FuPa Medizincheck: Der "Pferdekuss"
Dienstag 31.05.16 08:00 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis13.391
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis.

FuPa Medizincheck: Der "Pferdekuss"

FuPa-SERIE: +++ Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport +++
Im FuPa-Medizincheck stellt Dr. Simeon Geronikolakis Verletzungen rund um die Sportart Fußball vor.  Dieses Mal werden Ursachen, Diagnostik und Therapievorschläge im Bezug auf den Pferdekuss erläutert. Übrigens: Wer eine Frage an Ihn hat, kann jene ganz einfach via Email stellen!


Beim sogenannten „Pferdekuss“, oder auch „Eisbein“ genannt, handelt es sich um eine häufig bei Kontaktsportarten und meistens am Oberschenkel auftretende Muskelprellung.

Entstehung
Durch die stumpfe äußere Gewalteinwirkung, wie zum Beispiel bei einem Tritt, und die dadurch bedingte Zerstörung von Muskelgewebe sowie Gefäßen, tritt Flüssigkeit aus und es kommt zu einem Bluterguss im Muskel.

Symptome
Im ersten Moment ist ein Pferdekuss stark schmerzhaft und im Verlauf können in der betroffenen Region auch eine bläuliche Verfärbung sowie eine sichtbare Schwellung auftreten. Besonders unangenehm ist diese Verletzung am äußeren Oberschenkel, da die hier entlang ziehende straffe Sehnenplatte (Tractus iliotibialis) dem Druck eines darunter liegenden Hämatoms nur bedingt nachgeben kann.

Therapie
Von immenser Wichtigkeit ist eine adäquate Erstversorgung, die die üblichen Sofortmaßnahmen nach dem PECH-Schema (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) beinhaltet. Diese sollten schnell und korrekt angewendet werden, um so eine rasche Schmerzlinderung zu erreichen und vor allem eine weitere Einblutung zu vermeiden. Die nachfolgende Therapie richtet sich nach der Lokalisation sowie dem Ausprägungsgrad der Verletzung und ist individuell zu gestalten.

Komplikationen: Das Kompartement-Syndrom
Auch wenn es sich um eine häufige und eher unscheinbare Verletzung handelt, kann aus einem Pferdekuss, bei Eintreten von Komplikationen, großer Schaden entstehen. Wird beispielsweise der Druck durch das Hämatom zu groß, so können Blutgefäße und Nerven abgequetscht werden. Man spricht in diesem Fall von einem akuten „Kompartement-Syndrom“. Der hohe Druck sowie die Minderversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen können in der Folge zu einem Absterben von Muskelgewebe und Nervenzellen führen. Dieser Schaden ist dann irreparabel und der betroffene Muskel wird nie wieder seine volle Funktionsfähigkeit erreichen können.
Der frühere Nationalspieler Christian Ziege musste zum Beispiel im Jahre 2002 notoperiert werden, da sich aus einem Pferdekuss ein gefährliches Kompartement-Syndrom entwickelt hatte.
Eine weitere Komplikation, die aus einem Pferdekuss entstehen kann und hier noch zu erwähnen wäre, ist die Verkalkung oder Verknöcherung des Hämatoms. Um das Risiko einer solchen Komplikation zu reduzieren, kann in der Therapie ggf. eine medikamentöse Prophylaxe zusätzlich notwendig sein.

Fazit
So harmlos auch ein Pferdekuss oft zu sein scheint, ist die richtige Erstversorgung sowie eine geeignete nachfolgende Therapie von großer Bedeutung. Hierdurch kann die Ausfallszeit deutlich verkürzt und das Risiko von folgeschweren Komplikationen reduziert werden. Das Aufsuchen eines Sportarztes, wobei durch eine Ultraschalluntersuchung das Verletzungsausmaß bestimmt und die optimale Therapie eingeleitet werden kann, ist immer ratsam. Dabei kann auch individuell der weitere Belastungsaufbau Schritt für Schritt besprochen werden.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U15-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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