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Freitag 30.12.16 14:06 Uhr|Autor: Christian Heinrich - Münchner Merkur (Würmtal)60
Immer in Bewegung sind die Kinder beim Funino. Die Mannschaftsgröße und die beiden zusätzlichen Tore halten jeden Mitspieler pausenlos auf Trab. Keiner steht abseits. Und die Eltern am Spielfeldrand sind entspannter. F: Denise Höfle

Funino fasst im Würmtal langsam Fuss

"Erwachsenen-Fußball für Kinder ist Schmarrn"
Würmtal - Funino ist im Kommen. Stephan Bock leistet Pionierarbeit für eine kindgerechte Spielvariante, die beim FC Barcelona seit 25 Jahren Standard ist.

Es war die Wiedergeburt des Straßenfußballs. Alle paar Sekunden zappelte der Ball im gegnerischen Netz, ständig lieferten sich die sechsjährigen Knirpse packende Zweikämpfe, und nie kam es zu einer richtigen Pause. Die Eltern der Gautinger Kinder staunten nicht schlecht über den ungewohnten Anblick, der sich ihnen auf dem blanken Parkett in der Turnhalle des Planegger Feodor-Lynen-Gymnasiums bot. „Die waren begeistert“, sagt der Pentenrieder Übungsleiter Stephan Bock, erfreut darüber, dass er gleich bei seinem ersten Missionsversuch neue Sympathisanten für eine Spielart des Fußballs gewonnen hat, die Funino heißt.

Das Wort setzt sich aus den Begriffen „fun“ (englisch für Spaß) und „niño“ (spanisch für Kind) zusammen und garantiert vor allem eines: Freude am Kicken. Bock, der die G-Jugend des TSV Pentenried betreut, hatte die Nachbarn vom Sportclub kurzerhand eingeladen, weil ihm plötzlich ein fest eingeplantes Team für sein Turnier abgesagt hatte. So kamen sie mit einer Spielweise in Berührung, die bis vor Kurzem sogar Gautings Abteilungsleiter Jens Rindermann noch völlig fremd gewesen ist.

Barcelona praktiziert Funino schon seit einem Vierteljahrhundert

Seit ungefähr einem Jahr spielen die Pentenrieder sowie der MTV Berg, die FT Starnberg 09, der TSV Allach, Eintracht Karlsfeld und der SV Grüne Heide Ismaning in einer Art Pilotprojekt zusammen. Sie erproben eine Spielform, die bei der spanischen Nationalmannschaft in etwas abgewandelter Form längst zum Standardrepertoire im Training gehört, in Deutschland aber sonst nur an den Nachwuchsleistungszentren der Bundesliga-Vereine geläufig ist.

Beim FC St. Pauli wird in der F-Jugend nur noch Funino gespielt. Bei der TSG 1899 Hoffenheim stellt es die Basis des Kinderfußballs dar. Das ist kein Vergleich zum FC Barcelona, der Funino schon seit einem Vierteljahrhundert praktiziert. Dass der rasante Kinderkick zwischen Berchtesgaden und Flensburg noch relativ unbekannt ist, verwundert schon ein wenig. Schließlich wurde er von einem Deutschen erfunden. In über 30 Büchern, die in sechs Sprachen übersetzt wurden, hat Horst Wein über kindgerechten Fußball geschrieben.

Die Ideen des Fußball-Philosophen, der im vergangenen Februar im Alter von 75 Jahren in Barcelona verstorben ist, führt nun Professor Matthias Lochmann fort. Der Erlanger Sportwissenschaftler hat Bock und seine Trainerkollegen in die Feinheiten des Mini-Fußballs eingeführt. „Wir haben von ihm viel gelernt“, sagt der Pentenrieder Coach.

