Oberligisten plädieren für Saisonabbruch
Dienstag 21.04.20 08:30 Uhr|Autor: FuPa 1.882
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Oberligisten plädieren für Saisonabbruch

Bei der FuPa-Umfrage bleibt das Gesamtbild weiter uneinheitlich. Eine Mehrheit - etwa zwei Drittel - befürwortet einen Abbruch der Saison.
FuPa Ostwestfalen hat gefragt, Ihr habt geantwortet. Wie denkt Ihr über die Fortführung der Saison? Was haltet Ihr von den vier Varianten, die der FLVW jetzt den Vereinen zur Auswahl an die Hand gegeben hat? Das sind Eure Reaktionen: Das Gesamtbild bleibt weiter uneinheitlich. Eine Mehrheit - etwa zwei Drittel - befürworten einen Abbruch der Saison. Der Rest möchte unter allen Umständen die Saison zu Ende spielen. Ein Großteil davon sogar möglichst schnell - ab dem 17. Mai.


Unterdessen hat der Verband Niederrhein seine Oberligisten befragt. Diese äußerten sich in einer Videokonferenz deutlich. 14 von 17 Klubs aus der Oberliga Niederrhein, die an der Schalte teilgenommen haben, finden nicht, dass man die Saison fortsetzen sollte. Man solle die Spielzeit abbrechen und werten. Spitzenreiter SV Straelen solle aufsteigen, Absteiger indes solle es nicht geben. Lediglich drei Klubs konnten sich andere Szenarien vorstellen.

Ähnliches Bild in Westfalen. Hier ergab die Videokonferenz mit den Oberligisten, dass diese mehrheitlich offen für einen Abbruch sind. Sebastian Kockmann vom FC Eintracht Rheine sagte: „Der Schwebezustand ist schwer zu ertragen. Wir tragen daher jede Entscheidung mit, nur braucht es diese Rechtssicherheit.“ Im Laufe der Diskussion sprachen sich anschließend immer mehr Vereine für einen Abbruch ohne Absteiger aus. „Die Fortführung der Saison erscheint mir ausgeschlossen“, betonte Bernhard Hartmann vom SC Wiedenbrück. Auch der FC Gütersloh trägt diese Entscheidung mit. „Aufgrund unserer Tabellensituation sind wir gelassen. Aber es ist ein komplexer Sachverhalt – und ich möchte nicht in der Haut der Entscheider stecken“, sagte Vorstandsmitglied Helmut Delker. „Alles andere macht keinen Sinn“, schloss sich auch Thomas Riedel vom TuS Ennepetal an. Die Liste der Gründe war dabei lang: Härtefälle bei Transfers, Spielerverträge und Absprachen mit Sponsoren wurden in diesem Zusammenhang genannt.

Die FuPaner in Ostwestfalen sind da - wie gesagt - nicht so einheitlich unterwegs. Die Mehrheit, die einen Saisonabbruch favorisiert, ist sich in der Art der Wertung komplett uneins. Gut 40 Prozent sympathisieren die Lösung, die am Wochenende der Handballverband (Norweger Modell mit Quotientenregelung und Wildcard) gefunden hat.

Tenor: "Die Handballer haben es doch gerade vorgemacht. Inklusive der Wildcards, Quotienten etc.! Eine vorbildliche Arbeit und Lösung!! Die Fußball-Funktionäre scheinen die Verantwortung ja aktuell lieber auf die Vereine abzuwiegeln, indem man abstimmen lässt. Und im Gegensatz zum Handball arbeiten diese Verantwortungsträger ja sogar meist hauptberuflich. Ich hoffe, die Entscheider schauen mal über den Tellerrand (und zu den Harzballern)", Jens Horstmann. Der haken an der Sache: Die "Handball-Lösung" hat der FLVW seinen Vereinen aber erst gar nicht zur Abstimmung mitgegeben.


"Von mir aus ohne Zuschauer"

Ähnlich groß ist der Anteil der Leute, die eine komplette Annulierung der Saison bevorzugen. Eher Außenseiterchancen bei den Kommentaren auf den FuPa-Social-Media-Accounts haben die Wertung nach der Hinrunde sowie die Wertung mit Stand vom 13. März, dem Tag des Abbruchs der Ligen. 

