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Donnerstag 19.01.17 09:32 Uhr|Autor: Philipp Roser (NZ)858
Funino stößt beim kickenden Nachwuchs auf Begeisterung. F: Roland Huber

Lochmann reist für Funino durch die Welt

Ob in Madrid oder Mexiko - Erlanger Sportwissenschaftler will die spezielle Form des Jugendfußballs weiterentwickeln
Aufbauend auf die Vor­arbeit des 2016 verstorbenen Fußball­pioniers Horst Wein hat der Erlanger Sportwissenschaftler Prof. Matthias Lochmann das Trainings- und Wett­kampfsystem Funino für Kinder weiter­entwickelt. Dabei spielen diese in klei­neren Teams auf kleineren Feldern auf kleinere Tore, ohne dass Jungkicker auf der Ersatzbank versauern. Auch das Konfliktpotenzial mit Trainern und Eltern wird reduziert. Wir fragten bei Lochmann nach.

Herr Lochmann, Sie sind seit zwei Jahren damit beschäftigt, Funino zu popularisieren – wie viele Vereine und Kinder machen in der Region mit?

Matthias Loch­mann: In der Regi­on, im Kreis Erlan­gen- Pegnitzgrund, haben wir etwa 350 Kinder und in der Region München nochmal 100, die in dem Programm un­terwegs sind. Wir haben im Sommer acht Spieltage ab­solviert, davor hatten wir an drei Samstagen die Trainer geschult.

Kann man sagen, dass Funino in der Region schon verankert ist?

Lochmann: Es ist ein Pilotprojekt. Das heißt, eine ausgewählte Gruppe ist aus dem normalen Spielbetrieb her­ausgegangen und im Pilotprojekt un­terwegs. Das Ganze läuft in Zusam­menarbeit mit dem Bayerischen Fuß­ball- Verband. Ich bin mit Verbands­verantwortlichen in Kontakt, auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundes­ebene. Und es gibt einen wissenschaft­lichen Antrag zu dem Programm, der im Augenblick beim DFB liegt und auf eine finale Beurteilung wartet.

Worum geht es dabei?

Lochmann: Der Antrag hat zum Ziel, die Verankerung, zu untersuchen und so etwas wie ein Handbuch zu schrei­ben, wie man ein solches Spielsystem in anderen Regionen verankern kann. Welche Schritte sind nötig, wie müs­sen Schulungen aussehen, welches Material muss man den Trainern an die Hand geben für einen standardi­sierten Platzaufbau. Auch, um Hür­den zu identifizieren, traditionelle Denkweisen, beispielsweise bei Eltern oder Trainern – inwiefern blockieren die Innovationen im Kinderfußball?

Welche Rolle spielen moderne Medien dabei?

Lochmann: Mobile First ist ja überall ein Thema, auch bei Trainern – die benutzen Handys und Tablets. Das ist ein sehr gutes Instrument, um ein Funino-Turnier zu planen und durch­zuführen. Man verschickt einen Link über eine App, dann können die teil­nehmenden Vereine angeben, mit wie vielen Mannschaften sie mitmachen wollen, und der ausrichtende Verein bekommt automatisiert einen Turnierplan erstellt. Das braucht noch etwas, da arbeiten wir noch mit einer Eigen­entwicklung, aber wenn das Ganze multipliziert werden soll auf Bayern oder im besten Fall auf Deutschland, dann braucht man Instrumente, die personenunabhängig funktionieren und die Verbände bereitstellen.

Das ist der regionale Bereich – Sie waren aber auch viel unterwegs, um Funino in die Welt hinauszutragen?

Lochmann: Ja, ich war in Pachuca an der Fußball-Universität in Mexiko. Pachuca ist ein Klub, der eine Fußball-Universität unterhält, die einzige welt­weit. Da habe ich bei einem Kongress zum Thema gesprochen, habe unser Projekt vorgestellt und auch die Sport­studenten zehn Tage lang in Theorie und Praxis unterrichtet, mit einem großen Funino-Festival zum Ab­schluss. Ich bin dann weitergereist nach Kolumbien, habe in Medellin an der Universität mit den Kollegen aus der Sportwissenschaft das gleiche Pro­gramm durchgeführt. In Kolumbien stehen wir auch in Kontakt mit dem Fußball-Verband. Ich habe den Sport­direktor des kolumbianischen Verban­des getroffen. Sie haben zumindest geäußert, dass sie fest die Absicht haben, den Fußball kindgerechter zu strukturieren.

Sie waren auch bei Real Madrid?

Lochmann: Real Madrid ist ein Koope­rationspartner bei einem Produkt, das wir entwickelt haben. Es heißt exer­lights, ein Kunstbegriff aus exercise und lights. Wir haben lichtgesteuertes Training, wir können quasi mit einer App am Handy Lichter steuern, die hinter den Toren platziert sind. Dazu können die Kinder lichtgesteuerte Leibchen tragen. Das Produkt ist im März so weit, dass es in den Verkauf geht. Die Fußballschule von Real Madrid ist dabei ein wichtiger Ent­wicklungspartner, sie wird das in ihren Camps einsetzen, die im Som­mer in ganz Deutschland stattfinden.

Das sind die weiterentwickelten Tore und Leibchen, die Sie 2015 beim Kongress "Fußball 4.0" in Erlangen präsentiert hatten?

Lochmann: Genau, das war die "Welturaufführung". Dafür haben wir eine Firma gegründet, die in Forchheim im neuen Medical Valley Center sitzt. Real Madrid, aber auch die Spielvereinigung Greuther Fürth ist mit dabei. Hannover 96 und weite­re Vereine sind unsere Partner.

Das heißt, es ist eine Ausgrün­dung aus der Universität, der Wissen­schaft heraus, um die Forschungsergebnisse kommerziell zu verwerten?

Lochmann: Ja, es ist ein großes Ver­bundprojekt zusammen mit dem Fraunhofer Institut, dem Leistungszentrum für Elektroniksysteme. Die Friedrich-Alexander-Universität ist ja eine Gründeruniversität. Wir haben hier in Erlangen seit vielen Jahren die höchste Patentdichte in Europa, was sicher auch mit Siemens zusammen­hängt.

Sie haben Hannover 96 erwähnt – da waren Sie in letzter Zeit ebenfalls aktiv?

Lochmann: Das ist ein Projekt, das momentan auf Hochtouren läuft. Wir begleiten Hannover 96 in der Optimie­rung des Nachwuchsleistungszen­trums. Das Ganze heißt allerdings nicht mehr Nachwuchsleistungszen­trum, sondern Akademie. Wir beleuch­ten aus der Sicht der Sportwissen­schaft alle leistungsrelevanten Fakto­ren in so einer Akademie. Wir haben Ähnliches schon beim 1.FC Nürnberg gemacht, in Augsburg, bei St.Pauli, der Spielvereinigung Greuther Fürth, jetzt in Hannover, weitere Bundesliga-Klubs haben uns angefragt.

 
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