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Mittwoch 15.02.17 11:12 Uhr|Autor: Redaktion Schongau - Schongauer Nachrichten19
Jimmy Hartwig: Integrationsbotschafter des DFV und EX-Nationalspieler.

Hartwig über den Fußball als Integrationshilfe: "Bringt Menschen zusammen"

Eine Botschaft des DFB
Peiting - Jimmy Hartwig, Integrationsbotschafter des DFB, sprach in einem Interview mit den Schongauer Nachrichten über seine Aufgaben, seine Erfahrungen im Profi-Sport und seinen größten Wunsch.

Am Samstag den 18. Februar findet in der Dreifachturnhalle in Peiting ein Hallenturnier für Sportler mit Migrationshintergrund statt. Im Vorfeld des Besuchs von Jimmy Hartwig beim Integrationsturnier in Peiting haben die Schongauer Nachrichten ein paar Fragen gestellt.

Was ist Ihre Aufgabe als Integrationsbotschafter beim DFB?

Grundsätzlich darf ich den Deutschen Fußball-Bund in den Positionen Integration, Respekt und Vielfalt in der Öffentlichkeit vertreten. Dabei besuche ich entsprechende Veranstaltungen und Projekte der Regional- und Landesverbände des DFB und trete mit denjenigen in Kontakt, die sich in diesen Themen engagieren. Ich möchte eines betonen: Die Integrationsarbeit wird von den tausenden Vereinen an der Basis geleistet. Durch meine Besuche versuche ich, die öffentliche Wahrnehmung der Vereine und Initiativen zu verbessern – und sie in ihrer Arbeit weiter zu motivieren.

Fühlen Sie sich als dunkelhäutiger Mensch in Deutschland integriert?

Ich fühle mich voll und ganz integriert in Deutschland. Das liegt allerdings an der Tatsache, dass ich in Deutschland als Sohn einer Deutschen geboren wurde, in einer deutschen Familie aufgewachsen bin und das Land nie länger verlassen habe. Integration war also für mich persönlich nie eine Fragestellung. Für mich galt eher die Herausforderung, mit Diskriminierung und Rassismus umzugehen. Mein Vater war in der Nachkriegszeit als amerikanischer GI eine Zeitlang zu Besuch in Deutschland und hat mir nicht nur Schokolade, sondern auch einen schokoladigen Teint hinterlassen. Und die dazugehörige Haarpracht. Ich habe daher von Anfang an unzählige Erfahrungen mit Rassismus & Co. gemacht und wurde auch von den Medien später als erster farbiger Bundesligaspieler gekennzeichnet. Zusammen mit meinem Kollegen Erwin Kostedde.

Haben Sie selbst negative Erfahrungen gemacht? Auch heute noch?

Heute erfahre ich keine direkten Angriffe mehr auf meine Person. Es fliegen keine Bananen mehr, die verbotenen Ausdrücke sind verschwunden, und ich muss auch kein Fußballspiel mehr aus dem Übertragungswagen verfolgen, weil mir vorher gewisse Gruppierungen eindeutige Ansagen gemacht haben. Aber aus den Köpfen ist die Fremdenfeindlichkeit ja nicht verschwunden, wie wir in der heutigen Zeit feststellen müssen, und das empfinde ich als beunruhigend. Ich werde sicher mein Leben lang vorsichtig auf unbekannte Gruppen oder Situationen zugehen, weil dies tief in mir verankert ist.

Wirkt sich die aktuelle Asylproblematik ihrer Meinung nach auf die Integrationsmöglichkeit ausländischer Mitbürger aus?

Wer das Wort Asylproblematik schreibt oder ausspricht, hat hier ja schon eine vorgefertigte Meinung, daher möchte ich mich von diesem Wort distanzieren. Ich bin kein Politiker und möchte in dieser Diskussion auch keiner sein. In meiner Rolle als DFB-Integrationsbotschafter kann ich nur unermüdlich dazu motivieren, die Integration selbst in die Hand zu nehmen. Wozu denn Barrieren aufbauen? Die Energie, die man so vergeudet, sollte man besser in ein positives Engagement umsetzen, als immer wieder darüber zu jammern, zu schimpfen oder Schlimmeres. Damit verbessert man doch rein gar nichts, im Gegenteil. Zusammen mit dem DFB habe ich mir vorgenommen, die Integration über den Fußball voranzutreiben, wir möchten mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass wir zunächst an uns selbst arbeiten und Teilhabe zulassen müssen. Das ist unsere Botschaft.

Kann Fußball bei der sozialen Integration von Migranten helfen?

Der Fußball und die Integration sind in unseren Augen miteinander verheiratet. Es gibt keinen besseren Integrationsmotor als die weltweit beliebteste Teamsportart. Fußball bringt die Menschen zusammenbringt die Menschen zusammen. Unterschiedliche Menschen, alle Farben, alle Klassen. Das ist die Kraft des Fußballs. Und das ist die Chance, die sich bietet. Auf den Fußballplätzen können wir die Menschen erreichen, egal welchen Glauben und Hautfarbe sie haben. Alle kommunizieren in derselben Sprache: In der Sprache des Fußballs. Die Verbände, also die Landesverbände und der DFB, können die Vereine unterstützen.

Was ist Ihr größter Wunsch als Integrationsbotschafter?

Ich wünsche mir, dass „wir“ unseren neuen Mitbürgern respektvoll begegnen. Und ich wünsche mir, dass diejenigen, die neu hinzukommen, genauso respektvoll der Aufnahmegesellschaft gegenüber treten. Hier sind wir alle gefordert, auch nach dem Spiel mehr zu machen. Und am allerliebsten würde ich gerne die Begriffe Flüchtling und Migrant aus unserem Sprachgebrauch verschwinden lassen.

Können Sie erklären warum?

Da diese Begriffe nach meiner Wahrnehmung inzwischen nicht nur einen Status beschreiben, sondern vor allem automatisch ausgrenzen und Vorurteile erzeugen. Wenn es am Ende keine Rolle mehr spielt, welche Herkunft, welche Religion oder welches Geschlecht der Trainer beim Verein um die Ecke oder das Präsidiumsmitglied im großen Verband hat, dann wäre ich zufrieden. Denn dann könnten wir endlich mal die unzähligen Potenziale in unserer Gesellschaft optimal nutzen. Und unser Fußball würde noch besser werden.

Interview: Ursula Fröhlich

 
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