
2015 war ein schwarzes Jahr für die FT Schweinfurt. Die Mannschaft, damals trainiert von Thomas Freund (53), der hatte den einstigen Rekordtrainer Ernst Gehling (63) nach 25 (!) Jahre in Folge als Chefanweiser bei den Schweinfurtern abgelöst, musste runter in die Bezirksliga. Eigentlich unvorstellbar, aber doch wahr. Im zweiten Jahr in der Bezirksliga folgte sogar der Absturz in den Kreis, dort hatten die Schweinfurter seit Jahrzehnten nicht mehr gespielt. Doch nun wendete sich das Blatt, die Unterfranken wurden 2018 Meister in der Kreisliga Schweinfurt 2 mit nur zwei Niederlagen bei 106:27 Toren und in diesen Jahr heimsten sie den Titel mit nur zwei Niederlagen und elf Punkten Vorsprung bei 94:29 Toren in der Bezirksliga Ost ein. Gehling, dessen Name so eng mit dem Verein verbunden ist wie kein Zweiter, ist inzwischen Abteilungsleiter und trainiert die dritte Mannschaft. Nach dem Tief ist der Verein wieder aufgestanden und das formuliert Gehling so: "Wir haben zwei fantastische Jahre hinter uns." Drei Tage nach dem Aufstieg gelang den Schweinfurtern noch der Pokalsieg.
Damit haben sich die Freien Turner wieder in ihre frühere und langjährige Umgebung, in der sie fast vier Jahrzehnte zu Hause waren, katapultiert. Trainer ist Adrian Gahn, der den Laden kennt, weil er selbst neun Jahre unter Gehling gespielt hat, also auch einer wie Gehling, der die Abläufe am Kleinflürleinsweg im Schweinfurter Norden bestens kennt. Gehling will festgestellt wissen: "Adrian hat bei uns sportlich das Sagen, ich kümmere mich im Hintergrund um andere Dinge." Finanziell war es schon immer schwierig bei den Freien Turnern, die eigentlich die "kleinen Turner" sind, was das Geld angeht. Über Jahrzehnte hinweg beherrschten es Gehling und Co. immer wieder aus ganz wenig viel zu machen. Daran hat sich auch im Jahr 2019 nichts geändert. "Wir würden gerne noch zwei Spieler holen, aber das ist noch nicht fix", sagt Gehling, denn Neuzugänge zu holen ist in der Vergangenheit schon oft am Geld gescheitert. Dafür sind die Freien Turner ein familiärer Verein mit großer Tradition, der Klub wurde bereits 1902 gegründet.
Zu den Leistungsträgern zählt mit erst 21 Jahren Torjäger Dominik Popp. Dem gelangen in der Kreisliga 36 Treffer, in der Bezirksliga waren es 32 Einschüsse. Mit Maximilian Mosandl vom TSV Großbardorf gibt es bis jetzt eine Verstärkung. Den Verein verlassen haben Stefan Hahn zum neuen Ligakonkurrenten SG Euerbach/Kützberg und Patrick Albert zum TSV Lengfeld, der ebenfalls in der gleichen Liga spielt. Ob sich noch etwas tut, wird sich zeigen. Große Ziele geben Gehling und Gahn nicht aus. "Für uns zählt in erster Linie der Klassenerhalt. Wir wollen versuchen, mit unseren Mitteln und wieder in der Landesliga zu etablieren, was schwer genug wird. Vielleicht gelingt es uns die Aufstiegseuphorie mitzunehmen, dann ist einiges möglich." Gehling freut sich ganz besonders darauf, wieder auf Vereine aus Frohnlach, Coburg, Friesen und Memmelsdorf, gegen die früher schon oft gespielt wurde. Die Freien Turner sind also wieder da und werden sicher anders als andere Aufsteiger ihren eigenen Weg in dieser Landesliga Gruppe Nordwest suchen und finden, so, wie sie es Jahrzehnte zuvor immer wieder praktiziert haben.