Unter der Gruppe der Menschen, die eine Fortsetzung der Spielzeit fordern, ist die Fraktion am größten, die am liebsten sofort wieder kicken möchte. "Solange die Leute ins Möbelhaus oder in den Baumarkt rennen dürfen, sollte auch ab Mitte Mai wieder gespielt werden dürfen. Von mir aus ohne Zuschauer. Und nicht alles nachholen. Da wo es um was geht, werden Play-Offs gespielt. Aktueller Tabellenstand inkl. Punkte und dann einmal jeder gegen jeden, die noch Ambitionen nach oben haben. Absteiger muss es ja nicht geben. Dann gibt es nächste Saison halt 3/4 Spieltage mehr. Winterpause verkürzen, wo es geht, sonst 2/3 Wochen länger spielen. Wo ist das Problem?" meint FuPaner "Alex Wo Wa".

Etwas geringer ist der Anteil derer, die sich für das "Bayerische Modell" aussprechen. Also Saisonaussetzung bis September - und dann zunächst die Serie 2019/20 zu Ende spielen, bevor man mit der Saison 2020/21 beginnt.


Einige FuPaner sehen weitere Probleme:

Uwe Wiegelmann: "In der Jugend wechseln die Kinder am 1. Juli die Altersklassen. Spielen die dann in der bisherigen (dann aber falschen) Altersklasse weiter? Wie soll das vermittelt werden, wenn in den Schulen bis zu den Sommerferien kein Sportunterricht stattfindet. Ist Fußball als Sport mit Körperkontakt dann anders zu bewerten? Zweitspielrechte und JSGs laufen zum 30. Juni automatisch aus."

Ralf Peuckmann: "Es wird sehr schwierig werden, besonders im Jugendbereich. In Westfalen spielen die Kreisliga A Meister eine Aufstiegsrunde. Teilweise sogar mit 5er und 6er Staffel. Ohne Absteiger aus den Bezirksligen würde eine 15er bzw. 16er Liga entstehen. Das wäre einfach zu viel. In einigen Spielklassen ist das Meisterschaftsrennen noch lange nicht entschieden. Egal wie man entscheidet, wird es immer ziemlich enttäuschte Teams geben. Wichtig ist, dass dem Jugendbereich nicht die Spieler weglaufen!"

Volker Reck: "Mal angenommen Niedersachsen und Bayern spielen ab September weiter ihre Serie und beenden die sagen wir mal im November. Nordrhein-Westfalen beendet die Serie und fängt im September eine neue Serie an, die bis Juni geht. Was passiert denn mit den Meistern der entsprechenden Verbände, die in die Regionalliga aufsteigen würden? Da in anderen Verbänden ja noch der Ligabetrieb bis Juni fortgesetzt wird, haben die Meister dann von November bis Juni spielfrei? Es muss eine einheitliche Lösung für alle Amateurverbände und Vereine her! Entweder beenden alle die Serie oder es spielen alle weiter! So kann das nur im absoluten Chaos enden!"

Dragan Petkovic: "Ich denke, der DFB gibt in dem Fall die Verantwortung komplett ab und will einer möglichen Klagewelle aus dem Weg gehen. Dies hat leider nichts mit Verantwortungsbewusstsein und einer gewissen Autorität zu tun. Aber auch die Landesverbände haben nicht wirklich den Mut, sich kurzzuschließen und eine ganzheitliche Lösung zu finden. Warum wälzt der Verband die Probleme auf die Vereine ab und fällt nicht eine Entscheidung, die mehr Mannschaften hilft als schadet?"

Torben Knoke: "Klar wäre eine bundesweit einheitliche Lösung der Idealfall, aber streng genommen muss die dann bis in den Profibereich, noch strenger auch international, einheitlich sein.
Und das ist unrealistisch. Da nehme ich lieber die pragmatische Fleckenteppichlösung. Man wird halt Kompromisse machen müssen - so oder so."

Kevin William zum Spezialfall im Kreis Paderborn, wo eine eingleisige A-Liga eingeführt werden soll:
"Was für Auswirkungen würde das beispielsweise auf die Quali-Saison in der A-Liga des Kreises Paderborn haben? Abbruch ohne Wertung und das Quali-Jahr wiederholen! Die ersten 9 Plätze sind alle so eng zusammen, es wäre eine Schlag ins Gesicht, sollte die aktuelle Tabellenkonstellation gewertet werden! Gerade für diese Liga/Saison kann und muss etwas individuelles an Lösungen gefunden werden!"


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