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Gro­ten­burg: Po­li­tik vor der Ei­ni­gung

Der Fi­nanz­rah­men zur Sa­nie­rung der Gro­ten­burg wird nun bei 16,3 Mil­lio­nen Eu­ro ge­se­hen. Dar­auf hat sich dem Ver­neh­men nach die Ar­beits­grup­pe des Ra­tes ver­stän­digt, die den Kos­ten­rah­men über­prü­fen soll. Zu­letzt war von 17,8 Mil­lio­nen Eu­ro die Re­de.

von RP / Voss, Starken & Schulze · 10.03.2021, 12:30 Uhr · 0 Leser
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Die Ar­beits­grup­pe zur Sta­di­on­s­a­nie­rung hat sich auf ei­nen Fi­nanz­rah­men von 16,3 Mio. Eu­ro ver­stän­digt. Im Ge­spräch ist die Grün­dung ei­ner Sta­di­onge­sell­schaft als Toch­ter der Stadt. Die Ent­schei­dung soll nur mit der CDU ge­fällt wer­den.

Das Schick­sal der Gro­ten­burg ent­schei­det sich in den kom­men­den Ta­gen. In der Ar­beits­grup­pe, die über Kos­ten­sen­kun­gen der Sa­nie­rung be­ra­ten soll, hat es nach In­for­ma­tio­nen un­se­rer Re­dak­ti­on ei­nen ent­schei­den­den Schritt nach vorn ge­ge­ben: Die Grup­pe ver­stän­dig­te sich auf ei­nen Fi­nanz­rah­men von 16,3 Mil­lio­nen Eu­ro für die Sa­nie­rung; für In­stand­hal­tungs­ar­bei­ten sol­len so­fort 1,15 Mil­lio­nen Eu­ro be­reit­ge­stellt wer­den. Im Ge­spräch ist es, ei­ne Sta­di­onge­sell­schaft als 100-pro­zen­ti­ge Toch­ter der Stadt zu grün­den. Das The­ma Gro­ten­burg ist auf der Ta­ges­ord­nung der nächs­ten Rats­sit­zung am 18. März – ob al­ler­dings ei­ne Ab­stim­mung zu­stan­de kommt, ist nach Aus­kunft der Ak­teu­re noch of­fen.

Die Frak­ti­ons­chefs von SPD und Grü­nen, Be­ne­dikt Win­zen und Thors­ten Han­sen, be­to­nen, sie woll­ten kei­ne „strei­ti­ge“, knap­pe Ent­schei­dung ge­gen die CDU. „Es hat kei­nen Sinn, jetzt ei­ne knap­pe Ent­schei­dung durch­zu­drü­cken, die in der nächs­ten Rats­sit­zung wie­der kas­siert wird“, sagt Win­zen. Zu­dem steht er im Wort: Mit Blick auf die neu­en Mehr­heits­ver­hält­nis­se, wo­nach Rot-Grün sei­ne Ein-Stim­men-Mehr­heit ver­lo­ren hat, hat­te Win­zen zu­ge­sagt, die letz­te Sit­zung mit ei­ner dann denk­ba­ren Mehr­heit nicht aus­zu­nut­zen. Der SPD ist es da­mit of­fen­sicht­lich ernst: Der SPD-Rats­herr Oli­ver Leist, der nach der Kor­rek­tur des Kom­mu­nal­wahl­er­geb­nis­ses zu­guns­ten von CDU-Rats­frau An­ge­li­ka Brünsing aus dem Rat aus­schei­den muss, wird nicht an der Sit­zung am 18. März teil­neh­men. Im­mer­hin zeig­te sich Win­zen „vor­sich­tig op­ti­mis­tisch“, dass sich am En­de ei­ne deut­li­che Mehr­heit für ei­ne Sa­nie­rung fin­det.

Ob ei­ne gro­ße Mehr­heit mit der CDU zu­stan­de kommt, ist noch of­fen. „Wir sind mit­ten im Ent­schei­dungs­pro­zess“, er­läu­ter­te CDU-Frak­ti­ons­chef Phi­li­bert Reu­ters auf An­fra­ge. Aus Sicht der CDU müs­sen noch ei­ni­ge Din­ge ge­klärt wer­den; ins­be­son­de­re sieht die Frak­ti­on die Ver­wal­tung in der Pflicht, For­de­run­gen der CDU in die Gro­ten­burg-Vor­la­ge ein­zu­ar­bei­ten.

