FuPa Medizincheck: Das Fußballergelenk
Donnerstag 25.08.16 08:00 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis2.638
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis.

FuPa Medizincheck: Das Fußballergelenk

FuPa-SERIE: +++ Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport +++
Im FuPa-Medizincheck stellt Dr. Simeon Geronikolakis Verletzungen rund um die Sportart Fußball vor. Dieses Mal werden Ursachen, Diagnostik und Therapievorschläge im Bezug auf "soccer‘s ankle" erläutert. Übrigens: Wer eine Frage an Ihn hat, kann jene ganz einfach via Email stellen!


Beim „soccer‘s ankle“, im deutschsprachigen Raum auch „Fußballergelenk“ genannt, handelt es sich um eine nach langjähriger Belastung durch den Fußballsport entstandene weichteilig sowie knöchern bedingte Enge (Impingement) am vorderen Gelenkspalt des oberen Sprunggelenkes.

Entstehung

Durch die immer wiederkehrenden ruckartigen Zugbelastungen des vorderen Kapselbandapparates beim Spannschuss aber auch durch das Anschlagen des vorderen Sprungbeins an das vordere untere Schienbein („Nussknacker-Syndrom“) entstehen mikroskopisch nachweisbare Einblutungen, die über einer zunehmenden Verkalkung zur Ausbildung von knöchernen Ausziehungen, sogenannten Exophyten, führen.

Symptome

Die Fußballer mit einem symptomatischen soccer’s ankle berichten über Schmerzen am vorderen oberen Sprunggelenk, die vorwiegend bei sportlicher Belastung (insbesondere beim Schuss), auch manchmal begleitend mit einer Schwellneigung, auftreten. Es lassen sich zudem am vorderen Kapselbandapparat Druckpunkte lokalisieren und das Bewegungsausmaß des oberen Sprunggelenkes ist in der Bewegung nach oben im Seitenvergleich oft auffällig reduziert. Auch findet man häufig eine chronische Band(mikro)instabilität, die sogar dann als ein ursächlicher Hauptfaktor angesehen werden kann und meistens auf eine nicht komplett ausgeheilte Sprunggelenksverletzung in der Vorgeschichte zurückzuführen ist.

Bildgebung

Zur Sicherung der Diagnose ist die Anfertigung von Röntgenaufnahmen des oberen Sprunggelenkes unabdingbar. Vor einem Eingriff oder bei unklaren Beschwerden wird auch die Durchführung einer Kernspintomographie (MRT) als sinnvoll und notwendig erachtet, um so weitere evtl. vorliegende Zusatzbefunde festzustellen.

Therapieentscheidung

Sollte die konservative Therapie, die neben physiotherapeutischen Maßnahmen evtl. auch eine medikamentöse Therapie (orale Medikamente und Spritzenbehandlung) beinhalten kann, nicht zu einem zufriedenstellenden Erfolg führen, so ist die Indikation zur operativen Versorgung zu stellen. Eine vorausgehende Mindestdauer der konservativen Behandlung kann nicht definiert werden, da der OP-Zeitpunkt vor allem im Profifußball nicht nur abhängig vom Ausprägungsgrad des Krankheitsbildes, dem Leidensdruck, der sportlichen Einschränkung und den Befunden in der Bildgebung ist, sondern auch von weiteren Faktoren wie zum Beispiel dem Saisonzeitpunkt, dem Punktestand der Mannschaft sowie der Wichtigkeit anstehender Spiele und auch des Spielers selber. In dieser Entscheidung sollte somit neben dem Spieler und dem Mannschaftsarzt auch das Trainerteam involviert werden.

Die Operation

Kommt es zu einer Operation, so wird bei einem klassischen soccer’s ankle durch eine Spiegelung des oberen Sprunggelenkes die entzündete vordere Gelenkkapsel entfernt und die knöchernen Ausziehungen am vorderen Schien- und/oder Sprungbein abgetragen bis wieder die ursprünglichen Konturen hergestellt sind. Zusatzbefunde, die bereits in der präoperativen Diagnostik festgestellt oder auch erst bei der Operation vorgefunden wurden, können in gleicher Sitzung mitbehandelt werden.

Fallbeispiel

Ein 31-jähriger Innenverteidiger eines Zweitligisten berichtete über seit mehreren Monaten
bestehenden und im Verlauf zunehmenden belastungsabhängigen Schmerzen im vorderen Bereich des
oberen Sprunggelenkes seines Schussbeines. In der Vorgeschichte wurde hier eine zweimalige
Aussenbandverletzung angegeben, die aber jeweils ohne Folgeschäden oder einer bemerkbaren
Restsymptomatik ausgeheilt sei. Die körperliche Untersuchung und die Bildgebung ergab die Diagnose
eines soccer’s ankle mit zusätzlicher Mikroinstabilität. Es wurde eine konservative Therapie eingeleitet
wodurch die aktuellen Beschwerden zwar nicht komplett beseitigt, aber soweit reduziert werden
konnten, dass er am Mannschaftstraining und Spielbetrieb ohne große Einschränkungen wieder
teilnehmen konnte. Aufgrund dessen und um die Risiken eines Eingriffes zu vermeiden, verzichtete der
Spieler auf eine operative Versorgung, die, sollte die noch verbliebene Symptomatik doch störend oder
gar einschränkend sein, zu einem günstigeren Saisonzeitpunkt geplant werden könnte.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U15-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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