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Donnerstag 17.08.17 20:00 Uhr|Autor: Toni Nachbar (BZ)676
FVL-Coach Dan Calinescu beim Jubel über den Aufstieg 2017 | Foto: Wolfgang Künstle

Dan Calinescus Freizeitspaß

Aufstieg in die Bezirksliga mit dem FV Langenwinkel

Der ehemalige rumänische Zweitligatrainer Dan Calinescu kam vor vier Jahren nach Deutschland und stieg im Sommer mit dem FVL in die Bezirksliga auf. Nun wird Langenwinkel gar als möglicher Aufstiegsaspirant für die Landesliga gehandelt.



Am Anfang war die Scheu: Als der Fußballtrainer Dan Calinescu, Jahrgang 1965, vor vier Jahren aus privaten Gründen nach Deutschland und in die Lahrer Gegend kam, begegnete ihm hier ein Fußballer, den er vor langer Zeit in der gemeinsamen rumänischen Geburtsstadt Sibiu/Hermannstadt gecoacht hatte. So passierte es, dass Calinescu mal bei Spielen des Kreisligisten vorbeischaute und irgendwann auch um Rat gebeten wurde: „Es ist mir gar nicht so leicht gefallen, mich einzumischen. Denn ich hatte es in meinem bisherigen Leben mit Fußball auf einem ganz anderen Leistungsniveau zu tun als jenes in Langenwinkel.“

Der Fußballlehrer, der den FV Langenwinkel (FVL)  in diesem Frühjahr in die Bezirksliga geführt hat, war als Achtjähriger zum rumänischen Zweitligisten Soimii Sibiu gekommen und entpuppte sich damals bald als ein talentierter Torhüter. Dank seiner guten Leistungen fiel er Ende der 70er Jahre den Spähern des rumänischen Fußballverbandes auf und wurde aus dem Herzen Siebenbürgens in die Hauptstadt Bukarest geholt, wo der Verband zentralisiert eine Juniorenauswahl „züchtete“. Dort trainierte Calinescu mit Kollegen, aus denen tatsächlich namhafte Fußballer wurden, der prominenteste ist Gica Hagi, den man in Rumänien noch immer für den „besten Spieler des Landes aller Zeiten“ hält. Wenn der Vorstand Sport des FVL, Anton Dahinten, gerne erzählt, Dan Calinescu komme aus der Entourage der goldenen Fußballgeneration Rumäniens, ist mehr als ein Körnchen Wahrheit dabei. Calinescu kennt viele ehemalige rumänische Nationalspieler persönlich, obwohl er es nach Ende des Juniorenalters nur in das Tor seines Zweitliga-Heimatvereins aus Sibiu schaffte: „Ich habe dort bis zu meinem 29. Lebensjahr gespielt, wegen einer schweren Verletzung an der Achillessehne musste ich aber meine Laufbahn frühzeitig beenden.“

Im von vielen wirtschaftlichen Problemen gebeutelten rumänischen Fußball nach 1989 versuchte sich Dan Calinescu als Trainer. Er erwarb sich in mehreren Lehrgängen in Bukarest die zweithöchste Lizenz und arbeitete als Assistent des ehemaligen Nationalspielers Radu II bei den Zweitligisten Inter Sibiu und Poli AEK Temesvar: „Die finanziellen Probleme der Vereine waren damals unsere ständigen Begleiter. War ein Investor da, gab es Hoffnung auf bessere Zeiten, war dieser weg, drohte den Klubs das endgültige Verschwinden von der Bildfläche.“ Als Headcoach trainierte Calinescu später im spanischen Amateurfußball, ehe es ihn nach Langenwinkel verschlug, wo ihm die Kreisliga A lediglich wie ein Freizeitspaß dünkte.

„Ich werde mich so lange engagieren, bis die Strukturen des Vereins zukunftsfähig und stabil sind.“

Doch inzwischen hat ihn in Lahr längst erneut der fußballerische Ehrgeiz gepackt. Allmählich hat Dan Calinescu erkannt, dass sich trotz der widrigen Bedingungen –  in Langenwinkel gibt es nicht mal einen Trainingsplatz –  und der immer noch nicht zufrieden stellenden Trainingspräsenz mit ehrgeizigen und aufnahmebereiten Spielern etwas aufbauen lässt. Obwohl er die deutsche Sprache kaum beherrscht, hat der Trainer seiner Mannschaft in stetiger Arbeit eine Handschrift verpasst, die auffällig geworden ist: „Hier im Amateurfußball setzen die Vereine auf hohen körperlichen Einsatz und meistens auf einen individuell sehr starken Offensivspieler, der den Unterschied machen soll. Dagegen setzen wir auf ein Kollektivspiel, das auf ausgedehntem Ballbesitz basiert. So haben wir jetzt eine gute Mannschaft aufgebaut, die offensiv ausgerichtet ist und die sich durch zahlreiche Torschützen auszeichnet.“Mehr verrät Dan Calinescu über seine Spielauffassung nicht. Aber der zweifache Familienvater verhehlt nicht, wie wohl und akzeptiert er sich mittlerweile beim FVL fühlt, obwohl er weiß, dass seine anspruchsvolle Art für seine Spieler eine Herausforderung darstellt: „Mir ist aber schon bewusst, in welcher niedrigen Klasse wir agieren, deshalb bin ich auch zu Nachsicht stets bereit.“

Dass der FVL als Aufsteiger sogar als Aufstiegsaspirant für die Landesliga gehandelt wird, ist für Calinescu nicht das Entscheidende: „Ich will meinen Spielern guten Fußball beibringen und möchte, dass sie das in den Spielen auch zeigen können. Wie weit wir es damit bringen, weiß ich nicht. Aber man muss klar sehen, dass in Langenwinkel doch recht bald ein Limit erreicht ist, das kaum zu toppen sein wird.“

Ob dies der ambitionierte Sportvorstand Anton Dahinten ebenfalls so sieht, ist nicht eindeutig. Der Unternehmer sagt: „Ich werde mich so lange in Langenwinkel engagieren, bis die Strukturen des Vereins zukunftsfähig und stabil sind.“  Das Interesse am Verein ist tatsächlich nicht nur im Stadtteil gewachsen und Calinescu sowie Dahinten haben mit ihren Spielern in den vergangenen zwei Jahren viel dafür getan, dass der sportliche Respekt vor dem Bezirksliganeuling beträchtlich gewachsen ist.

 
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