Elchesheim gegen den Freiburger FC - bockstarke RWE-Leistung ohne HappyEnd. Aber egal, weiter gehts. Freitagabend, Nine-Eleven, Ottenau gegen Ötigheim. Ohne Tore. Man könnte enttäuscht sein. War man aber nicht. Hauptsache Fußball. Am Tag darauf Wörtelstadion Kuppenheim, 08 gegen Kehl. Klassiker bei herrlichem Sonnenschein.

Foto: Benni Emrich

Wieder ein Tag später - Murgtaltour mit dem Roller. Obertsrot vs. Gernsbach, Hörden vs. Iffezheim und Rotenfels vs. Gaggenau - getreu DJ Tomekk und Lil Kim - gibs mir richtig, ganz egal wo.
Eine Woche später wurden die Weisenbacher Kicker für ihren Fashion-Kaufrausch belohnt - ich trainierte mit. Tags darauf endlich auch wieder F-Jugend Spielenachmittage meines Ältesten, ehe Sonntag wieder Sporti auf dem Plan stand. Kickers Baden-Baden gegen Sasbachwalden. Aumatt. Fußball. Sonne. Wunderschön.
Dann das letzte Septemberwochenende - A-Nord-Klassiker Iffezheim gegen Obertsrot und die Woche drauf zum Start in den Oktober das nächste Topspiel, dieses Mal Iffezheim beim SV Au. Weiter ging es im Oktober mit Unzhurst gegen Ottenau und verregneten Spielenachmittagen.

Foto: Benni Emrich

Mitte Oktober dann der Ausflug in den Bezirk Karlsruhe - Schölle gegen Burbach/Pfaffenrot. Schön dort oben. Eine Woche später, Sonntag 25.10. - der vorerst letzte Akt. Stollhofen/Söllingen gegen Bühlertal II - es war klar, es wird das letzte Spiel sein. Danach Pause - bis jetzt. 

Gestern appellierte ich an das sofortige Saisonende und viele Nachrichten erreichten mich. Es war klar, dass dieser Bericht nicht jedem gefällt - vor allem nicht der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Am 11.Februar schon die Saison abbrechen? Ernsthaft? Ja, ernsthaft. Und zwar nicht, weil ich keine Lust mehr auf Fußball habe, sondern weil ich ernsthaft nicht davon ausgehe, dass sich bis Mai großartig was lockert in Richtung Amateursport. Das ist der einzige Grund, weshalb meine Meinung so ist. Alles andere in mir hat große Lust auf Fußball. Jede Zelle meines Körpers will auch 2021 genau so oft auf die Sportplätze gehen wie im Jahr 2020. Ich werde wieder alles mitnehmen was geht. Und weil ich so bekloppt nach Fußball bin, wird im Sommer 2021 trotzdem gekickt, selbst wenn die Saison abgebrochen wird. Ab dem "Go" der Regierung legen wir los - der "GEBOLZE-CUP" steht in den Startlöchern und wäre bereit, sofern die reguläre Saison abgebrochen wird. Wie und was der "GEBOLZE-CUP" mit sich bringt, werdet ihr in den nächsten Tagen erfahren. Aber eines kann ich jetzt schon verraten: Es ist kein Hobbyturnier, sondern ein ernstzunehmender Wettkampf in geilem Modus und mit nem lukrativen Prämientopf. 

Nun aber erst mal weiter ruhig bleiben und hoffen, dass die reguläre Saison doch noch fortgeführt wird - das ist unser aller großer Wunsch. Doch auch wenn die Hoffnung von Tag zu Tag schwindet bleibt eines immer gleich: Fußball ist unser Leben!

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