
Die Arbeitsgruppe zur Stadionsanierung hat sich auf einen Finanzrahmen von 16,3 Mio. Euro verständigt. Im Gespräch ist die Gründung einer Stadiongesellschaft als Tochter der Stadt. Die Entscheidung soll nur mit der CDU gefällt werden.
Das Schicksal der Grotenburg entscheidet sich in den kommenden Tagen. In der Arbeitsgruppe, die über Kostensenkungen der Sanierung beraten soll, hat es nach Informationen unserer Redaktion einen entscheidenden Schritt nach vorn gegeben: Die Gruppe verständigte sich auf einen Finanzrahmen von 16,3 Millionen Euro für die Sanierung; für Instandhaltungsarbeiten sollen sofort 1,15 Millionen Euro bereitgestellt werden. Im Gespräch ist es, eine Stadiongesellschaft als 100-prozentige Tochter der Stadt zu gründen. Das Thema Grotenburg ist auf der Tagesordnung der nächsten Ratssitzung am 18. März – ob allerdings eine Abstimmung zustande kommt, ist nach Auskunft der Akteure noch offen.
Die Fraktionschefs von SPD und Grünen, Benedikt Winzen und Thorsten Hansen, betonen, sie wollten keine „streitige“, knappe Entscheidung gegen die CDU. „Es hat keinen Sinn, jetzt eine knappe Entscheidung durchzudrücken, die in der nächsten Ratssitzung wieder kassiert wird“, sagt Winzen. Zudem steht er im Wort: Mit Blick auf die neuen Mehrheitsverhältnisse, wonach Rot-Grün seine Ein-Stimmen-Mehrheit verloren hat, hatte Winzen zugesagt, die letzte Sitzung mit einer dann denkbaren Mehrheit nicht auszunutzen. Der SPD ist es damit offensichtlich ernst: Der SPD-Ratsherr Oliver Leist, der nach der Korrektur des Kommunalwahlergebnisses zugunsten von CDU-Ratsfrau Angelika Brünsing aus dem Rat ausscheiden muss, wird nicht an der Sitzung am 18. März teilnehmen. Immerhin zeigte sich Winzen „vorsichtig optimistisch“, dass sich am Ende eine deutliche Mehrheit für eine Sanierung findet.
Ob eine große Mehrheit mit der CDU zustande kommt, ist noch offen. „Wir sind mitten im Entscheidungsprozess“, erläuterte CDU-Fraktionschef Philibert Reuters auf Anfrage. Aus Sicht der CDU müssen noch einige Dinge geklärt werden; insbesondere sieht die Fraktion die Verwaltung in der Pflicht, Forderungen der CDU in die Grotenburg-Vorlage einzuarbeiten.
Über die Details aus der Arbeitsgruppe wollte keiner der drei Fraktionschefs reden. So viel lässt sich sagen: Die Gründung einer Stadiongesellschaft wäre ein neuer Ansatz. Mit dem früheren Präsidenten des KFC Uerdingen, Mikhail Ponomarev, war bekanntlich lange darüber verhandelt worden, ob der KFC als Gesellschafter mit in eine Stadion-GmbH einsteigt – diese Verhandlungen sind bekanntlich gescheitert. Auch eine GmbH als reine Tochter der Stadt könnte freier und schneller agieren als die Stadtverwaltung.
Das könnte hilfreich sein, denn der Zeitdruck ist groß. Fußball-Drittligist KFC würde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) höchstwahrscheinlich keine Lizenz erhalten, wenn er auch in der nächsten Saison nicht in der Grotenburg spielen kann. Seit Mai 2018 haben die Uerdinger dreimal vom DFB die Lizenz dank einer Sondergenehmigung erhalten, so dass sie ihre Heimspiele in Duisburg, Düsseldorf und Lotte austragen konnten. Zuletzt hatte der DFB signalisiert, dass das ausgereizt sei. Möglicherweise würde die Lizenz jedoch erteilt, wenn die Grotenburg zumindest ab Herbst wieder in einem ersten Schritt mit geringerer Zuschauerzahl genutzt werden könnte.
Kritik an dem sich abzeichnenden Szenario kommt von der FDP. Die Entscheidung über die Sanierung dürfe nur in engem Zusammenhang mit der Aufstellung des aktuellen und mittelfristigen Haushaltsplans für die Stadt geschehen, meint FDP-Fraktionsvorsitzender Joachim C. Heitmann. Der Ratsherr geht davon aus, dass über die Stadion-Sanierung schon am 18. März entschieden wird. Damit solle die Entscheidung zur Grotenburg bewusst vom Haushalt 2021 entkoppelt werden, über den am 6. Mai abgestimmt werden solle, argumentiert Heitmann. Dieses Vorgehen könnte zur höherer Verschuldung der Stadt führen oder zu Lasten anderer Investitionen in Sportstätten gehen.
Auf keine Zustimmung stoße bei den Liberalen auch der Vorschlag der AfD, über die Grotenburg im Wege eines Rats-Bürgerentscheides abstimmen zu lassen. Die AfD hatte für die Sitzung am 18. März beantragt, die Durchführung eines Bürgerentscheides zur Beantwortung der Frage: „Sind Sie dafür, dass das Projekt ,Ertüchtigung der Grotenburg’ beendet, das nicht bespielbare Grotenburg-Stadion abgerissen und die Fläche dem Krefelder Zoo zur Verfügung gestellt wird?“ zu beschließen. „Aufgrund der Komplexität der vielen zur Entscheidung anstehenden Fragen kommt ein Rats-Bürgerentscheid – ,der Rat beschließt, die Bürgerschaft entscheiden zu lassen’ – nicht in Betracht. Zu viele Gesichtspunkte sind abzuwägen und insbesondere die langfristigen haushalterischen Auswirkungen zu bewerten“, so Heitman, der Rat sei das geeignete Gremium.