Vier statt zwei Tore

Gespielt wird Funino von sechs- bis achtjährigen Kindern auf einem relativ begrenzten Feld, laut DFB etwa 25 Meter breit und 32 Meter lang. Statt zwei Toren gibt es vier, von denen je zwei an an den beiden Grundlinien im Abstand von 14 Metern aufgestellt sind. Und noch etwas ist anders. Statt aus elf oder sieben Kickern, besteht jedes Team nur aus drei Akteuren und einem so genannten Rotationsspieler. Die Position des Keepers gibt es nicht. Tore aus allen Lagen werden trotzdem nicht erzielt. Nur aus einer sechs Meter breiten Zone vor den einzelnen Toren sind reguläre Treffer möglich.

Für Bock ist das nur konsequent. „Fußball wie die Erwachsenen zu spielen, ist für Kinder ein großer Schmarrn“, sagt der Trainer. Die neue Spielform beschert den Kleinen das, was sie normalerweise nicht haben, wenn sie mit sieben gegen sieben spielen: jede Menge Praxis. „Sie werden alle zu Hauptdarstellern.“

Bei nur drei Akteuren kann niemand im Abseits stehen oder irgendwo auf dem Platz untertauchen oder für eine gefühlte Ewigkeit keinen Ball bekommen. Jeder muss ins Spiel integriert werden, sonst funktioniert es nicht. Und Erfolgserlebnisse gibt es für jeden auch genug, weil ständig Tore fallen. Selbst diejenigen Spieler, die noch nie ins Schwarze getroffen haben, fahren endlich mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause. „Funino sorgt dafür, dass alle Kinder viel demokratischer zum Einsatz kommen“, sagt Bock, froh eine Spielform gefunden zu haben, die gerade die Schwächeren zum Zuge kommen lässt.

Funino funktioniert auch mit wenigen Kindern

Der flotte Kick schult vor allem schon früh die elementaren Fähigkeiten, ohne die es im modernen Fußball überhaupt nicht mehr geht. Die Kinder lernen spielerisch das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt. Weil sie auf zwei Tore anlaufen, erweitern sie obendrein ihr Blickfeld und verbessern ihr Gefühl für den Raum. „Das sind wichtige Aspekte“, ist Bock überzeugt, „denn die Kinder müssen gemeinsam angreifen und abwehren“. Neben der Taktik werden weitere wichtige Grundelemente des Fußballs permanent eingeübt: Pässe, Torschüsse, Zweikämpfe. Weil alle ständig in Bewegung sind und es nach den Toren sofort weitergeht, kommen die Kleinen auch körperlich an ihre Grenzen.

Funino ist aber nicht nur attraktiv, weil es die kleinen Kicker in ihrer Entwicklung weiterbringt und ihnen darüber hinaus auch den nötigen Spaß an ihrem Sport verschafft. Es ist auch eine Antwort darauf, dass immer weniger Vereine genügend Kinder zusammenbringen, um jahrgangsbezogen eine eigene Mannschaft aufzustellen. „Selbst mit vier oder fünf Spielern können sie nun an einem Turnier teilnehmen“, erklärt Bock.

Auch die Eltern behalten beim Funino die Ruhe

Wegen der kleinen Spielflächen lassen sich Turniere aber auch ohne großen Aufwand ausrichten. Ein normaler Fußballplatz gibt zwischen acht und zehn Spielfelder her. Da ist es auch mit mehreren teilnehmenden Teams leicht möglich, die Kleinen ständig in Bewegung und bei Laune zu halten. Lange Wartepausen, bis die nächste Partie angepfiffen wird, gehören damit der Vergangenheit an.

Und noch etwas ist anders im Vergleich zum konventionellen Fußball. Weil alle Kinder zum Einsatz kommen und Tore in rauen Mengen fallen, verhalten sich auch die Eltern am Spielfeldrand viel vernünftiger als bei engen herkömmlichen Partien. „Alle haben einen Heidenspaß“, ist Bock begeistert über die positive Resonanz, die Funino bei den Turnieren findet, an denen bis zu 80 Kinder mitspielen. Im nächsten Jahr will er auch bei anderen Vereinen im Würmtal missionieren, damit in Zukunft noch mehr Kinder wieder Freude am Fußball haben.

Text: Christian Heinrich

 
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