Marco Hagemann plötzlich ohne Arbeit
Dienstag 21.04.20 12:15 Uhr|Autor: FuPa897
Foto: marco-hagemann.com

Marco Hagemann plötzlich ohne Arbeit

Der Gütersloher Marco Hagemann hat das letzte Spiel einer deutschen Profi-Fußballmannschaft vor dem Abbruch kommentiert - damals noch mit 47.000 Zuschauern. Seitdem ist sein Mikrofon verstummt. Plagen den 43-jährigen Freiberufler jetzt Existenzängste?
Marco Hagemann liebt volle Fußball-Stadien. Die Stimmung der Fans auf den Tribünen, die Emotionen der Spieler auf dem Platz – er hat alles im Blick. Auch, wenn einige bei seinem Namen vielleicht nicht direkt ein Bild vor Augen haben – seine Stimme kennen viele. Der Gütersloher kommentiert seit vielen Jahren Fußballspiele für verschiedenste Fernsehsender. Auch im Podcast von FuPa Ostwestfalen war Hagemann bereits zu Gast.


Hagemanns Karriere begann 2000 beim Deutschen Sportfernsehen, heute Sport 1. Danach war er für Sky und Eurosport im Einsatz. Seit mehreren Jahren arbeitet er für RTL und DAZN. Mit der Europa-League-Partie Glasgow gegen Leverkusen kommentierte der 43-jährige Gütersloher vor einigen Wochen das letzte Pflichtspiel einer deutschen Mannschaft, bevor der komplette Spielbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie eingestellt wurde. Dass es für ihn tatsächlich vorerst das letzte Spiel – damals sogar noch mit mehr als 47.000 Zuschauern – für eine lange Zeit sein wird, ahnte er zu dem Zeitpunkt nicht. „Das wurde mir erst wirklich am Tag danach klar, als nahezu alle Ligen in den Shutdown gegangen sind. Das war schon ein ziemlich komisches Gefühl und wohl ein Spiel, das ich deshalb sicher nicht vergessen werde.“ Seitdem ist Marco Hagemann quasi arbeitslos. Keine Fußballspiele, keine Kommentatoren. Und jetzt? Hagemann versucht sich so gut es geht abzulenken. Er lebt mittlerweile in München, macht dort regelmäßig Sport, steht virtuell in engem Kontakt mit Freunden und Familie, schaut Serien, liest viel


„Außerdem stelle ich mir selbst Aufgaben“, sagt er und lacht, „was kann ich zum Beispiel in meiner Wohnung ausmisten? Oder muss ich noch Buchhaltung machen?“ Stimmungsmäßig sei es ein Auf und Ab. Gerade in seiner Situation gebe es derzeit kaum Planungssicherheit. Wann ist es überhaupt wieder möglich, ein Spiel zu kommentieren? Wann geht die Champions League wieder los? Wann startet die Europa League? Die Fragen werden seit Wochen auf verschiedensten Ebenen diskutiert – klare Entscheidungen blieben bislang aus. Die Bundesliga pausiert noch mindestens bis Anfang Mai. Die restlichen Achtelfinal- und ersten Viertelfinal-Spiele der beiden internationalen Wettbewerbe sollen wohl Ende Juli nachgeholt werden. Die Final-Partien wurden bereits in den Spätsommer verschoben. Für Hagemann bedeutet das also weiter: Warten. Sorgen um seine Existenz macht sich Marco Hagemann als freier Kommentator trotz der großen Unsicherheit noch nicht. „Bislang habe ich noch keine Ängste und darüber bin ich sehr dankbar. Das wäre für mich jetzt aber auch der falsche Partner an meiner Seite. Ich weiß, dass es irgendwann wieder losgeht, nur weiß ich halt nicht, wann.“


„Wir werden kein großes Sportevent mit Zuschauern erleben“ Einige seiner Kollegen haben vor kurzem alte Bundesligaspiele kommentiert, um die fußballfreie Zeit zu überbrücken. Der Sender Sky hat seine typische Bundesliga-Konferenz am Samstagnachmittag kurzerhand zu einer historischen Konferenz umfunktioniert und die besten Spiele der vergangenen Jahre gezeigt – mit Live-Kommentaren der gewohnten Stimmen. Eine Idee, die Marco Hagemann reizt. „Es ist eine Aufgabe. Und darum geht es. Ich finde es gut, weil es den Kollegen Ablenkung verschafft. Auf mich ist noch keiner zugekommen und hat gefragt. Ich stehe dem völlig offen gegenüber.“ Dass er in diesem Jahr irgendwann wieder ein Fußballspiel in einem vollen Stadion kommentieren wird, hält Hagemann für ausgeschlossen. „Wir werden sicher in diesem Jahr kein großes Sportevent mit Zuschauern erlauben.“ Wenn überhaupt stünden derzeit Geisterspiele zur Debatte – und die seien nicht nur für die Spieler auf dem Platz, sondern auch für Kommentatoren eine Herausforderung.


Vor einigen Jahren hat er diese Erfahrung bereits gemacht. Bei der Europa-League-Partie zwischen Lazio Rom und dem VfB Stuttgart durften wegen rassistischer Äußerungen der italienischen Fans keine Zuschauer ins Stadion. „Das war schon sehr komisch, weil keine Emotionen im Stadion vorhanden waren. Darauf musste man sich erst einmal einstellen. Zum Sport gehören Emotionen. Man kann sich so nicht anstecken lassen. Es ist, als säße man in einer nahezu verschlossenen Dose und hört sein eigenes Echo.“ 


Hier geht´s zum Podcast "Flügelzange OWL" von FuPa Ostwestfalen!


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