Über die De­tails aus der Ar­beits­grup­pe woll­te kei­ner der drei Frak­ti­ons­chefs re­den. So viel lässt sich sa­gen: Die Grün­dung ei­ner Sta­di­onge­sell­schaft wä­re ein neu­er An­satz. Mit dem frü­he­ren Prä­si­den­ten des KFC Uer­din­gen, Mik­hail Po­no­ma­rev, war be­kannt­lich lan­ge dar­über ver­han­delt wor­den, ob der KFC als Ge­sell­schaf­ter mit in ei­ne Sta­di­on-GmbH ein­steigt – die­se Ver­hand­lun­gen sind be­kannt­lich ge­schei­tert. Auch ei­ne GmbH als rei­ne Toch­ter der Stadt könn­te frei­er und schnel­ler agie­ren als die Stadt­ver­wal­tung.

Das könn­te hilf­reich sein, denn der Zeit­druck ist groß. Fuß­ball-Dritt­li­gist KFC wür­de vom Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) höchst­wahr­schein­lich kei­ne Li­zenz er­hal­ten, wenn er auch in der nächs­ten Sai­son nicht in der Gro­ten­burg spie­len kann. Seit Mai 2018 ha­ben die Uer­din­ger drei­mal vom DFB die Li­zenz dank ei­ner Son­der­ge­neh­mi­gung er­hal­ten, so dass sie ih­re Heim­spie­le in Duis­burg, Düs­sel­dorf und Lot­te aus­tra­gen konn­ten. Zu­letzt hat­te der DFB si­gna­li­siert, dass das aus­ge­reizt sei. Mög­li­cher­wei­se wür­de die Li­zenz je­doch er­teilt, wenn die Gro­ten­burg zu­min­dest ab Herbst wie­der in ei­nem ers­ten Schritt mit ge­rin­ge­rer Zu­schau­er­zahl ge­nutzt wer­den könn­te.

Kri­tik an dem sich ab­zeich­nen­den Sze­na­rio kommt von der FDP. Die Ent­schei­dung über die Sa­nie­rung dür­fe nur in en­gem Zu­sam­men­hang mit der Auf­stel­lung des ak­tu­el­len und mit­tel­fris­ti­gen Haus­halts­plans für die Stadt ge­sche­hen, meint FDP-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Joa­chim C. Heit­mann. Der Rats­herr geht da­von aus, dass über die Sta­di­on-Sa­nie­rung schon am 18. März ent­schie­den wird. Da­mit sol­le die Ent­schei­dung zur Gro­ten­burg be­wusst vom Haus­halt 2021 ent­kop­pelt wer­den, über den am 6. Mai ab­ge­stimmt wer­den sol­le, ar­gu­men­tiert Heit­mann. Die­ses Vor­ge­hen könn­te zur hö­he­rer Ver­schul­dung der Stadt füh­ren oder zu Las­ten an­de­rer In­ves­ti­tio­nen in Sport­stät­ten ge­hen.

Auf kei­ne Zu­stim­mung sto­ße bei den Li­be­ra­len auch der Vor­schlag der AfD, über die Gro­ten­burg im We­ge ei­nes Rats-Bür­ger­ent­schei­des ab­stim­men zu las­sen. Die AfD hat­te für die Sit­zung am 18. März be­an­tragt, die Durch­füh­rung ei­nes Bür­ger­ent­schei­des zur Be­ant­wor­tung der Fra­ge: „Sind Sie da­für, dass das Pro­jekt ,Er­tüch­ti­gung der Gro­ten­burg’ be­en­det, das nicht be­spiel­ba­re Gro­ten­burg-Sta­di­on ab­ge­ris­sen und die Flä­che dem Kre­fel­der Zoo zur Ver­fü­gung ge­stellt wird?“ zu be­schlie­ßen. „Auf­grund der Kom­ple­xi­tät der vie­len zur Ent­schei­dung an­ste­hen­den Fra­gen kommt ein Rats-Bür­ger­ent­scheid – ,der Rat be­schließt, die Bür­ger­schaft ent­schei­den zu las­sen’ – nicht in Be­tracht. Zu vie­le Ge­sichts­punk­te sind ab­zu­wä­gen und ins­be­son­de­re die lang­fris­ti­gen haus­hal­te­ri­schen Aus­wir­kun­gen zu be­wer­ten“, so Heit­man, der Rat sei das ge­eig­ne­te Gre­mi­um.