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Donnerstag 11.08.16 13:59 Uhr|Autor: Romina Burgheim830

Fels in der Brandung

Markus Wuckel - ein Mann mit Format stellt sich besonderem Interview-Format
Wolkenverhangener Himmel. Ein laues Lüftchen weht. Bäume im satten Grün rahmen eine große hellgrüne Fläche ein. Der Rasen ist frisch gemäht. Nur hier und da wird der makellose Anblick durchbrochen von kleinen braunen Hügeln oder winzig großen Löchern. Eine Katze huscht über das Feld und gräbt sich in einem Loch fest. Eifrig wühlt sie mit ihren Pfoten darin. Und wird fündig. Sie zieht eine Maus heraus und transportiert sie in ihrem Maul stolz zum eigenen Plätzchen. Ansonsten herrscht idyllische Ruh.

Was wie der Beginn eines Rosamunde Pilchers Roman anmutet, ist lediglich die Beschreibung eines ganz besonderen Arbeitsplatzes. Und dieser gehört keinem geringeren als Markus Wuckel. Trainer der 1. Frauenmannschaft von DSC Arminia Bielefeld. In weißem Hemd und schwarzer Trainingshose steht er in Asemissen auf dem Platz und gibt die letzten Instruktionen. Seine fleißigen Betreuer, Haroon und Diego, versuchen in Windeseile Netze, Kegeln und Hüte in Position zu bringen. Schließlich soll gleich trainiert werden. Es ist 18:18 Uhr. Bleiben also noch 12 Minuten Zeit für ein kleines Interview bis zum Training. Ein eng bemessenes Zeitfenster? Denkste! Warum der Trainer nicht nach der Übungseinheit in Ruhe die Fragen beantworten möchte, will Querpass wissen. Er wiegelt ab mit der Begründung: „Ne wenn ich ein gutes Training hinter mich gebracht habe, habe ich keine Lust mehr zu reden. Dann ist Sense!“ Leuchtet ein! Wer Markus Wuckel kennt, weiß, dass er statt großer Worte, lieber Taten folgen lässt. Seit 12 Jahren lenkt er die Geschicke beim DSC. Ein Fels in der Brandung, den es so, seit Bernd Schröder bei Turbine Potsdam die Trainerschuhe an den Nagel gehängt hat, in der Frauenfußballlandschaft wohl kaum mehr zu finden ist. Es sind stürmische Zeiten, die hinter Markus Wuckel liegen und ähnlich stürmische Zeiten, die auf ihn zukommen.

                                                      Stur. Hartnäckig. Kämpferisch.

Die Attribute, die Arminia stolz unter ihrem Vereinsemblem postiert hat, versinnbildlicht der Ex-Profi per excellence. Denn seine Engelsgeduld gepaart mit einer riesigen Leidenschaft hat sich ausgezahlt. Nach zehn Jahren Verbandsligaengagement gelang ihm der erste große Achtungserfolg. Aufstieg in die Regionalliga 2015! Dank sensibler und bedachter personeller Verstärkungen machte er im darauffolgendem Jahr das Wunder von Bielefeld möglich. Der Durchmarsch und die Sensation war perfekt: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte darf man in der 2.Liga mit den OWL-Rivalen aus der Region, Gütersloh und Herford, auf Augenhöhe konkurrieren und gleich zu diesem Zweck die Schüco-Arena zur Spielstätte sein eigen nennen. Eine große Geste, die der Präsident des Vereins und bekennender Frauenfußball – Fan, Hans-Jürgen Laufer, durchgesetzt und ermöglicht hat. Keine Selbstverständlichkeit, da der Frauenfußball gerade in Vereinen mit traditionsreichen Männermannschaften (immer noch) ein Schattendasein fristet. Die Frauenabteilungen des HSV und Vfl Bochums können davon ein trauriges Lied singen.

