FuPa Medizincheck: Schienbeinschmerzen
Donnerstag 28.04.16 08:00 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis6.434
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis.

FuPa Medizincheck: Schienbeinschmerzen

FuPa-SERIE: +++ Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport +++
Im FuPa-Medizincheck stellt Dr. Simeon Geronikolakis Verletzungen rund um die Sportart Fußball vor. Dieses Mal werden Ursachen, Diagnostik und Therapievorschläge im Bezug auf Schienbeinschmerzen erläutert. Übrigens: Wer eine Frage an Ihn hat, kann jene ganz einfach via Email stellen!


Schmerzen am Schienbein sind im Fußball in den meisten Fällen auf ein vorausgegangenes akutes
Ereignis, wie zum Beispiel einem Tritt, zurückzuführen. Je kleiner im Laufe der letzten Jahre die
Schienbeinschoner geworden sind, umso größer wurde diesbezüglich die Gefahr eine schmerzhafte
Schienbeinprellung davon zu tragen. Bei ungünstiger und zu großer Krafteinwirkung kann es sogar zu
einem Bruch des Schienbeines kommen, was glücklicherweise jedoch eher selten vorkommt.

Während eine Schienbeinprellung in der Regel relativ schnell ausgestanden ist, können
Schienbeinschmerzen anderer Ursache den Spieler sehr stark einschränken oder gar zu einem längeren  Ausfall zwingen.

Eine häufige Ursache: Das Schienbeinvorderkanten-Syndrom

 Beim sogenannten Schienbeinvorderkanten- oder shin splint Syndrom kommt es, oft bedingt durch
eine andauernde Fehlbelastung, zu einer Überlastung der Unterschenkelmuskulatur und nachfolgend
zu einer Knochenhautreizung an der Schienbeinvorderkante.

Die ersten Therapieschritte

In erster Linie gilt es die Belastung anzupassen und evtl. vorliegende muskuläre Dysbalancen (so zum
Beispiel ein Ungleichgewicht zwischen einer gut trainierten Wadenmuskulatur und einer oft
schwachen, jedoch beim Fußball stark beanspruchten, vorderen Schienbeinmuskulatur) durch
entsprechende Übungen auszugleichen.

Diagnostik

Durch eine sorgfältige körperliche Untersuchung sowie einer Laufanalyse können weitere mögliche
Ursachen festgestellt werden, beispielsweise eine Fehlstatik des Fußes oder eine Becken-, Beinachsen-
und Sprunggelenksinstabilität. Darüber hinaus sollten bei ausbleibender Beschwerdebesserung im
Verlauf, oder bei vorliegenden Hinweisen auch früher, durch entsprechende Zusatzuntersuchungen
mögliche anderweitige Diagnosen ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel ein Tumor, eine
knöcherne Stressreaktion oder gar ein Ermüdungsbruch.

Wichtig: Individueller Therapieplan und Rezidivprophylaxe

Abhängig davon können dann ein genauer Therapieplan (mit unter anderem physiotherapeutischer
und physikalischer Behandlung, medikamentöser Unterstützung, Stoßwellentherapie, ggf.
angepasster Einlagenversorgung und Lauf- bzw. Fußballschuhberatung) und ein individuelles
Aufbauprogramm festgelegt sowie Empfehlungen zur Rezidivprophylaxe ausgesprochen werden (z.B.
gezielte Dehnübungen, spezielle Ernährungsprinzipien).

Fallbeispiel:

Ein 19-jähriger Drittligaspieler (Position: Rechtes Mittelfeld) berichtete über seit vier Monaten
bestehenden und im Verlauf zunehmenden belastungsabhängigen Schmerzen am Schienbein seines
Schussbeines, die ihn beim Fußballspielen sehr stark und immer mehr einschränkten. Man habe ein
Schienbeinvorderkanten-Syndrom vermutet und mittels Salbenverbänden, Kinesiotapes und zuletzt
auch einer dreiwöchigen Pause behandelt. Nach Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining traten jedoch
erneut die bekannten Beschwerden in gleicher Intensität auf.

Aufgrund dieser Vorgeschichte und vor allem der eher untypischen Lokalisation der Schmerzen wurde
eine weitere Abklärung veranlasst, wobei eine ausgeprägte knöcherne Stressreaktion im mittleren
Schienbein festgestellt wurde, was als Vorstufe zu einem Ermüdungsbruch zu interpretieren war.

Es wurde somit sofort mit einem individuellen Therapieprogramm begonnen, das auch eine
medikamentöse Unterstützung beinhaltete und die weiteren Auffälligkeiten aus der körperlichen
Untersuchung anging. Von großer Wichtigkeit war zudem der regelmäßige direkte Kontakt zu den
Physio- und Sporttherapeuten um die Inhalte der jeweiligen Therapiestufen festzulegen und zu
überprüfen.

Eine Verlaufskontrolle sechs Wochen nach der Erstdiagnose zeigte bei dann auch subjektiver
Beschwerdefreiheit eine komplette Rückbildung der knöchernen Stressreaktion im Schienbein, so dass
der weitere Belastungsaufbau stattfinden konnte. Schon zwei Wochen später (diese Übergangszeit
konnte gering gehalten werden, da die durchgeführte Therapie auch das Ziel der Vermeidung eines
Kraftabbaus und Verlustes der Ausdauerfähigkeit befolgte) konnte der Spieler ohne Probleme wieder
ins Mannschaftstraining einsteigen. Zu einem Wiederauftreten der Symptomatik sei es seitdem nicht
mehr gekommen, mittlerweile spielt der Fußballer auch in einer höheren Liga.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U15-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.





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