Und der Respekt ist groß vor den Schützlingen des ehemaligen DDR-Nationalspielers. Oder wie sonst  ist das explizit benannte Saisonziel von Vorstandsmitglied Horstkötter aus der Nachbarschaft zu erklären, dass Gütersloh am Saisonende vor allem vor Arminia Bielefeld in der Tabelle stehen möchte? Der Aufsteiger wird in Fachkreisen sogar als Geheimfavorit gehandelt. Davon will und kann aber Markus Wuckel nichts hören. Der Klassenerhalt hat oberste Priorität. Alles andere darüber, nehme man gerne mit. Wer ihn kennt weiß, dass er lieber eine Nummer tiefer stapelt als zu hoch zu fliegen (denn dann kann man ja auch bekanntlich tiefer fallen). Bescheidenheit und Demut sind wichtige Tugenden im Fußball, um Erfolg zu haben. Denn nichts ist vergänglicher als Ruhm. Das weiß er aus eigener Erfahrung. Und diese reicht er gerne an seine Spielerinnen weiter. Auf die ihm ganz eigene Art. Was seinen Führungsstil ausmacht und wie er Herr im Hause bleibt, hat Querpass versucht in Erfahrung zu bringen. Mit einem Interviewformat, das einem Mann seines Formats gerecht wird. Denn er ist jemand, der nicht lang um den heißen Brei redet, sondern schnell und prägnant auf den Punkt kommt. So auch das Setting: Zu einem Oberthema bekommt der Interviewte zwei Antwortmöglichkeiten zur Wahl gestellt. Für eine Antwort muss er sich entscheiden. Eine Begründung ist wünschenswert. Umfangreich und überzeugend. Aber nur, wenn er will J

 

Querpass: Hallo!

Markus Wuckel (trocken): Hallo!

Querpass: Wie bereitest du dich am besten auf ein Training vor? Akutes Improvisieren oder akribisches Initieren?

Markus Wuckel (überlegt ein bisschen, atmet einmal tief durch): Ähh eigentlich morgens immer so zwei Stunden den Trainingstag vorbereiten, akribisch...aber manche Trainingseinheiten mache ich aus dem Bauch heraus, um auch einzugreifen, wenn was nicht so wie geplant läuft. Dann wird eine Änderung gemacht (schmunzelt diabolisch): Jaaa dann trainiere ich was anderes, was ein bisschen intensiver ist.

So wie ihn unvorhergesehene Ereignisse nicht aus dem Konzept bringen können, ja er gar bestens auf sie vorbereitet zu sein scheint, vertraut er bei der nächsten wichtigen (kommunikativen) Kompetenz eines Trainers ganz auf sein Bauchgefühl bzw. auf seinen Erfahrungsschatz:

Querpass: Wie motivierst du am besten deine Spielerinnen? Rhetorische Stilblüten oder spontaner Redefluss?

Markus Wuckel: (mit unbeweglicher Miene): Das Zweitgenannte!

Querpass: Welcher Coachingstil sagt dir am ehesten zu? Destruktiver Schreihals oder stiller Dompteur?

Markus Wuckel (Mundwinkel verziehen sich zu einer angestrengten Denker-Miene): Mmmmhhh beides nicht...Ich denke, ich bleibe beim Stil von Markus Wuckel!

Ganz entgegen seiner direkten, unverfrorenen Art hüllt sich Markus Wuckel diesmal in vielsagender Uneindeutigkeit. Vielleicht aber auch eine reine PR-Strategie, um neugierig gewordene an die neue fußballerische Heimstätte der DSC-Ladys zu locken? Denn wer wissen will, was den (Führungs-) Stil von Markus Wuckel ausmacht, kann sich davon bei den Heimspielen der Arminia-Spielerinnen ein eigenes Bild machen. Ab sofort werden die Zweitligabegegnungen aufgrund der DFB-Bestimmungen im Waldstadion in Bielefeld – Quelle ausgetragen.

 

Querpass: Welche Regierungsform liegt dir am besten? Mächtige Demokratie oder deutliche Monarchie?

Markus Wuckel (lächelt verlegen, dann wandelt sich das Schmunzeln mit fortschreitender Denkzeit in ein amüsiertes Lachen): Da nehme ich auch das zweitgenannte, die Däm...die Demokratie...Ja....Nehm ich........Ja, da nehm ich die Demokratie....(Lachen hält an)

Wer aufmerksam die Zeitung verfolgt hat, weiß, dass unter der Demokratie Markus Wuckel nur zwei Demokratien kennt: Die eine heißt Markus, die andere Wuckel!

Querpass: Welche Taktik präferierst du? Druckvolles Pressing oder planvolles Doppeln?

Markus Wuckel (wieder gefasst): Das erstgenannte.

Hier zeigt sich, dass wir doch alle Kinder unserer eigenen Sozialisation sind. Gemäß seiner Ausbildung als Strafraumstürmer setzt er dieses spielerische Erbe auch als Trainer fort. Seine aggressive Spiel-Philosophie, Angriff ist die beste Verteidigung, hat sich v.a. in den letzten beiden Jahren bewährt und wurde mit vielen Toren und wenigen Gegentreffern belohnt. In den nächsten Rubriken beweist aber der kantige Hüne, dass auch die Redewendung harte Schale, weicher Kern für ihn seine Gültigkeit besitzt. So zeigt er beispielsweise für eine ganz besondere Berufsgruppe viel Mitgefühl:

Querpass: Schiedsrichter: Arme Pfeifen oder pfiffige Akteure?

Markus Wuckel: (runzelt die Stirn, Augenbrauen kritisch zusammengezogen):

Ohhhh es gibt ja viele junge Schiris, manchmal tun sie mir leid...also eher arme Pfeifen.

Querpass: Wie gehst du mit Niederlagen um? Schnelles Abhaken oder anstrengendes Sinnieren?

Markus Wuckel: (unverändert angestrengter Gesichtsausdruck): Niederlagen ganz schlecht... brauch ich immer mindestens eine Nacht, in der gar nicht geschlafen wird. (zieht die Luft bedeutsam durch die Zähne ein, verzieht die Mundwinkel abschätzend): Und dann nochmal den ganzen Montag meistens nach dem Sonntagspiel. Und dann  muss das aber auch abends bis zum Training weg sein. Aber.... Kann ich gaaaaaaanz schlecht ab.

Ein Mann also, der eine große Leidensfähigkeit besitzt. Man kann gespannt sein, iniwefern diese Leidensfähigkeit in der neuen Liga von seinen Ladys in Anspruch genommen wird und wieviele schlaflose Nächte er zu überstehen hat. Auf die ein oder andere Niederlage ist er zwar mental vorbereitet, doch seien wir ehrlich: Wirklich geprüft wurde dieses Unterlegenheitsgefühl nicht mehr, waren die letzten beiden Jahren schon sehr erfolgsverwöhnt („Waren schon gute zwei Jahre, ne?“) und boten mehr Anlass für folgendes Prozedere:

Querpass: Womit stößt du am liebsten an? Sprudelnder Sekt oder stilles Selters?

Markus Wuckel: Ohhhh stille Selters....

Ein vorbildlicher Sportsmann, der auch ohne liquide Zusatzsubstanzen zum Partyhengst mutiert und auch keine Scheu hat, mit seinen Spielerinnen bei sich bietender Gelegenheit einen flotten Discofox aufs Parkett zu legen, wobei er bei einschlägigen Liedern erschreckend gute Textkenntnisse aufweist J

Querpass: Nach dem Spiel kommst du am besten wie runter?

Markus Wuckel: Angeln oder Radfahren.

Querpass: Möchtest du abschließend noch etwas sagen?:

Markus Wuckel: Ne, ich hab schon zu viel gesagt...Tschüß!

Bildquelle:

http://www.westfalen-blatt.de/var/storage/images/wb/startseite/owl/lokalsport/bielefeld/bielefeld/2376113-meistermacher-markus-wuckel-und-seine-abteilung-attacke-sonntag-soll-gefeiert-werden-vollblut-stuermer-lebt-siegeswillen-vor/69881773-1-ger-DE/Meistermacher-Markus-Wuckel-und-seine-Abteilung-Attacke-Sonntag-soll-gefeiert-werden-Vollblut-Stuermer-lebt-Siegeswillen-vor_image_630_420f_wn.jpg

 
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